Neukirchen-Vluyn will Gespräche über Bahn-Anschluss aufnehmen.

Stadt soll Gespräche aufnehmen : Bahn-Anschluss bleibt schwieriges Thema

Die Verwaltung soll Gespräche mit der Stadt Moers, dem Kreis, der Niag und dem VRR aufnehmen. Die Kosten für eine Reaktivierung der knapp zehn Kilometer langen Strecke zwischen Vluyn und Moers sind immens.

Die Planungen für einen Bahnanschluss der Stadt Kamp-Lintfort sind weit fortgeschritten (RP berichtet am 13. Februar). Auch die Stadt Neukirchen-Vluyn möchte wieder an die Schiene angebunden werden. Jetzt haben die Mitglieder des Stadtentwicklungsausschusses die Verwaltung beauftragt, die Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie zur Realisierung der Bahnlinie mit der Stadt Moers und dem Kreis Wesel, der Niag und dem Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) zu erörtern. Auf Antrag der SPD fügten sie hinzu, Ziel dieser Erörterung solle die „Durchführung einer vollständig standardisierten Bewertung“ sein.

Seit dem 20. Januar liegt die „vereinfachte“ Machbarkeitsstudie für die Niederrheinbahn in der endgültigen Fassung vor. Alexander von Seltmann, Mitarbeiter der TÜV Rheinland Inter-Traffic GmbH, hatte erste Ergebnisse der Studie bereits am 13. November im Stadtentwicklungsausschuss vorgestellt (die RP berichtete). Der Gutachter sieht fünf Haltepunkte für die Strecke vor, die vom Moerser Bahnhof zum Vluyner Bahnhof führt. Der erste liegt beim Berufsschul-Campus, der zurzeit an der Repelener Straße in Moers entsteht, der zweite am Hülsdonker Bahnhof, der dritte wäre der Neukirchener Bahnhof, der vierte das Niederbergquartier und der fünfte der Vluyner Bahnhof.

Ein Problem sind die immensen Kosten, die mit der Reaktivierung der Strecke verbunden sind. Der Gutachter rechnet mit 35 bis 50 Millionen Euro. Unter anderem sind Schwellen und Schienen zu ersetzen, 17 Bahnübergänge und Sicherungen umzubauen, Schallschutzwände zu errichten, Haltepunkte anzulegen sowie Triebfahrzeuge zu kaufen. Einen großen Teil dieser Summe, 15 Millionen Euro, kalkuliert ein, die Niederrheinbahn an die Strecke von Duisburg über Moers nach Xanten anzubinden. In der Grafenstadt endet sie heute im Kreisbahnhof der Niag. Von dort hätte ein Zug zunächst Richtung Norden zu fahren, dann stehen zu bleiben und Richtung Süden in den Moerser Hauptbahnhof einzulaufen. Ohne den direkten Anschluss würde der Zeitvorteil von zehn Minuten verloren gehen, den ein Zug von Vluyn nach Duisburg gegenüber dem Schnellbus SB 10 laut Fahrplan hat.

Die geplanten Kosten legt der Gutachter nur in einem Fenster fest, weil sie je nach Variante unterschiedlich sind, zum Beispiel bei einer Elektrifizierung der Strecke, einer neuen Ausweichstelle in Hülsdonk oder Neukirchen, um einen Halbstundentakt zu ermöglichen, oder dem Kauf von Triebfahrzeugen. Er wandte für das Gutachten das sogenannte Projektdossierverfahren an – was ein „vereinfachtes“ Verfahren ist, das nur bis zu Investitionen von 25 Millionen Euro zulässig ist. Für die Investitionssumme von mehr als 35 Millionen wäre für eine Machbarkeitsstudie das genauere Standardverfahren notwendig. Diese weitere Studie soll nun möglichst auf den Weg gebracht werden.

Ein Zug auf der alten Bahnlinie in Schaephuysen. Die reaktivierungspläne betreffen die Strecke Vluyn-Moers. Foto: Westnetz GmbH/Martin Welzel

Vor dem Beschluss im Stadtentwicklungsausschuss hatte Günter Zeller (SPD) kritisch hinterfragt, warum die Stadtverwaltung mit den Ergebnissen der „vereinfachten“ Machbarkeitsstudie noch nicht an den Verkehrsverbund Rhein-Ruhr herangetreten sei. „Die Stadt hat ein grünes Signal an den VRR zu geben“, sagte der Sozialdemokrat. Der VRR habe in einem Schreiben seine Hilfe angeboten. Der Technische Dezernent Ulrich Geilmann entgegnete, dass im November noch nicht der Endbericht vorgestellt worden sei. Dieser habe erst am 20. Januar vorgelegen. Zuerst sei die Politik zu hören. Erst dann habe die Stadtverwaltung Gespräche aufzunehmen.