Rheurdt: Besitzerinnen von missbrauchten Pferden gründen Selbsthilfegruppe

Hilfe für Betroffene am Niederrhein: Besitzerinnen von missbrauchten Pferden gründen Selbsthilfegruppe

Mehrere Reiterinnen aus Rheurdt wollen anderen Menschen am Niederrhein helfen, deren Pferde sexuell missbraucht wurden. Betroffene würden oft nicht ernst genommen, beklagen sie - und haben es selbst erlebt.

Vielsagendes Augenrollen, spöttisches Grinsen, ein schneller, schlechter Scherz: Mit dem Thema „Pferdeschändung“ sind vor allem Männer schnell durch. „Häufige Reaktionen sind: ‚Das gibt’s doch nicht‘ oder ‚Wer macht denn sowas‘“, sagt Linda Schüller, Pferdepsychologin aus Rheurdt. Das soll nicht so bleiben. Eine neue Selbsthilfegruppe von Besitzerinnen betroffener Stuten bietet Hilfe an. Zum „Bündnis gegen Pferdemissbrauch am Niederrhein“ gehören im Kern vier aktive Frauen, die das alle schon einmal selbst durchlebt haben. Dazu gehören das Gefühl, von Behörden, manchmal auch von Freunden und Familien, nicht ernst genommen zu werden; und der schräge Blick von Reitstallbesitzern, die nach einer Pferdevergewaltigung in ihren Boxen fürchten, dass Pferdebesitzer ihre Tiere umquartieren und die Mieteinnahmen wegbrechen.

„Da ist es für die betroffenen Reiterinnen ein Segen, wenn sie mit jemandem reden können, der ihre Wut und ihre Sorge nachempfindet“, sagt Linda Schüller. Öffentlich bekannt werden nur wenige Fälle – wie der einer Araberstute, der vor wenigen Tagen in einem Rayener Stall Gewalt angetan wurde. Vorher waren dem Pferd die Hinterbeine gefesselt worden. Die Kripo in Wesel wertet derzeit Videoaufnahmen von Überwachungskameras aus.

Im März dieses Jahres hatte in einer Rheurdter Stall ein 44-Jähriger Pferdevergewaltiger anhand von Videoaufnahmen überführt werden können. Zuvor hatte Besitzerin Gabi Schlösser (Name geändert, d.Red.) starke Wesensveränderungen an ihrem Pferd festgestellt. Das Tier schreckte häufig zusammen und ließ sich nicht mehr anfassen. Der per Videobeweis überführte Mann aus Rheurdt kam mit einer geringen Geldstrafe wegen Hausfriedensbruchs davon. Da das Tier Juristen als Sache gilt, haben Täter kaum etwas zu befürchten. Mehr noch: Ein Staatsanwalt aus Kleve stellte fest: Sodomie sei eine im ländlichen Raum verbreitete Praxis.

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„Das war für mich der nächste Nackenschlag“, sagt Gabi Schlösser, die nach Aufdeckung der Taten „völlig fertig war mit den Nerven“. Jeden Tag kann es passieren, dass sie den verurteilten Täter im Dorf sieht. „Dann wird mir speiübel.“ Mit anderen in einem geschützten Kreis darüber sprechen zu können – oder auch nachzufragen, wenn man erste Verdachtsmomente hat – dafür will das „Bündnis gegen Pferdemissbrauch“ einstehen. Wie viele Vergehen es an Pferden gibt, bleibt vorerst im Dunkeln. Linda Schüller berichtet von der Aussage einer Tierärztin, dass sie vier bis fünf Pferde pro Jahr nach Vergewaltigungen behandelt. „Bei einer spontanen Zählung kamen wir auf elf Tierärzte hier in der Region“, sagt Linda Schüller.

Als Gegenmaßnahmen empfiehlt sie den Einsatz von Videokameras und eine erhöhte Aufmerksamkeit. Wer auf einem Pferdehof herumschleicht, ohne dort hinzugehören, sollte höflich angesprochen werden, ob man helfen könne. Wichtig sei, dass sich die Täter nicht sicher sein können, dass ihre Taten im nächsten Moment aufgedeckt werden.

Kontakt zur Selbsthilfegruppe per Mail: linda@follow-that-dream.de

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