Neukirchen-Vluyn: Grafschafter Diakonie möchte Flüchtlingsunterkunft in der Dörpfeldschule erhalten

Flüchtlingsunterkunft Dörpfeldschule : „Hier kommen die Menschen zur Ruhe“

Das Gebäude an der Jahnstraße könnte Standort einer Kita werden. Die Grafschafter Diakonie lehnt die Pläne ab.

Im Frühjahr 2015 wurde aus der ehemaligen Dörpfeldschule eine Unterkunft für geflüchtete Menschen. Derzeit leben dort fünf Familien und sechs alleinstehende Frauen, teilweise mit Kindern. Annika Weißkopf (35) ist über die Grafschafter Diakonie, die den Standort betreut, in der Flüchtlingsberatung tätig. „Bei uns leben derzeit Menschen aus Ländern wie Iran, Irak, Afrika,Türkei, Bosnien und Herzegowina. Im August haben wir drei Neuzuweisungen bekommen mit insgesamt acht Personen.“ Fragen aus allen Alltagsbereichen erreichen sie. Angefangen vom Ausfüllen der Formulare, Nachfragen von Behörden bis zu Hilfen bei der Unterbringung der Kinder in Kindergärten oder Schulen reicht der Einsatz. Viele stecken mitten im Anerkennungsverfahren.

Traumatische Erlebnisse der Frauen kommen ansatzweise zur Sprache. „Eine Aufarbeitung können wir gar nicht leisten. Die Frauen müssten psychologisch von Therapeuten betreut werden“, sagt Weißkopf. Der direkte Kontakt zu diesen Frauen sei schwierig. Sie reagierten gegenüber fremden Personen zurückhaltend.

„Hier kommen die Menschen zur Ruhe. Wesentlich turbulenter geht es am Standort Hugengraben zu“, sagt Anneke van der Veen, Fachbereichsleiterin für Soziales und Gesundheit bei der Grafschafter Diakonie. Die Idee, in der Dörpfeldschule eine Kindertagesstätte anzusiedeln, den Standort als Flüchtlingsunterkunft aufzugeben, stößt auf Unverständnis. Die dann nötigen Umzüge zögen eine Welle von Veränderungen nach sich. Beispielsweise litten allein reisende Frauen oft schwer unter den Folgen von Gewalt und Vergewaltigung. „Sie am Hugengraben unterzubringen, könnte problematisch seinn, weil dort auch allein lebende Männer untergebracht sind“, so Anneke van der Veen.

Starkes Konfliktpotential sei zu befürchten, wenn es zur Neuverteilung von Wohnraum am Hugengraben käme. Entsprechend deutlich hat sich auch die Grafschafter Diakonie in ihrer Stellungsnahme positioniert. 112 Menschen (Stand August 2019) leben am Hugengraben, arbeiten teilweise im Schichtbetrieb. Sollte es zu einer Belegung der Räume mit zwei Personen kommen, „kann das allein wegen der kulturellen Unterschiede wie auch der versetzten Arbeitszeiten zu heftigen Problemen kommen. Auch sind die Räumlichkeiten zu klein. Es wird zu eng“, so van der Veen. Optimal sei daher weiterhin eine Einzelunterbringung.

237 geflüchtete Personen leben in Neukirchen-Vluyn. 62 davon haben bereits eine eigene Wohnung bezogen, 22 Einzelpersonen und acht Familien könnten in eigene Wohnungen ziehen.