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Neukirchen-Vluyn: Nabu positioniert sich gegen Pläne der Kiesindustrie

Gastbeitrag von Harald Fielenbach, Nabu Moers/Neukirchen-Vluyn : „Einzigartige Natur in Gefahr“

Die Pläne des RVR zum Kiesabbau liegen seit dem 24. Januar öffentlich aus. Damit läuft auch die dreimonatige Frist für Einwände. Ein Gastkommentar von Harald Fielenbach, Leiter der Ortsgruppe Nabu Moers/Neukirchen-Vluyn.

Im neu aufzustellenden Regionalplan werden alleine in Neukirchen-Vluyn drei neue Abgrabungsbereiche für Kies und Sand definiert. Dies bringt nicht nur Politik und Verwaltung auf den Plan, insbesondere die Bürger laufen Sturm gegen die Pläne. Die Argumente der Anwohner, sämtlich stichhaltig und schlagkräftig, sind aus der Sicht der Betroffenen vor Ort formuliert. Der Naturschutzbund (Nabu) Kreis Wesel, Ortsgruppe Moers / Neukirchen-Vluyn, positioniert sich ebenfalls eindeutig gegen diese Pläne der Kiesindustrie. Die Gründe sind hauptsächlich ökologischer Natur.

In Zeiten, in denen die Begriffe Biodiversität und Nachhaltigkeit die politische Diskussion und die staatlichen Bemühungen bestimmen, sollen nun in einer Region wie dem Niederrhein ganze Landschaften, die seit Jahrhunderten geprägt sind von Landwirtschaft, Steuobstwiesen, Kopfweidenalleen und einer ganz besonderen Fauna und Flora, dem Erdboden gleich gemacht und auf unbestimmte Zeit der Natur entzogen werden. Die einzigartige Natur- und Kulturlandschaft würde in diesen Bereichen komplett verschwinden und mit ihr ein einzigartiges ökologisches Gefüge.

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Geht man im Frühjahr im Bereich „Boschheide“ spazieren, sieht man mit etwas Glück schon am Tage den seltenen und zu den besonders streng geschützten Arten zählenden Steinkauz nach Regenwürmern und Kleinsäugern jagen. Nach Anbruch der Nacht jagt die Schleiereule nördlich und südlich der Geldernschen Straße und nordwestlich des Anrathskanals beginnend zahlreiche Amphibien mit der jährlichen Werbung und dem Ablaichen. Auch ziehen Wasser- und Breitflügelfledermäuse ihre Kreise am nächtlichen Abendhimmel.

So ist der Bestand des seltenen Steinkauzes in Gefahr, der hier in der Region einen bundesweiten Verbreitungsschwerpunkt hat und seine Jagd- und Brutreviere unwiederbringlich auf diesen Flächen verlieren würde. Diese Art ist angewiesen auf eine extensive Beweidung, flache Vegetationsstrukturen, insektenreiche Flächen sowie Kopfweiden und Streuobstwiesen als Brutmöglichkeit. Dem Niederrhein kommt bei der Erhaltung dieser Art eine zentrale Bedeutung zu. So trägt unsere Region eine große Verantwortung.

Würden Kies und Sand hier vor Ort dringend benötigt, so wäre ein möglicher Abbau trotz aller Gegenargumente gedanklich nachvollziehbar. Nicht aber vor dem Hintergrund, dass ein Großteil der Abbauprodukte für den Export bestimmt ist und die Region im Gegensatz zu den Unternehmen der Kiesindustrie nur Nachteile erfährt. Die Flächen sollen natürlich, so die Argumentation der Kiesindustrie, nach dem Abbau renaturiert werden. Dies ist allerdings kein Trost, da die Arten und Landschaften, um die es hier geht, respektive vertrieben und unwiderruflich zerstört würden. Ein Baggersee mag einen mittleren bis hohen Freizeitwert haben, hat ökologisch gesehen jedoch keinen hohen Stellenwert und hat für die Arten, um die es hier geht, keinerlei Bedeutung. Zahlreiche Singvogel-, Greifvogel- und Eulenarten, Säuger, Amphibien und Insekten sind also in akuter Gefahr. Ganz zu schweigen von der Zerstörung einer Landschaft, die ein Grund dafür ist, dass viele Menschen hier leben und die den Niederrhein zu einer touristischen Region macht. Den Kampf Ökonomie versus Ökologie verliert allzu oft die Natur. Das darf hier nicht passieren, es geht um zu viel! Die dreimonatigen Offenlegungszeit mit der Möglichkeit des Einspruchs gegen die geplanten Auskiesungsflächen werden die Naturschutzverbände natürlich auch nutzen und die Bürger vor Ort unterstützen.