Ratsmehrheit in Neukirchen-Vluyn weist Wünsche des TC Rot-Weiß zurück.

Lange Gesichter beim TC Rot-Weiß Vluyn: Tennisverein im Rat abgeschmettert

Rot-Weiß Vluyn bekommt keine Option auf zwei zusätzliche Spielflächen. Nachbargrundstück geht an Investor.

Dr. Raimund Sicking will die Sache sportlich nehmen. „Ich bin immer bemüht, in allem das Gute zu erkennen“, sagt der Vorsitzende des Tennisclubs Rot-Weiß Vluyn. Doch an der Tonlage und der überaus vorsichtigen Wortwahl lässt sich erahnen, wie sehr es ihm nahe geht, derart von der Ratsmehrheit abgeschmettert worden zu sein. Mit zwei Wünschen seines Vereins ist Sicking in die Stadtratssitzung gezogen. Der wichtigste war: Noch vor einem Verkauf der Sportanlage an der Sittermannstraße an einen Investor sollte die Stadt per Grundbucheintrag den Lärmschutz dinglich festlegen; als Schutz des Tennisvereins vor möglicherweise klagefreudigen Nachbarn. Wunsch Nummer zwei: eine Erweiterungsoption um zwei Tennisplätze. Beides blieb dem TC Rot-Weiß versagt.

Stattdessen machte eine Ratsmehrheit im nicht-öffentlichen Teil den Verkauf der benachbarten Sportanlage an einen Investor klar. Der will dort Wohnhäuser bauen. Zwischen zwei und drei Millionen fließen angeblich in die Neukirchen-Vluyner Stadtkasse. Während die Christdemokraten in der Sitzung für den TC Rot-Weiß kämpften, schlug sich der christdemokratische Bürgermeister Harald Lenßen auf die Seite der Mehrheitsfraktion SPD. Und bei der sind Tennisfreunde in der Minderheit. SPD-Ratsherr Rolf Heber sagte es so: „Wir verstehen nicht, wieso der Tennisverein erst jetzt mit seinen Wünschen um die Ecke kommt.“

„Diese Aussage stimmt ganz einfach nicht“, entgegnete Sicking im Gespräch mit der RP. Und blätterte in seinem Terminkalender: Am 11. April sei er mit der zweiten Vorsitzenden im Rathaus beim Bürgermeister gewesen, am 16. Mai beim technischen Beigeordneten Ulrich Geilmann und am 23. Mai waren alle Fraktionen beim TC Rot-Weiß eingeladen. Gekommen waren damals CDU und SPD, alle übrigen bekamen schriftliche Informationen. „Zu spät waren wir ganz bestimmt nicht“, sagt Sicking.

Statt das Gewinninteresse der Stadt mit den Wünschen von 270 Tennisspielern in Einklang zu bringen, zogen Politik und Verwaltung durch. Im öffentlichen Teil der Ratssitzung wurde seitens der CDU gefragt: „Würde ein Grundbucheintrag die Kaufentscheidung des Investors gefährden?“ Bürgermeister Lenßen antwortete knapp: „Ja.“ Deshalb wurde dieser Punkt in den nicht-öffentlichen Teil verschoben.

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Der Wunsch nach einer Option auf zwei zusätzliche Tennisplätze – und damit einem Anteil von rund 1400 Quadratmetern des mehr als 35.000 Quadratmeter großen Geländes – wurde noch im öffentlichen Teil abgelehnt. Begründung: Es gebe in Neukirchen-Vluyn genug Tennisplätze. Außerdem, so hieß es, hätte der Verein Zahlen vorlegen müssen, um seinen Bedarf zu belegen.

Genau das hatte der TV Rot-Weiß Vluyn in seinen Anträgen getan. In den vergangenen fünf Jahren gewann der Verein 210 neue Mitglieder und wuchs von 212 auf aktuell 270 Mitglieder. „Wenn dieser Trend anhält, kommen wir 2020, spätestens 2028 an die Kapazitätsgrenzen unserer Anlage mit bislang sieben Plätzen“, sagt Sicking.

Im nun startenden Bauleitverfahren will er die Lärm-, Licht und Staubemissionen der Tennisanlage thematisieren. Zudem hofft Sicking, von der Stadt ein Schreiben zu bekommen, dass den Bestand der Tennisanlage neben den Neubaugebiet garantiert. „Wir wollen ja nur gewappnet sein. Natürlich hoffen wir darauf, dass aus den neuen Nachbarn ebenfalls Vereinsmitglieder werden.“

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