Neukirchen-Vluyn: Nicht nur Meisen, Finken und Amseln

Neukirchen-Vluyn : Nicht nur Meisen, Finken und Amseln

Der Nabu ruft zur "Stunde der Gartenvögel" auf. Jürgen Bodde aus Neukirchen-Vluyn ist Ornithologe und erklärt den Sinn der Aktion.

Eine Stunde widmen für die Vogelkunde, dazu sind Naturfreunde ab dem 9. Januar wieder aufgerufen. Die "Stunde der Gartenvögel", ins Leben gerufen vom Nabu, ist ein wichtiges Instrument, um den Bestand an Sing- und anderen Vögeln zu schätzen.

Einer, der sich an dieser Aktion gern beteiligt, ist Jürgen Bodde aus Neukirchen-Vluyn. Er ist Ornithologe und hält über diese seine Passion auch des öfteren Vorträge. Sein Auge ist durch jahrelange Praxis geübt. Wo die meisten Menschen nur Meisen und Spatzen sehen, fallen ihm Vögel wie die unscheinbare Heckenbraunelle ins Auge. "Die ist für unsere Region eigentlich typisch", sagt der 60-Jährige. Aber mit ihrer braungrauen Farbe und ihrer heimlichen Lebensweise am Boden, fällt die Heckenbraunelle vielen Menschen nicht auf. Und wer sie doch sieht, der verwechselt sie meist mit einem Spatzen.

Aus den Beobachtungen der vergangenen Jahre können Bodde und seine Mitstreiter ein klares Ergebnis ableiten: "Die Feldvögel nehmen dramatisch ab." Damit sind beispielsweise die Haubenlerche oder die Grauammer gemeint, aber auch andere Vögel, die auf den Feldern heimisch sind. Die intensive Landwirtschaft von heute mit dem großzügigen Einsatz von Herbiziden und den eng gesetzten Getreidehalmen raubten diesen Vögeln den Lebensraum, meint Bodde. Rückzugsräume für die Tiere wie Hecken oder Ackerraine gebe es kaum noch, aus mehreren Feldern werde oft ein großes gemacht, die Grünstreifen verschwänden. Und nicht nur die Vögel litten darunter. "Die Leute reden vom Bienensterben, aber wir haben in Wirklichkeit ein Insektensterben."

Vom Feld sind die Tiere daher in die Dörfer und Gärten gewandert, manche auch direkt in die Städte. "In manchen Städten finden Bienen heute schon mehr Blütenpflanzen als auf dem Land", meint Bodde. Und das Verschwinden der Insekten hat natürlich auch Wirkung auf den Bestand der Vögel, die besonders während der Brutzeit von Raupen und anderen Kerbtieren leben.

Was könnte der verantwortungsbewusste Gartenbesitzer denn tun, damit in seinem Garten schützenswerte Vögel sich ansiedeln? "Das Beste wäre, seinen Garten verwildern zu lassen", sagt Jürgen Bodde und lacht. "Aber das freut die Umgebung meist nicht." Man kann aber einen Kompromiss finden, das bedeutet beispielsweise, heimische Pflanzen im Garten zu bevorzugen, nicht alles zu akkurat schneiden und den Unterbewuchs stehen lassen. Leider gehe der Trend in deutschen Gärten eher zum preußisch getrimmten Grün. "Viele Gartenbesitzer haben eine krankhafte Neigung zur Ordnung", spottet Bodde. Da werde jedes kleine Blatt mit dem Laubbläser verfolgt, obwohl die Regenwürmer sich über die modernden Blätter freuten und sie in die Erde zögen, was die Fruchtbarkeit des Bodens steigere.

Was hält der Ornithologe eigentlich von der Theorie, dass man Vögel nicht nur in Eis und Schnee, sondern auch im Sommer füttern solle? "Es gibt eine Studie aus England zu diesem Thema", sagt Jürgen Bodde. Danach sei es im Zweifelsfall sogar besser, im Sommer zu füttern als im Winter, vorausgesetzt, man verwendet das richtige Futter. "Im Winter fressen Vögel wie beispielsweise Meise Kerne, im Sommer suchen sie Insekten, also eiweißreiche Nahrung für ihre Brut." Diesen Bedarf kann ein Mensch beispielsweise mit Mehlwürmern unterstützen.

Info Eine Auswahl von Vogel-Fotos, die Jürgen Bodde im Lauf der Zeit gemacht hat, können unter folgender Internet-Adresse angeschaut werden: www.ornitho.de

(RP)
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