Neukirchen-Vluyn: Ralf Köpke will gestalten, nicht verwalten

SPD Neukirchen-Vluyn : Ralf Köpke will gestalten, nicht verwalten

Die SPD Neukirchen-Vluyn will mit dem Parteilosen in den Bürgermeisterwahlkampf ziehen.

Die so genannte B-Frage hat die SPD Neukirchen-Vluyn beantwortet und damit zugleich für eine Überraschung gesorgt. Sie wird ihren Mitgliedern auf der Jahreshauptversammlung am 6. März den parteilosen Ralf Köpke als Bürgermeister-Kandidaten vorschlagen, so der Beschluss der Vorstandsspitze.

„Wir haben uns bei der Suche nach einem überzeugenden Kandidaten Zeit gelassen“, erklärte Elke Buttkereit vom SPD-Vorstand. Bewusst habe man sich für einen parteilosen Kandidaten mit genügend Stallgeruch aus Neukirchen-Vluyn entschieden, „weil im Rat schwierige Verhältnisse herrschen, die nach der Kommunalwahl nicht einfacher werden.“ Zum politischen Kalkül sagt sie: „Mit einem parteilosen Bürgermeister schaffen wir dort thematische Mehrheiten, wo politische Entscheidungen strittig sind.“ Köpke habe Durchsetzungskraft und die Fähigkeit, Mehrheiten zu bilden und Menschen zu verbinden.

Wer ist nun Ralf Köpke, der bei verschiedenen SPD-Terminen der Öffentlichkeit vorgestellt wird? Auch er wurde von der SPD-Anfrage überrascht. „Eine Anfrage aus dem Nichts und für mich überraschend, da ich nicht SPD-Mitglied bin, wohl aber die Nähe pflege“, sagt Köpke. Einige Jahre war er Gewerkschaftssekretär bei der IG Metall Krefeld und ist aktuell Geschäftsführer beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) Nordrhein-Westfalen.

Nach seinem Studium an der Gesamthochschule Duisburg beschäftigten den Bürgermeisterkandidaten bei Berufstätigkeiten und Ehrenämtern soziale Themen, unter anderem beim Internationalen Bund für Sozialarbeit in Moers, Pro Arbeit Niederrhein oder Verdi. „Ich bin als politischer Mensch groß geworden“, sagt der 59-Jährige, der sich früh sozial engagierte. „Mein Vater arbeitete als Bergmann auf Niederberg und brachte als IGBCE-Mitglied politische Themen mit nach Hause“, so Köpke. Werte wie Solidarität, Sinn für Gemeinschaft und Gerechtigkeit hätten ihn früh geprägt.

Von Sozialromantik ist der 59-Jährige weit entfernt und nennt konkret Arbeitsfelder, die angepackt werden müssen. „Wir müssen Bewegung haben, sonst droht uns der totale Stillstand und die Käseglocke.“ Er nennt Stichpunkte wie die Weiterentwicklung von Neukirchen, Zukunftsfähigkeit des Niederberg-Geländes, bezahlbaren Wohnraum, klimafreundliches Mobilitätskonzept, Hochhaussituation am Vluyner Nordring, ÖPNV, Investitionen in Bildung und Ausbau der Infrastruktur. Er will die interkommunale Zusammenarbeit von „Wir4“ ankurbeln, Unternehmen für den Wirtschaftsstandort interessieren. „Wir brauchen Investitionen, um Altschulen abzubauen. Wir können ein gutes Modell für die Region entwickeln. Politik hört nicht an der Stadtgrenze auf, sondern bewegt sich in wirtschaftlichen Zusammenhängen. Das macht uns Kamp-Lintfort vor.“

Mit Blick auf die Verwaltung sagt der designierte Bürgermeisterkandidat: „Wir wollen gestalten, nicht verwalten. Im Rathaus sitzt viel Kompetenz, die nicht zum Zuge kommt. Wir brauchen schnellere Entscheidungen und mehr Dynamik.“ Die Stimmung vor Ort kennt er gut, zumal er seit Jahren als dreifacher Familienvater Vorsitzender der Schulpflegschaft an der Hundertwasser-Schule ist. Ihm gehe es nicht um den ideologischen Schlagabtausch, denn eine Arbeiterpartei im klassischen Sinne sei die SPD schon lange nicht, sondern eine Arbeitnehmerpartei. Politik sei heute die Kunst, Interessen zusammenzuführen, Mehrheiten zu schaffen. Dabei helfe ihm im Sinne der sachlichen Auseinandersetzung seine Parteiunabhängigkeit. Köpke sieht daher gute Chancen, auch wenn die SPD national und international Federn lasse. „Ich möchte Bürgermeister für alle werden. Das ist wie bei einem Fußballspiel. Man tritt an, um das Spiel zu gewinnen.“