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Moers: Polizeiversuch verunsichert Anwohner

Moers : Polizeiversuch verunsichert Anwohner

Viele Bürger in Rayen und Hochkamer fühlen sich seit Tagen durch die Flüge eines Polizeihubschraubers belästigt. Hintergrund ist ein Forschungsprojekt, mit dem das Aufspüren von Leichen per Wärmebildkameras getestet wird.

"Man schreckt richtig hoch, wenn die kommen." So beschwert sich eine Dame aus Rayen über die Hubschrauberflüge, die seit einigen Tagen für Gesprächsstoff in der Ortschaft sorgen. Ihren Namen möchte sie nicht in der Zeitung sehen, sagt die Anwohnerin, aber auch ihre Nachbarn hätten sich schon beschwert. Täglich und zu den unmöglichsten Zeiten seien die Hubschrauber unterwegs, etwa nachts um 22.40 Uhr. "Was geht da vor?" fragen sich Bürger in Rayen und Hochkamer.

Hubschrauber ist Teil eines Forschungsprojektes

Die Lösung: Es handelt sich um ein Forschungsprojekt, zu deren Organisatoren Heinz Sprenger gehört. Bis 2010 war er Leiter der Mordkommission bei der Duisburger Polizei, heute ist er Dozent für Kriminalistik. "Wir untersuchen bei diesem Projekt die Wärmeabstrahlung bei der bakteriellen Zersetzung von Leichen." Wem jetzt gruselt, der kann sich beruhigen: Bei den toten Körpern, die aus der Luft per Wärmebildkamera untersucht werden, handelt es sich nur um Schweine. Deren Physiologie ist denen von Menschen ähnlich.

Die beiden Kadaver mit dem Gewicht von jeweils 70 und 90 Kilo wurden auf dem Grundstück eines Landwirtes an der Vluyner Straße abgelegt. Tierschützer dürfen sich beruhigen: "Die Tiere waren krank und wurden eingeschläfert." Die zuständigen Veterinärämter seien informiert worden, sagt Sprenger. Auch sind die Körper so platziert, dass Nutz- oder Wildtiere nicht gefährdet sind. Sprenger wundert sich, dass viele Anwohner von Rayen und Hochkamer nichts von der Aktion erfahren haben. Eigentlich sollte die Nachbarschaft durch den Grundstückseigentümer informiert werden.

Anwohner müssen den Hubschrauber noch einige Tage erdulden

"Angesprochen auf die Möglichkeit dieses Projektes wurde ich durch Jens Amendt", berichtet Sprenger. Amendt ist bekannter Rechtsmediziner in Frankfurt. "Er hat ein solches Experiment vorgeschlagen." Die Kriminalisten hoffen, Erkenntnisse zu gewinnen, die helfen können, in Zukunft vermisste Menschen durch Wärmebilder aus der Luft finden zu können. Fälle wie das Verschwinden des Jungen Mirko aus Grefrath sind vielen Menschen noch in schlimmer Erinnerung. Die Experten hoffen auf bessere technische Mittel bei der Ermittlungsarbeit.

"Die bisherigen Ergebnisse sind durchaus vielversprechend", sagt Sprenger. Allerdings müssen sich die Anwohner noch ein wenig gedulden. Rund zehn Tage wird der Hubschrauber wohl noch über ihren Dächern kreisen - im Dienste der Kriminalistik.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Übung der Rettungsdienste in Leverkusen-Hitdorf

(RP)