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Neukirchen-Vluyn will nicht länger auf die B528-Verlängerung warten.

Rund 70 Zuhörer kamen zur zweiten Neukirchen-Vluyner Bürgerversammlung : Rayener fordern B 528 möglichst rasch

Schwerlastverkehr mitten durch den Ort bestimmte die zweite Bürgerversammlung mit Bürgermeister Harald Lenßen.

Der entscheidende Moment im Rayener Bergheim kommt am Montagabend um zehn vor acht: „Kennen Sie das?“ sagt  Bürgermeister Harald Lenßen. Eine rhetorische Frage. In der Mitte der Landkarte erhebt sich der Eyler Berg, nördlich davon ist die 4,4 Kilometer lange Verlängerung der B528 zur Bundesstraße B510 in rot markiert. Mehr als 70 Gäste machen bei der zweiten von insgesamt vier Bürgerversammlungen eines ganz deutlich: Es gibt für Rayen nichts Dringenderes, als von den tausenden Fahrzeugen pro Tag entlastet zu werden, die derzeit mitten durch den Neukirchen-Vluyner Ortsteil brausen: zu schnell, zu laut, zu schmutzig.

Bürgermeister Harald Lenßen stellte sich bei der zweiten von vier Bürgerversammlungen rund 70 Anwohnern, überwiegend aus Rayen. Foto: Dirk Neubauer

Hier – bei Pils und Apfelschorle – sind sie skeptisch, ob das mit der Verlängerung der Bundesstraße im Jahr 2024 etwas wird. Zu laut hat sich der Bürgermeister aus Kamp-Lintfort, Christoph Landtscheidt, positioniert. Die Nordtrasse würde mit einem Brückenbauwerk die Friedrich-Heinrich-Allee überqueren. Im weiteren Verlauf gäbe es Anschlüsse an die Carl-Friedrich-Gauß-Straße im Gewerbepark Dieprahm und an die Eyller Straße, bis sie schließlich auf die B 510 trifft. Aus Sicht des Kamp-Lintforter Bürgermeisters würde ein solcher Verlauf jedoch die Siedlungsbereiche Gestfeld und Geisbruch treffen. Dort befinden sich Schutzgebiete und auch die Motocross-Bahn.

Deshalb will Landscheidt (SPD) die Süd-Lösung. Der Neukirchener Bürgermeister Harald Lenßen, CDU, will vorankommen: „Derzeit hat der Landesbetrieb Straßen NRW vom NRW-Verkehrsminister Wüst den Auftrag, die Nordumgehung planreif zu machen.“ Dies werde bis Ende 2019 geschehen. Sollte sich dabei herausstellen, dass Hindernisse im Weg sind, könne man immer noch darüber sprechen. „Ich werde deshalb jetzt keine unnötigen Diskussionen führen“, sagt Lenßen.

Manche im Saal finden die selbst auferlegte Gelassenheit gut. Andere sagen: „Welche Lösung es auch immer wird – die Trassen laufen beide über Kamp-Lintforter Gebiet. Da werden wir wenig Einflussmöglichkeiten haben. Das sieht Lenßen anders. Immerhin habe er es geschafft, das Projekt nach jahrelangem Stillstand wieder in den vordringlichen Bedarf zu hieven. Dass im Düsseldorfer Landtag die Mehrheiten wechselten, half dabei.

Weit weniger gelassen reagierte Lenßen auf Vorwürfe eines Vluyner Anwohners, der die Rayener Bürgerversammlung nutzte, um Positionen der dortigen Bürgerinitiative gegen Schrottimmobilien vorzutragen: „Sie haben und schon vor zehn Jahren versprochen, dass das Hochhaus am Vluyner Nordring wegkommt. Da passiert nichts.“ Kurzzeitig fährt Lenßen aus der Haut: „Bitte bleiben sie bei der Wahrheit. Versprochen habe ich als Bürgermeister nichts. 2014 gab es eine Zwangsversteigerung, bei der die Politik der Verwaltung völlig zu Recht untersagt hatten, mitzubieten. Völlig zu Recht – weil es der Ruin der Stadt gewesen wäre, sich 600 Wohnungen für knapp zehn Millionen Euro ans Bein zu binden und zu sanieren.“ Seit 2016 zögen Politik und Verwaltung in Sachen Hochhaus an einem Strang: „Jetzt sind wir auf mehreren Feldern aktiv: Wir streben aufgrund von Außenständen des Eigentümers bei der Stadt die Zwangsversteigerung an, haben das Viertel am Vluyner Nordring zum Sanierungsgebiet erklärt und nutzen alle ordnungsrechtlichen Möglichkeiten“, zählt Lenßen auf. Alle merken, dem ansonsten eher ruhigen Lenßen gehen die persönlichen Vorwürfe der enttäuschten Bürger an die Nieren.