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Neukirchen-Vluyn: Rekord: Nabu sammelt 3095 Kröten

Neukirchen-Vluyn : Rekord: Nabu sammelt 3095 Kröten

Der Naturschutzbund hat in der Littard so viele Tiere gezählt wie seit Jahren nicht mehr. Ein Biologe entdeckte auch einige Exemplare des seltenen Lederlaufkäfers.

Der Naturschutzbund hat seine Kröten-Aktion für dieses Jahr beendet - mit einem stolzen Ergebnis: Vom 8. März bis zum 14. April haben die Nabu-Helfer am Krötenzaun in der Littard insgesamt 3095 Erdkröten gezählt; der "Rekordtag" war der 31. März, an dem nach nächtlichem Regen allein 490 Erdköten aufgesammelt wurden. Zum Vergleich: Im Vorjahr waren es 1916 Kröten, im Jahr 2016 nur 1472 und im Jahr 2015 magere 1373.

Wie der steile Anstieg der Krötenzahl zu erklären ist, weiß Franz Reuter vom Nabu aus Neukirchen-Vluyn noch nicht so recht. Einerseits seien Schwankungen normal. "Vor Jahren hatten wir auch schon mal viele Kröten." Andererseits sei es möglich, dass die Bemühungen des Nabu um die bedrohten Tiere Wirkung zeigten. Auf dem Weg zu ihren Laichgründen in der Littard müssen die Kröten den Littardweg queren.

Foto: Herbert Gubbels

Viele waren in der Vergangenheit von Autos plattgefahren worden. Seit ein paar Jahren bauen deshalb Nabu-Helfer einen 700 Meter langen Krötenzaun und Auffangbehälter für Kröten auf. Die Tiere plumpsen in die Eimer und werden dann von Nabu-Helfern sicher über die Straße gebracht. Die aktuellen Krötenzahlen leitete der Nabu an die Untere Landschaftsbehörde weiter. Neben den über 3000 Kröten zählten die Naturfreunde in der Littard auch 201 Grasfrösche sowie 104 Molche - auch das sind im Vergleich zu den Vorjahren hohe Zahlen.

"Abgesehen von dem Bemühen um den Erhalt der Krötenpopulation ist auch der Aspekt der Verkehrssicherheit zu sehen", sagt Reuter über die Krötenaktion. "Durch den Autoverkehr könnte es zu Hunderten von überfahrenen Kröten kommen, was wiederum für den Straßenverkehr und insbesondere dem Radfahrer zu Einschränkungen (Rutschgefahr) führen könnte."

Gut 20 ehrenamtliche Helfer unterstützten den Nabu beim Auf- und Abbau des Krötenzauns sowie dem allmorgendlichen Zählen und Umsetzen der Tiere in der Littard. Erstmals gehörte Herbert Gubbels dazu, der früher am Gymnasium Adolfinum in Moers Bio unterrichtete und sich nach seiner Pensionierung dem Naturschutz widmet.

Gubbels beschäftigt sich vor allem mit den Wildpflanzen, interessiert sich aber auch für Insekten - Käfer zu Beispiel. "450 verschiedene Laufkäferarten gibt es allein in Deutschland", sagt er. Weil in den Amphibien-Eimern auch Käfer zu finden waren, sah sich Gubbels diese genauer an. Neben vielen Goldleistenkäfern entdeckte er Exemplare des Lederlaufkäfers. "Er steht unter Naturschutz und ist am linken Niederrhein, der von Agrarindustrie und Massentierhaltung bestimmt wird, sehr selten", sagt Gubbels.

Dass der Lederlaufkäfer in der Littard lebt, ist einerseits bemerkenswert, andererseits kein Grund zum Jubeln. "Unter hunderten von Goldleistenkäfern, waren insgesamt nur vier Lederlaufkäfer", sagt der Biologe. "Da stimmt etwas nicht mit dem Ökosystem. Jeder Verlust einer Art bedeutet Verlust an genetischer Vielfalt. Jede Art hat eine besondere Funktion im Ökosystem."

Auch die hohe Zahl an Erdkröten könne man kritisch sehen, gab Gubbels zu bedenken. Die Erdkröte sei nur eine von mehreren Krötenarten. Dass der Bestand einer Art zunehme, während der anderer Arten sinkt, sei ebenfalls ein Zeichen für ein nicht intaktes Ökosystem.

(RP)