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Neukirchen-Vluyn: Die Ziegen vom Buschmannshof lieben abwechslungsreiches Futter

Buschmannshof in der Littard : Die lachenden Ziegen lieben abwechslungsreiches Futter

Auf dem Buschmannshof zwischen Rheurdt und Neukirchen-Vluyn hält Sonja Girndt 13 Wiederkäuer, die fast alles vertilgen – auch Christbäume. Aus ihrer Milch stellt Sonja Girndt Käse her.

In den vergangenen Wochen waren Christbäume die Lieblingsspeise der Ziegen auf dem Buschmannshof an der Grenze zwischen Rheurdt und Neukirchen-Vluyn. „Sie haben sie fast komplett gefressen“, erzählt Sonja Girndt lachend. „Sie haben sogar zum Teil die Rinde vertilgt. Nur den Hauptstamm und die großen Äste haben sie übrig gelassen. Für Ziegen sind Christbäume eine Delikatesse. Sie lieben das Tannin, das in Tannen und Fichten zu finden ist.“

Seit 2007 hält die Littarderin Sonja Girndt die genügsamen und robusten Wiederkäuer. Die Nordmanntannen, die die zertifizierte Ziegenzüchterin und Ziegenhalterin vom Gut Bloemersheim erhält, wenn diese nicht nach den Idealvorstellungen der Kunden gewachsen sind, seien für ihre 13 Ziegen eine willkommene Abwechselung. Zehn davon sind trächtig, und alle haben viel Hunger. Im September und Oktober 20 wurden sie vom Bock Edolind gedeckt. „Ziegen tragen fünf Monate lang“, sagt Girndt. „In der Deckzeit reiben die Ziegenböcke ihre Köpfe mit Capronsäure ein. Für die Menschen stinken sie, für die Ziegen duften sie. Die werden dadurch ,bockig‘.“

 Sonja Girndt in ihrer Käserei. In einigen Wochen, wenn der Ziegen-Nachwuchs zur welt gekommen ist, wird sie wieder Käse in größeren Mengen herstellen.
Sonja Girndt in ihrer Käserei. In einigen Wochen, wenn der Ziegen-Nachwuchs zur welt gekommen ist, wird sie wieder Käse in größeren Mengen herstellen. Foto: Norbert Prümen

Beim Zukauf wählt sie ausschließlich Böcke aus, die nicht mit dem Gelenkvirus CAE befallen sind. „In Österreich und in der Schweiz werden Ziegen grundsätzlich auf das CAE-Virus untersucht“, sagt die Zuerwerbslandwirtin, die im Hauptberuf in der Altenpflege arbeitet. „In Deutschland ist das anders. Das kann ich nicht verstehen. Ziegen leiden, wenn sie die Gelenkkrankheit CAE haben.“  Girndt achtet sehr auf das Tierwohl. So ließ sie die Ziege Lisa nicht decken, die bei der letzten Geburt Probleme hatte und litt. „Es heißt immer, Ziegen würden nur Milch geben, wenn sie mindestens alle zwei Jahre lammen“, sagt sie. „Lisa gibt immer noch Milch – zwei Jahre nach der letzten Geburt. Wahrscheinlich gibt sie Milch, solange sie regelmäßig gemolken wird.“

Eine Ziege gibt am Tag drei bis vier Liter Milch. Sonja Girndt und ihr Mann Carsten Erxleben melken sie jeden Morgen und jeden Abend mit einer Melkmaschine. Aus knapp 50 Litern Milch, die im Tagesdurchschnitt außerhalb der Trachtzeit fließen, stellt Girndt Käse her – vorwiegend Frischkäse, aber auch solchen in der Art von Feta und Schnittkäse. Sie belässt ihn unbehandelt oder verfeinert ihn mit Rotwein, Bockskleegras oder Kräutern. Dazu haben sie und ihr Mann auf dem Buschmannshof einen Raum als Käserei eingerichtet.

„Aus 50 Liter Milch kann ich zehn Kilo Käse herstellen“, erzählt Girndt im Hofladen „Zur lachenden Ziege“ neben der Käserei. „Bei der Käseherstellung fallen auch gut 40 Liter Molke an. Sie darf nur wenige Stunden in den Verkauf gebracht werden, obwohl unsere Ziegenmilch fast keine Keime enthält, wie Laboruntersuchungen zeigen. Krebserkrankte schwören auf die Molke, weil sie giftige Stoffe aus dem Körper spült.“

Den Teil der Molke, den sie nicht abgibt, trinken ihr Mann und sie selbst. Oder die Ziegen. Sie lieben diese Abwechslung, genauso wie junge Blätter, die sie fressen, wenn sie auf zwei Waldweiden des Hofs auf Rheurdter Gebiet sind. Bis zum April dürfen die Ziegen auch auf die Streuobstwiese am Hof, die wiederum zu Neukirchen-Vluyn gehört. „Später geht das nicht mehr, weil die Ziegen sich auf zwei Beine stellen, um an die jungen Triebe zu kommen – eine Delikatesse für sie, aber schlecht für die spätere Apfelernte.“