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Neukirchen-Vluyn verliert seine Bibliothekschefin Katrin Steuten.

Neukirchen-Vluyn verliert seine Bibliothekschefin : Katrin Steuten verlässt die Bücherei

Nachfolge muss neues Bibliothekskonzept umsetzen. Bedauern bei CDU und SPD über den plötzlichen Abgang.

Ausgerechnet jetzt! Unausgesprochen hängen die beiden Worte in den Räumen der Stadtbibliothek. Die Leiterin, Katrin Steuten, verlässt das Haus, mitten in einem tiefgreifenden Umbruch. Sie übernimmt dem Vernehmen nach zum 1. Februar 2019 die Leitung der Stadtbibliothek Kempen, deren bisherige Leiterin sich zurzeit in Moers als neue Büchereichefin bekanntmacht.

„Als wir davon erfahren haben, waren wir völlig perplex“, sagt eine Mitarbeiterin. Dieses Gefühl teilen Verwaltungsleitung und Politik. „Wir bedauern den bevorstehenden Fortgang außerordentlich“, sagte Günter Zeller (SPD) auf Nachfrage. „Frau Steuten hat viele neue Impulse und neue Ideen eingebracht.“ Markus Nacke von der CDU erklärte: „Neukirchen-Vluyn verliert eine außerordentlich fähige Expertin.“

In der kommenden Woche wird im Kulturauschuss das 29-seitige Bibliothekskonzept beraten, das Steuten gemeinsam mit ihrer Stellvertreterin Gabriele Jusseit-Ibold vorgelegt hat. Dabei geht es um die Zukunft der Stadtbücherei. Seit Neukirchen-Vluyn am Wochenende per Stellenanzeige eine Nachfolge suchte, ist zumindest dies öffentlich: Umsetzen muss jemand anderes den Plan, aus einer Bücherei mit bislang zwei Standorten und stark rückläufigen Nutzerzahlen einen „Ort der Begegnung“ zu machen.

Katrin Steuten selbst ist in Urlaub und war für die RP am gestrigen Dienstag nicht erreichbar. Die erste Beigeordnete der Stadt Neukirchen-Vluyn, Margit Ciesielski, bestätigte auf Nachfrage den Wechsel: „Für die Stadtverwaltung und die Bibliothek ist das ein schwerer Verlust“, sagte auch sie.

Am 21. November wird im Kulturausschuss darüber beraten, welchen Beitrag die Stadtbücherei zu den Bemühungen der Kommune leistet, aus den roten Zahlen zu kommen und das Joch der Haushaltsaufsicht abzuwerfen. Es scheint, als werde die Politik keine Stellen kappen. Der Personalschlüssel soll einstweilen unangetastet bleiben. Mit einer geringen Erhöhung des Budgets um 6.200 Euro und einer räumlichen Erweiterung soll die Stadtbibliothek von der klassischen Buchausleihe zum Medienzentrum und Veranstaltungsort werden. Eine der Hoffnungen dabei ist es, das Projektzimmer in der Hochstraße zu beerben. Dieser Raum soll wieder in einen Laden zurückverwandelt werden. All die bislang dort stattfindenden Aktivitäten, das Kino, die Treffs, die Kurse und Vorträge – hofft die Stadtbücherei übernehmen zu können.

Die Medien sollen RFID-Antennen bekommen – damit lassen sich Bücher, CDs, Spiele orten. Diese Technik hilft aber auch, die Öffnungszeiten der Stadtbibliothek auszuweiten, weil Ausleihe und Rückgabe möglich werden würden, ohne dass ein Mensch die Medien ausgibt oder zurücknimmt. In manchen skandinavischen Ländern haben dadurch Stadtbibliotheken rund um die Uhr geöffnet. Das wäre angesichts der kleinteiligen und verwinkelten Räumlichkeiten in Neukirchen nicht möglich.

Erhalten will die Politik mindestens bis Ende 2019 die Außenstelle der Bibliothek in der Kulturhalle Vluyn. Erst beim übernächsten Jahreswechsel will man angesichts aktueller Nutzerzahlen entscheiden, ob diese Ausgabe fortgeführt oder geschlossen wird.