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Rheurdt: Über das Ökosystem der Muscheln

Natur in Rheurdt : Über das Ökosystem der Muscheln

Vanessa Meinert, Studentin der Hochschule Rhein-Waal, weist den Rückgang heimischer Muschelarten in der Eyllschen Kendel in Rheurdt nach. Wie die Lineg die Hochschularbeit der jungen Wissenschaftlerin unterstützte.

Ursprünglich stammen sie aus Asien, doch längst haben sich die grob- und die feingerippte Körbchenmuschel auch am linken Niederrhein dauerhaft angesiedelt. Die beiden Exoten gehören zu gebietsfremden Arten, deren Ausbreitung sich spürbar auf die Ökosysteme auswirkt. Wie tiefgreifend so eine Veränderung sein kann, wies Vanessa Meinert am Beispiel der Eyllschen Kendel in Rheurdt nach. Dort wurde der Bestand heimischer Großmuscheln drastisch reduziert. „Sie wurden vor allem durch invasive Muschelarten verdrängt“, fasst die Studentin der Hochschule Rhein-Waal das Ergebnis ihrer Bachelor-Arbeit zusammen.

Für ihre Untersuchung griff sie auf die Daten einer wissenschaftlichen Studie im Lineg-Gebiet aus dem Jahr 1976 zurück. Damals wurde im Boden des Bachlaufes eine Dichte von 21,56 heimischen Muscheln pro Quadratmeter ermittelt. Bei zwei Stichproben im März und im Juni 2021 fand sie nun nur noch 2,8 beziehungsweise 1,37 Großmuscheln pro Quadratmeter. „Der Bestand sank innerhalb von 45 Jahren um mehr als das Zehnfache“, rechnet die Hochschülerin vor. Aber – arm an Muscheln sei die Eyllsche Kendel auch heute nicht. Gleichzeitig fand sie dort 20,8 beziehungweise 24,3 Exemplare pro Quadratmeter der Corbicula fluminea, sprich der Grobgerippten Körbchenmuschel.

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Ursachen für den extremen Wechsel der Muschelfauna gibt es mehrere, meist sind es von Menschen gemachte Gründe. Laut Naturschutzbund hätten nährstoffreiche Einleitungen aus der Landwirtschaft große Auswirkungen auf die Güte und Struktur von Gewässern, erläutert die Lineg. Gleiches gelte für frühere Begradigungen von Bachläufen und Versiegelungen von Oberflächen. Hinzu kämen natürliche Fressfeinde wie die Bisamratte oder die Nutria, die bis zu ihrer Ansiedlung ebenfalls gebietsfremd war.

Die asiatischen Körbchenmuscheln dagegen seien durch den globalen Warentransport eingeschleppt worden. Die Bestandsaufnahme der Eyllschen Kendel, einem Niederungsbach, der typisch für den Niederrhein ist, entspreche einer bundesweiten Entwicklung. Fast ein Drittel aller heimischen Muschelarten haben ein Problem, in Gewässern zu überleben. Laut der Roten Liste gelten, so die Lineg, 11,1 Prozent der deutschen Großmuscheln als gefährdet, 5,6 Prozent als stark gefährdet und 11,1 Prozent als vom Aussterben bedroht. „Leider können wir in unserem Verbandsgebiet heute nur noch wenige Gewässerabschnitte mit heimischen Großmuschelvorkommen verzeichnen“, bestätigt Carmen Gallas.

Die stellvertretende Leiterin des Lineg-Zentrallabors unterstützte die Hochschularbeit. Welche Folgen der Verlust von heimischen Großmuscheln nach sich ziehen kann, erklärt Vanessa Meinert anhand des Bitterlings. Der kleine Karpfenfisch ist bei seiner Fortpflanzung auf Muscheln mit einer Größe von bis zu sechs Zentimetern angewiesen; darin legen die Weibchen ihrer Eier ab und werden über das Wasser besamt. Für diese Art der Vermehrung sind die mit bis zu drei Zentimetern viel kleineren Körbchenmuscheln ungeeignet. Daher vermutet die Studentin, dass der Bestand an Bitterlingen in der Eyllschen Kendel ebenfalls stark rückläufig sei. „Ob das wirklich so ist, wird die Lineg demnächst untersuchen“, kündigt . Carmen Gallas an.