Neukirchen-Vluyn: Bücherhütte auf dem Gelände der Biobäckerei Schomaker

Bücherhütte auf dem Gelände der Biobäckerei Schomaker in Neukirchen-Vluyn : Villa Kunterbuch feiert Geburtstag

Seit einem Jahr steht die Bücherhütte auf dem Gelände der Biobäckerei Schomaker. Mit vereinten Kräften der benachbarten Gewerbebetriebe wurde sie aufgebaut. Initiator Michael Ricks freut sich über einen großen Erfolg.

Das Gästebuch der Villa Kunterbuch liest sich wie ein Nachschlagewerk für Superlative. „Tolle Idee“, heißt es darin, „super“, „bin begeistert“, „wunderbar“. Seit einem Jahr steht die Hütte mit Second-Hand-Büchern zum Mitnehmen deponiert sind, auf dem Gelände der Bäckerei Schomaker, an der Weserstraße im Gewerbegebiet Nord. Es ist ein gemeinsames Projekt vieler, und sie alle dürfen sich über einen Riesenerfolg freuen.

„Schuld“ daran, dass es die Villa Kunterbuch gibt, sei eigentlich seine Frau Sylvia Westphal, sagt Michael Ricks. Sie erteilte ihm eines Tages den Auftrag, einen Teil der vielen Schmöker auszusortieren, die sich im Laufe der Jahre im Haushalt angesammelt hatten. Wohin also mit den alten Schwarten? Ins „Bücherregal“ im Dorf? „Es lief mehr schlecht als recht, und die Bücher waren Wind und Wetter ausgesetzt“, sagt Ricks. So kam er auf die Idee, ein Häuschen für die Bücher aufzustellen. Und wo anders sollte es stehen als im Gewerbepark? Um dessen Belebung und Image kümmert sich der Fotograf Ricks schließlich auch als Mitglied der Interessengemeinschaft der dort ansässigen Unternehmen.

Bäcker Andreas Schomaker stellte nicht nur den Aufstellort zur Verfügung, sondern auch eine ausrangierte Hütte, die mithilfe von Unternehmen auf Vordermann gebracht wurde. Ein Dachdecker setzte das fehlende Dach drauf, ein Schreiner kümmerte sich um den Boden, ein Maler sorgte für den Anstrich, ein Kunstschmied für eine kleine Rampe an der Türschwelle. Mithilfe von Spendengeldern wurden Regale gekauft, fertig war die Laube. Vielmehr: Hütte, respektive „Villa“.

„Die ersten 50 Bücher haben wir reingelegt“, erinnert sich Ricks. „Aber innerhalb von 14 Tagen waren die Regale voll.“ Kistenweise stellten Leute Bücher in der Hütte ab. „Inzwischen haben wir 2000 eingelagert.“ So kommt es, dass er, der eigentlich Bücher loswerden wollte, mehr davon hat als je zuvor. Schmunzelnd erzählt er, wie einmal eine ältere Dame anrief und ihm Bücher für die Villa abgeben wollte, wenn er diese abholte. „Wir fuhren hin und fragten: Wo ist der Karton? Sie führte uns zu einer Bücherwand und sagte: Die können sie alle haben. Das waren 600 Bücher.“

Von großen Bücherspenden, bittet Ricks angesichts der vollen Lager zurzeit abzusehen. Eigentlich ist die Idee ja auch die, dass jeder so viele eigene Bücher ins Regal stellt, wie er mitnimmt. Bis zu 800 Bücher passen in die Regale, und Ricks schätzt, dass ungefähr so viele im Laufe des Jahres auch „umgeschlagen“ wurden. „Mindestens“. Kinderbücher und Krimis gehen am schnellsten weg, auch Sach- und Kochbücher sind beliebt. Am größten ist die Auswahl an Romanen, aber auch alte Gebetsbücher, Straßenatlanten oder Duden sind da. Obwohl sie zu den Ladenhütern zählen, bleiben sie in der Villa. Weggeworfen wird nur, was feucht, schimmlig oder kaputt ist. Immer mehr wird die Hütte zu einem kleinen Medienhaus. Auch CDs mit Musik, Hörbüchern und PC-Spielen werden abgegeben, ebenso Brettspiele. Und für Geo-Cacher ist die Hütte interessant, weil darin ein „Schatz“ versteckt ist.

Täglich schauen Michael Ricks, Sylvia Westphal oder Heide Schmitt (Fenster & Türen Schmitt) vorbei, sortieren Bücher ein, wischen Staub, kehren. Zum Team der Kunterbuch-Unterstützer zählt auch Friedhofsgärtner Torsten Stückert. Er hat gerade einen neuen Treppenaufgang zur Hütte angelegt, auf eigene Rechnung, versteht sich. Die Rampe, über die das Bücherhäuschen sonst zu erreichen ist, wird im Winter nämlich schnell nass und rutschig.

Michael Ricks hat zum Geburtstag ein Villa-Kunterbuch-Lesezeichen entworfen, und Bäcker Andreas Schomaker hat eine Woche lang „Buchecken“ und „Eselsohren“ im Angebot. Es ist kleiner Marketing-Spaß: Das Gebäck sieht Nussecken und halbierten Schweineohren äußerst ähnlich...

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