Nuekirchen-Vluyn: Kreis-SPD versucht es mit Optimismus

Politik im Kreis Wesel : Kreis-SPD versucht es mit Optimismus

Der Kreisparteitag bestätigt René Schneider und seine Stellvertreter. Große Diskussionen über den Abwärtstrend.

Waltraut Holzwarth hat Puls. „Was mir in unserer Partei fehlt, ist Solidarität“, sagt die Sozialdemokratin aus Wesel. Nein, Andrea Nahles sei nicht ihre persönliche Kandidatin für den SPD-Vorsitz gewesen. „Aber wenn man sieht, was mit ihr in Berlin passiert ist, dann will man die Hintergründe gar nicht kennen. Dagegen sind meine Schweden-Krimis vermutlich nur ein laues Lüftchen.“ Und dass jetzt Ruhrgebietsgenossen um Michael Groschek „Die wahre SPD“ ausrufen, um Kevin Kühnert als SPD-Vorsitzenden zu verhindern – „zum Kotzen ist das. Warum halten die nicht einfach mal ihre Klappe? Uns glaubt doch niemand mehr irgendetwas.“ Wenn man jetzt neue Leute finde, solle man diese erst einmal arbeiten lassen. Für ihre Geradeaus-Rede bekam Waltraut Holzwarth in der Vluyner Kulturhalle viel Applaus. Beim Kreisparteitag der Weseler SPD beschäftigten sich jetzt rund 100 Sozialdemokraten mit der desolaten Lage ihrer Partei.

Nach dem Absturz bei der Europawahl und dem tiefen Fall in den neusten Umfragen lähmen Ratlosigkeit und Betroffenheit auch die Kreis-SPD. Äußeres Zeichen am Parteitags-Ort in Vluyn: Kein Banner, keine Fahne – nicht mal ein kleines Werbesegel wiest darauf hin, dass sich hier der Kreisverband der ältesten Partei Deutschlands traf. Ein kraftvolles Statement sieht anders aus.

Drinnen stemmten sich drei rote Musketiere gegen den Stimmen-und Bedeutungsverlust. Der Kreisvorsitzende René Schneider versuchte es mit einem Frontaleinstieg, in dem er fiktiv die Abwicklung der SPD beschrieb: Niemand brauche die SPD. „… und den Beamer hier könnt ihr nächste Woche bei Ebay ersteigern.“ Das sollte den Widerspruch im Saal wecken, sollte wachrütteln, traf aber nur auf Schweigen. Für solche Späße ist die Lage zu ernst. Rasch schwenkte Schneider um auf (Zweck-)Optimismus. Auch in den nächsten 150 Jahren werde es nicht so weit kommen, dass sich die SPD abschaffe. Mit Blick auf die in 15 Monaten terminierten Kommunalwahlen versuchte Schneider die Kreis-SPD aufzurichten: Wer jetzt die ganze Zeit in den Rückspiegel schaue, wisse nicht wohin er fahre. Es werde nicht langweilig in der SPD. „Die SPD im Kreis hat lange noch nicht fertig.“ Und für die Freunde der künftig nicht mehr zur EU gehörenden Briten: „The best is yet to come“ – Das Beste für die SPD kommt noch. Es gab artigen Applaus.

Dann hatte das Parteivolk das Wort. Und las – neben wohlfeiler Kritik am Berliner Bundesvorstand – auch den Kreisgenossen die Leviten: schlechte Kommunikation, kein Einsatz von sozialen Medien – so seien junge Menschen nicht für die SPD zu begeistern. An dieser Stelle sprang der rote Musketier Nummer zwei, der Landtagsabgeordnete Ibrahim Yetim aus seiner Rolle als Versammlungsleiter, brandmarkte den schlechten Europawahlkampf der SPD und versprach, bei den Kommunalwahlen 2020 werde man es besser machen.

Dem schloss sich Landrat Ansgar Müller an. In zahlreichen Kommunen des Kreises Wesel sei die SPD stark. Und werde es bleiben. Müller verbuchte eine sinkende Kreisumlage und das in Moers geplante Berufsbildungszentrum auf seiner Habenseite, forderte Bundesmittel für die Umwandlung des Kohlekraftwerks in Voerde und Augenmaß bei den Plänen zum Kiesabbau. Seiner SPD gab Müller drei Hausaufgaben mit: Sie müsse einheitlich auftreten, besser zuhören und ihre Ziele besser kommunizieren.

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