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Neukirchen-Vluyn: Neues Elternprojekt im Haus Elim

Neukirchen-Vluyn : Neues Elternprojekt im Haus Elim

Die Eltern von Mädchen, die im Heim leben, sollen stärker beteiligt werden, damit die Familie langfristig intakt bleibt.

Ein Kind oder Jugendlicher kommt ins Heim. Doch was ist mit den Eltern? Verschwinden sie aus dem Leben ihres Kindes? Oder sind sie weiter präsent? Und wie kann der Weg zurück aus der Heimerziehung in die Familien gelingen?

Das sind Themen, mit denen sich der Neukirchener Erziehungsverein als Träger verschiedener Jugendeinrichtungen beschäftigt. Zu diesen gehört auch das Haus Elim. Es bietet 66 Plätze in sechs Wohngruppen für Mädchen. "Das Haus versteht sich als Schutzraum für die jungen Bewohnerinnen, die in ihren Leben häufig Gewalt erlebt haben, nicht selten auch Missbrauchserfahrungen mitbringen", beschreibt der Erziehungsverein das Profil der Einrichtung.

Dass die Beziehung zu den Eltern da manchmal problematisch sein kann - sowohl für die Kinder selbst als auch für die Betreuer - liegt auf der Hand. Doch Paul Pott, der Haus Elim leitet, warnt davor, vorschnelle Urteile über die Eltern zu fällen, deren Kinder dort leben. "Wir stellen immer wieder fest, dass die Bereitschaft und das Vermögen zur Mitarbeit bei den Eltern und Angehörigen sehr unterschiedlich ist", sagt der Diplom-Sozialarbeiter. "Manche rufen jeden zweiten Tag an, um sich nach ihrem Kind zu erkundigen, andere sind eher zurückhaltend." Langfristig ist das Ziel eine Rückkehr der jungen Bewohner in ihre Familie.

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Beim Haus Elim geht man nun neue Wege: Zwei besonders qualifizierte Beraterinnen kümmern sich um die Eltern der jungen Bewohnerinnen. Nicole Griesbacher und Melanie Klein sind beide ausgebildete Familientherapeutinnen. Sie möchten den Eltern Wege aufzeigen, wie sie weiter Verantwortung für ihre Kinder übernehmen können, auch wenn diese im Heim leben.

Dieses Einbeziehen der Eltern gelingt beispielsweise, indem diese an Veranstaltungen im Heim teilnehmen, wie Geburtstagsfeiern oder speziellen Abenden für Eltern. Beratungsgespräche und Workshops gehören ebenfalls zum Angebot. "Um den Mädchen zu helfen, müssen wir die Herkunftsfamilie viel stärker in den Blick nehmen. Was ist dort schief gelaufen, wie können wir mit den Eltern gemeinsam Wege aus der Krise finden." Wenn ein Kind ins Heim geht, führe dies meist zur Verunsicherung in der ganzen Familie. "Unsere pädagogischen und therapeutischen Fachkräfte neigen aufgrund der oft traumatischen Erlebnisse der Mädchen leicht dazu, einseitig Partei für die jungen Bewohnerinnen zu ergreifen. Wir haben als Jugendhilfeträger auch einen gesetzlichen Auftrag zur Elternarbeit", erläutert Pott.

Das ist gewissermaßen ein Paradigmenwechsel in der Jugendhilfe. Noch ist die Elternarbeit in den deutschen Einrichtungen allerdings ein relativ neues Konzept, obwohl es solide wissenschaftliche Grundlagen gibt.

Das Team von Haus Elim ließ sich unter anderem durch die Expertin Nicole Knuth von der Fachhochschule Dortmund beraten. Auch andere Einrichtungen in NRW zeigen zunehmend Interesse an diesem Konzept.

Natürlich lässt sich noch nicht abschätzen, wie die Bilanz des Projektes am Ende aussehen wird. Doch Paul Pott ist zuversichtlich. Die Ergebnisse der bisherigen Projekte seien gut gewesen. "Sie geben Anlass zur Hoffnung, dass auch wir mit einer guten Elternarbeit Abbrüche in der Heimerziehung spürbar verringern und unsere Wirksamkeit insgesamt steigern können."

(s-g)