Online-Versand in Neukirchen-Vluyn: Die Lust am Liebes-Schloss.

Online-Versand in Neukirchen-Vluyn : Die unendliche Lust am Liebes-Schloss

Der Schlüsselmoment vieler Beziehungen ist bei Thomas Marin Marban ein Geschäftsmodell: Er versendet viele tausend Liebes-Schlösser pro Jahr.

Die Liebe fällt in Neukirchen-Vluyn ins Schloss. Wo auch sonst? Zugleich ist die Sache mit den zwei Herzen Umsatzbringer und Wirtschaftsfaktor. Thomas Marin Marban muss das als Geschäftsführer so unromantisch sagen. Viele tausend Liebesschlösser bringen er und seine sechs Mitarbeiterinnen pro Jahr auf den Weg. „Dabei handelt es sich insgesamt um einen ansehnlichen fünfstelligen Betrag“, schätzte der Chef des Onlineversandhandels „www.gravurzeile.de“ gestern.

Wie in den Vorjahren waren die Wochen vor dem heutigen Valentinstag absolute Arbeitsspitzen. Vor allem musste es schnell gehen. Manchen Anrufern und Mailschreibern war die Bedeutung des 14. Februars erst in letzter Minute aufgefallen. „Wenn wir per Express versenden, wird der Versand manchmal teurer als das Liebesschloss selbst“, sagt Marin Marban.

Die Liebe mit einem Vorhängeschloss an einer Brücke zu besiegeln, anschließend die Schlüssel, Hand in Hand, in den Fluss oder das Gewässer darunter zu werfen und sich ewige Treue zu verschwören – das ist ein Brauch, der aus Italien stammt. „Per sempre“ – für die Ewigkeit – entflammt mittlerweile weltweit die Gemüter. An der Hohenzollern-Brücke in Köln sollen mehr als 40.000 Liebesschlösser hängen. Mittlerweile lasten angeblich 40 Tonnen zusätzlich auf den Brückenfundamenten. Am Pariser Pont des Arts, der Louvre-Brücke über der Seine, kollabierte bereits ein 2,4 Meter langes Brückengeländerteil – unter der Last der ihm anhängenden Treue-Schnapper.

Das ruft die Kommunen auf den Plan, wie die Moerser Heilpraktikerin Sabine Huppertz-Herrmann weiß. Sie kann sich noch gut an den schnöden Schloss-Frevel vom Moersbach erinnern. Im Herbst 2014 wurden die Liebesschlösser von der Enni im Auftrag der Stadt Moers schnöde entfernt. Was die Liebenden empörte und nicht jede Beziehung unangetastet ließ. „Ich brauche derzeit kein Liebesschloss – finde aber das Ritual nach wie vor gut“, sagt Sabine Huppertz-Herrmann.

Als vorsichtiger Kaufmann, so gesteht Thomas Marin Marban, hatte er zwischenzeitlich dem Hype um Liebesschlösser ein wenig misstraut. Weshalb seine Firma nun auch lasergravierte Gläser, Frühstücksbrettchen und Schallplattenuhren mit der Skyline der Heimatstadt des künftigen Besitzers anbietet. Das Misstrauen war falsch. Noch in diesem Jahr will Marin mit seiner Firma in doppelt so große Räume umziehen.

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