Neukirchen-Vluyn: Blick zurück ins 19. Jahrhundert.

Geschichte in Neukirchen-Vluyn : Neukirchen-Vluyn: Blick zurück ins 19. Jahrhundert

Die Industrialisierung spielt noch zur heutigen Zeit eine große Rolle in unserer Gesellschaft. Doch wie ging man damit im 19. Jahrhundert um? Diese Frage klärt Krista Horbrügger im interaktiven Museum in Neukirchen-Vluyn an der Pastoratstraße 1. Die Führung am Samstagnachmittag trägt den Titel „Soziales Engagement in Neukirchen-Vluyn als Antwort aus der Industrialisierung“.

„Alles begann mit der Erfindung der Dampfmaschine. Sie war wichtig für die Beförderung und auch den Bergbau und somit ein großer Teil der Industrie. Doch damit begann auch das Elend neu, besonders für Kinder“, sagt Christa Horbrügger. Im 19. Jahrhundert waren Neukirchen und Vluyn noch voneinander getrennt, und Andreas Bräm übernahm damals 1835 die Pfarrstelle in Neukirchen. Er machte sich zur Aufgabe, dem Elend der Kinder entgegen zu wirken, so Horbrügger. Mit der Idee, dass die Bildung für Kinder sehr bedeutsam war, gründetet der damalige Bürgermeister Gustav Haarbeck mit Andreas Bräm 1839 ihrer erste gemeinsame Schule. „Die beiden gaben ein tolles Team ab. Bräm war selbst sogar im Schulvorstand tätig“, sagt Horbrügger.

Die Idee entwickelte sich noch weiter: 1845 gründete Bräm den Erziehungsverein für arme Kinder. „Dabei beinhaltet sein Konzept die Sozialisierung in den Familien. Bräm pflegte die verwahrlosten Kinder in seinem Pfarrhaus, um sie familienfähig zu machen. Er half wo Not war“, erklärt Horbrügger. Mit Bräms Glauben an Gottes Hilfe, entwickelte er seine Idee gegen das Kinderelend immer weiter. Das größte Einkommen für den Pfarrer beruhte hauptsächlich nur auf Spenden, so Horbrügger. Auch in Bräms letzten Lebensjahr 1882 plante er noch eine neue Heimgründung für Mädchen zwischen 14 und 21 Jahren. „So entstand das noch heute stehende Haus Elim. Es ist das älteste preußische Mädchenheim“, sagt Horbrügger. Die Idee hinter dem Haus Elim war eine christliche Erziehung, so dass die Mädchen vor Prostitution und Zucht geschützt werden, so Horbrügger. In Nähstuben erlernten die Kinder das Schneidern und finanzierten das Heim durch Waschen und Bügeln der Nachbarshaushalte mit. „Es gab allerdings auch Schattenseiten. Es herrschte eine äußerste Stränge. Die Mädchen wurden rund um die Uhr bewacht. Manchmal kam es ihnen vor wie ein Gefängnis“, erklärt Horbrügger. Laut Berichten zu Folge, soll es aber keine sexuellen Übergriffe oder Gewalt in dem Heim gegeben haben.

„Trotz der Schattenseite war die Arbeit der damaligen Diakonisten wirklich beeindruckend. Die Idee entwickelte sich noch weiter und viele Heime entstanden“, ergänzt Horbrügger. Eine Kulisse des Haus Elims können die Besucher des Museums in der zweiten Etage betrachten. Kleine Fenster veranschaulichen die Räume der Kinder und welche Arbeiten sie geleistet haben. Für drei Euro kann man die Ausstellung besuchen und auch noch weitere Details aus dieser Zeit betrachten – ein altes Schulzimmer, alte Kalender, die damalige Mode und auch verschiedenen Schriften.

Auch die Besucher sind sehr erstaunt: „Der Vortrag und die Ausstellung sind sehr informativ und spannend“, hieß es.

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