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Neukirchen-Vluyn: Unternehmer des Jahres

Mittelstands- und Wirtschaftsunion Neukirchen-Vluyn : Unternehmer des Jahres

Johannes Leuchtenberg und seine Frau Franka erhielten die Auszeichnung der MIT Neukirchen-Vluyn für ihren landwirtschaftlichen Betrieb.

„Auch ohne Glyphosat die dicksten Kartoffeln“ – wenn Johannes Leuchtenberg diesen Wahlspruch auf einem Plakat liest, auf dem ein üppiges Kartoffelfeld nach ökologischem Landbau zu sehen ist, ist er sauer. „Die Bauern sind an allem schuld, egal was sie machen“, sagt der Vorsitzende der Kreisbauernschaft Wesel. „Dabei kann Glyphosat gar nicht auf einem Kartoffelfeld eingesetzt werden. Es zieht als Totalherbizid bis in die Wurzeln der Kartoffelpflanze ein. Sie stirbt ab und verfault.“

Der 51 Jahre alte Diplom-Agraringenieur erzählte von diesem Wahlplakat, nachdem er und seine Frau Franka Leuchtenberg die Auszeichnung „Unternehmer des Jahres 2020“ der Mittelstands- und Wirtschaftsunion Neukirchen-Vluyn erhalten hatten. Beide freuten sich über die Auszeichnung. „Ich bin erst seit einem guten Jahr MIT-Mitglied“, erzählte Johannes Leuchtenberg.

Zuvor hatte Alexander Maihoff sich als MIT-Vorsitzender bedankt, dass Familie Leuchtenberg den Paschenhof, der schon 1638 urkundlich erwähnt wurde und seit 1964 von der Familie Leuchtenberg bewirtschaftet wird, für den Besuch der MIT Neukirchen-Vluyn geöffnet habe. „In diesem Jahr ist unsere Wahl ganz bewusst auf diesen Betrieb gefallen, weil wir meinen, dass die Landwirtschaft besondere Wertschätzung und Aufmerksamkeit verdient und zeitweise auch benötigt“, unterstrich der erste Laudator vor 30 Zuhörern, darunter Bundestagsabgeordnete Kerstin Radomski und Bürgermeister Harald Lenßen.

Er arbeitete in seiner Rede die familiäre Nähe heraus, die auf dem Paschenhof herrsche. Auf dieser Hofanlage im Nordosten von Neukirchen, die auf die Milchwirtschaft spezialisiert sei, lebten drei Generation, Franz und Sofia Leuchtenberg, Johannes und Fanka Leuchtenberg sowie deren Kinder Josefine (8), Antonius (5) und Ludwig (2).

Michael Darda, der bis zur Jahresmitte MIT-Vorsitzender gewesen war, erläuterte in seiner Rede, wie der Landwirtschaft immer der schwarze Peter zugeschoben werde. Er berichtete, wie er 2016 im MIT-Bundesvorstand die Kommission Landwirtschaft und Ernährung gegründet habe, die zurzeit ein Positionspapier von ihm diskutierte. „Es gibt keinen funktionierenden Markt im Bereich Landwirtschaft und Ernährung“, stellte der Anhänger einer dynamischen Sozialen Marktwirtschaft im Sinne von Ludwig Erhard, dem Wirtschaftsminister des deutschen Wirtschaftswunders der 1950er Jahre, fest. Zum Beispiel würden nur vier große Lebensmittelketten den Markt bestimmen. Diese würden die Preise für die Landwirte drücken, zum Beispiel den Preis für Milch. „Heute kostet Milch genauso viel wie vor 40 Jahren“, sagt Darda. „Das ist nicht in Ordnung.“