Lutz Reimann aus Neukirchen-Vluyn Eklat um Feuerwehrchef – so erklärt der Bürgermeister die Abberufung

Update | Neukirchen-Vluyn · Lutz Reimann war jahrelang Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr in Neukirchen-Vluyn. Am 24. Mai ist er überraschend abberufen worden. Nun reagieren Stadt und Feuerwehrkameraden. Was sie zu den Hintergründen sagen.

Lutz Reimann war jahrelang Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr in Neukirchen-Vluyn.

Lutz Reimann war jahrelang Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr in Neukirchen-Vluyn.

Foto: Dieker, Klaus (kdi)

Am 22. Mai hat es eine Sondersitzung des Rates der Stadt Neukirchen-Vluyn gegeben. Im nicht-öffentlichen Teil hat der Rat mehrheitlich die Entscheidung gefasst, Lutz Reimann abzuberufen. Vollzogen wurde dieser Schritt offiziell am 24. Mai. In den Stunden danach haben sich Stadt und Freiwillige Feuerwehr noch bedeckt gehalten, nun gibt es erste Reaktionen.

Die Stadt gibt den Grund für die Abberufung bekannt: In einer Pressemitteilung heißt es, dass es nach Paragraf 107 des Landesbeamtengesetzes, der die Verabschiedung der Beamten aus ihrem Beruf regelt, einen schwerwiegenden Verstoß gegen Dienstpflichten gegeben hat. Konkret gehe es um einen unzulässigen Eingriff in ein Personalauswahlverfahren der Stadt.

Die Stadtverwaltung bedauert es, dass der Wehrleiter Reimann abberufen werden musste. „Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit ist aufgrund der Vorgehensweise von Lutz Reimann jedoch leider nicht mehr möglich“, heißt es in der Mitteilung. Die Einsatzfähigkeit der Freiwilligen Feuerwehr Neukirchen-Vluyn ist gesichert, die beiden Stellvertreter, Stadtbrandinspektor Thorsten Eckhard und Stadtbrandinspektor Markus Heimberg, übernehmen kommissarisch die Wehrleitung.

Die Feuerwehr in Neukirchen-Vluyn kritisiert dagegen die Abberufung Reimanns; die Kameradinnen und Kameraden seien geschockt, heißt es in einem Schreiben. „Da, wo es um Menschenleben und die Sicherheit von uns allen geht, ist kein Platz für politische Spiele“, so das Schreiben. „Aus unserer Sicht ist es nicht weiter tragbar, wie von Teilen des Stadtrates und vom Bürgermeister mit unserem Ehrenamt umgegangen wird! Die im Raum stehenden Anschuldigungen werden von juristischer Seite bewertet werden müssen. [...] Die Abberufung widerspricht aus unserer Sicht jeder Verhältnismäßigkeit!“

In dem Schreiben fordert die Feuerwehr auch, dass das „untragbare Fehlverhalten“ von Teilen des Rates und des Bürgermeisters nicht unbeantwortet und ohne Konsequenzen bleiben dürfe. Man dürfe so nicht mit Personen im Ehrenamt, die die Sicherheit der Stadt Neukirchen-Vluyn sicherstellen, umgehen, heißt es in dem Schreiben. „Nach unserem Erachten ist sich der Bürgermeister über die Tragweite dieser verantwortungslosen Entscheidung nicht im Klaren“, heißt es weiter in dem Schreiben. Bis jetzt habe es Bürgermeister Ralf Köpke nicht für nötig gehalten, die Feuerwehrleute persönlich in geeigneter Form über seine Gründe zu informieren, heißt es. Die Abberufung Reimann sei für die Feuerwehrleute ein „Schlag ins Gesicht des Ehrenamts“.

Bürgermeister Ralf Köpke reagierte am Sonntag mit einem schriftlichen Statment auf die Kritik. „Nachdem ich zunächst aus Rücksicht auf den bisherigen Leiter der Freiwilligen Feuerwehr keine Erklärung zur Abberufung als Wehrleiter abgeben habe, sehe ich mich aufgrund der aktuellen Diskussion in Neukirchen-Vluyn und Veröffentlichungen in der Presse und den sozialen Medien veranlasst, Stellung zu beziehen“, heißt es darin wörtlich.

Und weiter: Die Abberufung Reimanns sei alternativlos, weil das Vertrauensverhältnis zwischen der Stadt Neukirchen-Vluyn und dem Leiter der freiwilligen Feuerwehr „massiv und unwiderruflich zerrüttet“ sei. In dieser Situation, schreibt Köpke, sei ein erfolgreicher und reibungsloser Feuerwehreinsatz nur schwer realisierbar und berge zusätzliche Risiken. Die Sicherheit der Bürger sei mit Reimann als Leiter der Feuerwehr nicht weiter gegeben.

Der Verwaltungschef wirft dem Wehrleiter ein „massives Fehlverhalten“ vor. Im Rahmen der Besetzung der Stelle der Steuerungsunterstützung der Wehrleitung habe die Stadt Neukirchen-Vluyn unter anderem Herrn Reimann aufgrund seiner fachlichen Kompetenz gebeten, beratend am Auswahlverfahren teilzunehmen, erklärt Köpke: „Leider war Herr Reimann nicht bereit, die Bewerber primär nach ihrer fachlichen Kompetenz zu bewerten. Nach Durchführung des Verfahrens hat Herr Reimann unautorisiert versucht, einen ihm aufgrund seiner politischen Vergangenheit als Ratsmitglied unliebsamen Bewerber durch persönliche Kontaktaufnahme zu verhindern. Trotz seiner im Auswahlverfahren nachgewiesenen Eignung für das Amt hat Herr Reimann herausgestellt, dass er sich als Wehrleiter keine vertrauensvolle Zusammenarbeit vorstellen könne. Wesentliches Argument des Herrn Reimann war, dass der Bewerber im Rahmen seiner politischen Tätigkeit als Ratsmitglied sich zu Teilen kritisch beziehungsweise aus Reimanns Sicht mit nicht nachvollziehbaren Äußerungen zu den Wünschen der Feuerwehr geäußert hätte.“ Mit seinem Verhalten, schreit Köpke weiter, belege Reimann unter anderem ein mangelndes Demokratieverständnis, fehlenden Respekt vor der politischen Entscheidungsfindung und ebenso vor dem Ehrenamt vor.

Reimann ist das erste Mitglied seit Gründung der Jugendfeuerwehr im Jahr 1981, er übernahm 1982 auch die Betreuung der Jugendfeuerwehr. Das Amt des Jugendfeuerwehrwartes hatte er von 1991 bis 1999 inne. Erste Erfahrung in der Wehrführung machte er von 1999 bis 2001 als Stellvertreter. Ab 2001 übernahm er dann vollständig den Posten als Wehrführer. 2019 wurde Reimann erfolgreich in eine weitere Amtsperiode als Leiter der Feuerwehr gewählt.

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