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Nach Sprengung: Schaephuysen auf Dauer ohne Geldautomat?

Nach Sprengung : Schaephuysen auf Dauer ohne Geldautomat?

Nach der Sprengung am Wochenende will die Volksbank an der Niers Gespräche zunächst mit der Gemeindeverwaltung führen.

Mal eben am Automat Geld ziehen, das ist in Schaephuysen zurzeit nicht mehr möglich. Nach der Sprengung des Geldautomaten der Volksbank an der Niers am Wochenende bleibt der SB-Bereich an der Hauptstraße bis auf Weiteres geschlossenes. Ob und wann ein neuer Automat in Betrieb genommen werden kann, stehe noch nicht fest, sagte am Montag Christoph Hälker, Pressesprecher des Instituts. Darüber werde mit der Gemeindeverwaltung, der das Gebäude gehört, zu sprechen sein. Auch der Kontoauszugsdrucker steht nicht zur Verfügung. Die nächsten Automaten der Volksbank stehen in ihrer Geschäftsstelle in Rheurdt, Rathausstraße 12-14, und in Aldekerk.

Der Schaephuysener Geldautomat war im ehemaligen Gebäude der Volksbank-Filiale untergebracht, die das Geldinstitut 2016 aufgegeben hat. Die Gemeinde Rheurdt kaufte das Gebäude und setzte sich für die Aufstellung des Automaten ein. Bürgermeister Klaus Kleinenkuhnen betonte am Montag, dass jetzt ein neuer Automat aufgestellt werden müsse. „Er ist für Schaephuysen dringend erforderlich“

Wie berichtet, hatten Unbekannte in der Nacht auf Sonntag gegen drei Uhr den Automaten gesprengt. Zeugen sollen zwei maskierte Männer beobachtet haben, die in einem roten BMW in Richtung Kerken-Aldekerk flüchteten. Die Befragungen weiterer Zeugen seien noch nicht abgeschlossen, teilte die Kreispolizei Kleve am Montag mit.

Einer, der das Tatgeschehen teils „live“ verfolgt hat, war Norbert Derrix, Pfarrer der katholischen Gemeinde St. Martinus. Er sei nachts durch eine Sirene geweckt worden, sagte er am Montag. Er habe zunächst an den Alarm eines Autos gedacht. Er habe sich schnell angezogen und sei auf die Straße gelaufen, als er schon den Knall der Sprengung hörte. Andere Schaephuysener, die ebenfalls wach wurden, standen an geöffneten Fenstern. „Sie riefen: Wir rufen die Polizei“, erzählte Derrix weiter. Er beobachtete, wie zwei Leute in den BMW gesprungen seien, dessen Fahrer sofort Gas gab. „Ich konnte mir das Kennzeichen merken.“ Das teilte er später der Polizei mit. Auf der Straße habe ein Brecheisen gelegen, sagte Derrix. Erst später wurde ihm bewusst, dass er sich womöglich in Gefahr begeben hatte.

Bereits am Freitag hatten Unbekannte versucht, einen Geldautomaten in Emmerich zu sprengen. Die mutmaßlichen Täter verunglückten mit ihrem Auto kurz hinter der niederländischen Grenze, zwei Männer starben. In Viersen-Dülken versuchten in der Nacht auf Sonntag Unbekannte, einen Geldautomaten aufzubrechen. In vielen solcher Fälle führt die Spur in die Niederlande.

Nach Erkenntnissen des LKA gibt es im Raum Utrecht eine Gruppierung von „Profis“, die mit hochmotorisierten Fluchtfahrzeugen immer wieder im nahen Deutschland auf Beutezug gehen, sagte ein LKA-Sprecher am Montag. Die Gruppe umfasse 250 bis 300 Menschen mit marokkanischem Hintergrund.

Ob die Automatensprengung in Schaephuysen ebenfalls dieser Tätergruppe zuzuordnen ist, steht noch nicht fest. Die Kripo ermittelt weiter. Zeugen werden gebeten, sich unter der Telefonnummer 02821 5040 mit der Polizei in Verbindung zu setzen.