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Paukenschlag für Vorschulkinder in Neukirchen-Vluyn.

Kinder- und Jugendmusikfestival in Neukirchen-Vluyn : Paukenschlag für Vorschulkinder

120 Kita-Kinder erlebten in Neukirchen-Vluyn eine ganz besondere Musikstunde. Es ging um den „Lausbub“ Haydn und seine Kompositionen.

Klassische Musik ist nicht nur etwas für Erwachsene. Das bewies ein szenisches Kinderkonzert, zu dem das diesjährige „Kinder- und Jugendfestival Kloster Kamp“ am Mittwoch rund 120 Vorschulkinder aus sechs Neukirchen-Vluyner Kindertageseinrichtungen in den evangelischen Gemeindesaal Vluyn eingeladen hatte.

Dabei machten der Cellist und Initiator des Kammermusikfestivals Kloster Kamp Alexander Hülshoff, die junge, aus Tiflis stammende Pianistin Meri Tschabaschwili und der Schauspieler Boris Weber ihre jungen Besuchern in jeweils zwei, knapp 60-minütigen Vorstellungen mit dem Leben und Wirken des 1732 geborenen österreichischen Komponisten Joseph Haydn bekannt. „Ich bin von Beruf Kompositeur. Heute sagt man Komponist, aber das klingt wie Kompott“, stellte sich der mit einem blauen Gehrock und einer weißen Perücke in die Rolle Haydns geschlüpfte Weber den Kindern vor und hielt dazu ein Notenblatt in die Höhe. „Das hier habe ich heute morgen schon um sechs Uhr geschrieben. Was macht ihr denn morgens als erstes?“ Einige frühstücken zuerst, andere begannen den Tag mit Waschen und Zähneputzen, komponieren tat niemand. Auch für Haydn war es dafür offenbar noch zu früh gewesen, denn irgendwie fand er seine Komposition, nachdem Hülshoff und Tschabaschwili sie vorgespielt hatten, selber ein wenig zu langweilig.

„Wisst ihr? Bei uns essen und trinken die Leute immer ganz viel, bevor sie in ein Konzert gehen und sind dann so müde, dass sie dabei einschlafen.“ Dazu lümmelte er sich lässig auf einen Stuhl und begann demonstrativ zu schnarchen. „Hat jemand eine Idee, was wir da mit meinem neuen Musikstück machen können?“, frage er anschließend, erntete aber nur allgemeine Ratlosigkeit. Dann kam er selber auf eine pfiffige Idee, die da lautete: „Ich setze ans Ende einen lauten Stampfer. Die beiden hier spielen das Stück jetzt nochmal, ich tue dabei so, als ob ich schlafe, und ihr stampft dazu auf mein Zeichen hin alle ganz laut mit den Füßen auf.“ Das klappte wunderbar. Nur das Wort „Stampfer“ passte noch nicht so recht für die neue Symphonie und wurde nach einigen Beratschlagungen schließlich in „Paukenschlag“ umgewandelt. Auch zu den anderen gespielten Stücken hatte Haydn jeweils eine witzige Geschichte. So habe er zum Beispiel eine Symphonie mit dem Titel „Der Bär“ geschrieben, weil ihm ein Tanzbär auf einem Jahrmarkt die Füße abgeschleckt habe. Und sein später berühmt gewordenes „Vogelquartett“ sei nur deswegen entstanden, weil er morgens immer ganz früh nach draußen geschlichen sei und den Vögeln gelauscht habe. Dazu ließen Hülshoff und Tschabaschwilli jeweils musikalisch Lerche, Nachtigall und sogar das Gegacker von Hühnern erklingen. Und wie machen die Hähne?“, wollte der Komponist anschließend noch wissen. „Kickerekiiiiii“, riefen alle Kinder und wurden dafür am Ende vom „Meister“ mit typisch österreichischem Charme belohnt: „Ihr wart ein ganz, ein wunderbares Publikum.“

Die dritte und letzte Aktion im Rahmen des diesjährigen Kinder- und Jugendmusikfestivals Kloster Kamp findet am 29. März statt. Dann spielen, singen und tanzen die Schüler der Europaschule Rheinberg in der Rheinberger Stadthalle ab 17 Uhr das Musical „Endlich Elbphilhrmonie“.