Rheurdt: Mehr Sachlichkeit, bitte!

Unsere Woche : Mehr Sachlichkeit, bitte!

Wenn ich verunglücke – und im Auto eingeklemmt bin, wünsche ich mir eine Feuerwehr, die schnell kommt, mich rasch befreit, feststellt, wie schwer meine Verletzungen sind und mich sicher und so schnell wie möglich in ein Krankenhaus bringt.

Wenn mein Haus brennt, wünsche ich mir eine Feuerwehr, die so schnell wie möglich kommt, löscht und erkennt, dass auf der Terrasse eine Gasflasche neben dem Grill steht und den 20-Liter-Kanister mit Benzin aus der Garage birgt.

Die Feuerwehr löscht Brände und rettet Leben. Warum stehen die ehrenamtlichen Helfer in Neukirchen-Vluyn und in Rheurdt plötzlich im Visier der Politik? In Neukirchen-Vluyn gab es am Mittwoch eine Sondersitzung des Rates, bei der der Feuerwehrchef Lutz Reimann in geheimer Abstimmung nur mit denkbar knapper Mehrheit wiedergewählt wurde – 17 Ratsmitglieder stimmten mit „Ja“, 14 mit „Nein“, vier Politiker enthielten sich. Das war eher ein Misstrauensvotum. Eine angemessene Bestätigung des Geleisteten sieht jedenfalls anders aus. In Rheurdt sind Leiter der Feuerwehr und sein Stellvertreter am Montag von ihren Ämtern zurückgetreten. Begründung: Sie können nicht länger die Verantwortung für ihre Kameraden übernehmen, die zum Spielball der Politik geworden seien. Da brennt die Hütte.

Es wäre in beiden Kommunen gut, sich an eines zu erinnern: Die dortigen Feuerwehren funktionieren auf rein ehrenamtlicher Basis. Mit einem Maximum an persönlichem Einsatz. Es muss niemand mitten in der Nacht aufstehen, um an nach einem Unfall Menschenleben zu retten. Irgendwie scheint der Respekt vor dem Ehrenamt in der Politik verloren gegangen zu sein. Darum noch mal zur Erinnerung: Falls keiner diese Arbeit tut, haben alle Bürger ein Problem.

Umgekehrt sollten Feuerwehrleute aus ihrem Alleinstellungsmerkmal nicht ableiten, dass all ihre Wünsche – sofort und zu 110 Prozent - erfüllt werden. Die Politiker sind nicht ihre Gegner, sie tragen die Verantwortung für die Gemeindekasse. Immer und überall gilt: Das Geld ist knapp und reicht bei weitem nicht. Politik gleicht die Interessen aus.

Damit das gelingt, ist die erste Voraussetzung: Miteinander sprechen, nicht übereinander. Sachlich und mit Respekt voreinander sollten Politiker und Feuerwehrleute erörtern, was notwendig ist. Dabei verdient die Feuerwehr einen Sonderbonus (siehe oben). Auch wenn sich in Rheurdt eine Dachterrasse oder Raumgrößen für eine Neid-Debatte anbieten: Im Sommer machen die Feuerwehr zum Beispiel Bereitschaften, bei Feld- oder Waldgefahr. Während alle anderen ihr Wochenende genießen dürfen – dank der Feuerwehr.

dirk.neubauer@rheinische-post.de

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