Neue Tagespflege in Neukirchen-Vluyn: Leuchtturm der Awo-Quartiersarbeit.

Neue Tagespflege in Neukirchen-Vluyn : Leuchtturmprojekt der Awo-Quartiersarbeit

Neue Begegnungsstätte in Neukirchen-Vluyn bekommt 14 Tagespflegeplätze und Pflegeberater für die Nachbarschaft.

Es klingt, als müsse man verflixt schnell sein: Mit 14 Tagespflegeplätzen und Pflegeberatern beginnt im Herbst 2020 an der Max-von-Schenkendorf-Straße die Zukunft der Arbeiterwohlfahrt (Awo) 14 Plätze? Die Zahl ergibt sich aus den Platzvorgaben für eine Tagespflegeeinrichtung. Selbst im Awo-Zentrum in Moers wird eine Warteliste mit Interessenten aus Neukirchen-Vluyn geführt. Und die Leiterin der dortigen Tagespflege, in Neukirchen-Vluyn zuhause, hat laut Awo-Kreisgeschäftsführer Bernd Kwiatkowski eins versprochen: „Innerhalb von einem Monat will sie alle neuen Tagespflegeplätze vermittelt haben.“

Noch ist es nicht soweit. Noch steht das alte Awo-Haus, weil die Verantwortlichen auf einen Beschluss von Fördermitteln warten müssen; eine Formalie, die Mitte Mai erledigt sein soll. Dann soll das rote Backsteingebäude abgerissen werden. An derselben Stelle baut die Awo neu – die moderne Version einer Begegnungsstätte mit Terrasse, Boule-Bahn und Gemeinschaftsräumen und zugleich die Tagespflegeeinrichtung. Die Baukosten von rund 1,2 Millionen Euro kommen aus zwei verschiedenen Töpfen – bis auf den gemeinsamen Eingang sind die Räume baulich voneinander getrennt. Auch so eine Vorschrift der Sozialbürokratie. Die zu Pflegenden und die Besucher sollen dennoch voneinander profitieren. Kwiatkowski: „Und wenn man einander bei den Einkäufen hilft.“

Die 14 Tagespflegeplätze sollen Senioren zur Verfügung stehen, deren Angehörige tagsüber arbeiten müssen. Von 8 bis 17 Uhr sollen sie miteinander frühstücken und Mittag essen, klönen und Kaffee trinken, gemeinsam etwas spielen oder Ausflüge machen. Abends geht es jeweils zurück in die Familien. Drei Pflegekräfte werden laut Kwiatkowski ständig in der Tagespflege anwesend sein. Darüber hinaus gebe es in der Max-von-Schenkendorf-Straße Berater, die Senioren und ihren Verwandten bei der Organisation der Pflege helfen sollen.

„Sobald sich der Pflegebedarf in einer Familie erhöht, wissen diese Experten, wo es Unterstützung gibt und wie sie finanziert wird“, kündigt Bernd Kwiatkowski an. Dies sei ein in Deutschland einmaliges Leuchtturmprojekt der Awo. Die 1919 als „Selbsthilfe der Arbeiter“ gegründete Organisation hat vielerorts mit Überalterung und Schwund der Mitglieder zu kämpfen. Nicht in Neukirchen-Vluyn – da gebe es noch einen großen Awo-Ortsverband mit rund 130 Mitgliedern. Aber auch die würden älter und der Bedarf an praktischer Hilfe auch nicht weniger. „Es gibt viele Menschen, die sich ehrenamtlich einsetzen wollen. Aber immer weniger wollen dazu Mitglied in einem Verein werden“, beobachtet der Awo-Kreisgeschäftsführer. Dummerweise stützt sich Awo derzeit noch voll auf ihre Ortsvereine. Mit modernen Häusern, wie dem nun in Neukirchen-Vluyn zu bauenden, sollen zugleich das Angebot und die Struktur der 100 Jahre alten Awo modernisiert werden.

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