Neukirchen-Vluyn: Politik legt Thema Windkraft zu den Akten

Neukirchen-Vluyn : Politik legt Thema Windkraft zu den Akten

Ausschuss beschließt, keine weiteren Konzentrationszonen für Windräder auszuweisen. Grüne fürchten Folgen für Klimaschutz.

In Neukirchen-Vluyn werden keine neuen Konzentrationszonen für Windkraftanlagen ausgewiesen. Das hat der Ausschuss für Stadtentwicklung gestern gegen die Stimmen der Grünen beschlossen. CDU und SPD hatten gemeinsam beantragt, das Verfahren zur Ausweisung solcher Areale nicht weiter zu verfolgen. Dabei spielte ihnen die Hängepartie rund um einen neuen Windkrafterlass der Landesregierung in die Hände. Solange dieser Erlass nicht vorliege, mache eine Fortsetzung des Prozesses in Neukirchen keinen Sinn, begründeten die Fraktionen ihren Vorstoß.

Die Stadt ist gehalten, Flächen für Windkraftanlagen auszuweisen, will sie nicht lediglich auf Investoren reagieren, die Interesse an bestimmten Areale zeigen. Unvergessen ist der Plan einer Firma, in der Nähe der Halde Norddeutschland Windkraftanlagen zu errichten. Die in Nachbarschaft zur Halde startenden Gleitschirmflieger befürchteten das Ende ihres Vereins, die Politik sorgte sich um das Naherholungsgebiet Halde Norddeutschland.

Ein externes Büro wurde beauftragt, geeignete Flächen für Windkraftanlagen zu ermitteln. Es fand, wie berichtet, allerdings nur zwei in Nachbarschaft zur Halde gelegene, sowie ein kleines in Niep. Das Gutachten kann nach dem gestrigen Beschluss erstmal in der Schublade verschwinden. Vor Jahren wurde in Vluynbusch bereits eine Fläche für Windenergie ausgewiesen, auf der zwei Anlagen in Betrieb sind. Man sei der Auffassung, dass dort "der Windkraft genügend Raum eingeräumt wird", hieß es in dem gemeinsamen Antrag von CDU und SPD. Sollte gerichtsfest festgestellt werden, dass dies nicht der Fall ist, solle die Verwaltung "nach Inkrafttreten des zu erwartenden neuen Windkrafterlasses der Landesregierung Möglichkeiten zur Steuerung der Ausweisung von Windenergieanlagen für Neukirchen-Vluyn aufzeigen".

Einzig die Grünen waren gestern mit dem Vorgehen im Ausschuss nicht einverstanden. Sie fürchten, dass der Verzicht auf Windenergie-Konzentrationszonen Folgen für das Klimaschutzkonzept der Stadt haben wird. Es sieht bis zum Jahr 2022 eine Reduktion des Kohlendioxid-Ausstoßes in der Stadt um zehn Prozent und bis 2030 um 20 Prozent vor. Dazu müsse die Menge des Stroms aus erneuerbaren Quellen verdoppelt werden.

Tom Wagener, Fraktionschef der Grünen, erinnerte daran, dass unter anderem drei neue Windenergieanlagen mit einer Leistung von drei Megawatt als erforderlich angesehen wurden, um dieses Ziel zu erreichen. Gegebenenfalls müsse der Ausfall an Windkraft kompensiertwerden, sagte Tom Wagener. Aber wie? Allein sechs Biogasanlagen wären nötig, um ein Windrad zu ersetzen, rechnete er vor. Und etliche hundert Dach-Photovoltaik-Anlagen.

Der Technische Beigeordnete Ulrich Geilmann stimmte zu, dass die Politik darüber nachdenken müsse, wie sie mit dem Klimaschutzkonzept umgehen wolle. Er betonte aber zugleich, dass die Stadt lediglich Rahmenbedingungen setzen könne. "Ob jemand dann tatsächlich eine Windkraftanlage bauen will - darauf hat die Stadt keinen Einfluss."

(RP)
Mehr von RP ONLINE