Museumsleiterin in Neukirchen-Vluyn: Heimatstube in ein Museum verwandelt.

Museumsleiterin in Neukirchen-Vluyn : Heimatstube in ein Museum verwandelt

Ihr Name ist eng mit dem Museum verbunden: Jutta Lubkowski. Mit Herzblut und Verstand hat sie das Haus entwickelt. Nun naht der Ruhestand.

„Ich bleibe Museumsleiterin und begleite zwei Jahre lang eine junge Fachkraft, die dann die hauptamtliche Arbeit übernehmen könnte. Die Entscheidung liegt bei ihr“, sagt die 65-Jährige. Die potenzielle Nachfolgerin findet schon heute ein gut aufgestelltes Haus mit viel Potenzial vor. In enger Absprache mit dem Museumsverein, als städtischer Trägerverein 1985 gegründet, hat Jutta Lubkowski mit ihrem Team über Jahre das Museum immer wieder den neuen Herausforderungen angepasst. Dabei hat sie das Interesse der Besucher und die Geschichte von Neukirchen und Vluyn im Blick.

„Spannend muss sich Geschichte im Museum präsentieren, damit sich Neugier im Vorfeld breitmacht. Museumsgäste wollen heute selber entdecken und sich in den Räumen bewegen können. Wir bieten zusätzlich kompakte Führungen an“, so Jutta Lubkowski. Dabei hat alles mal ganz klein mit einer Heimatstube angefangen. Wilhelm Maas, Vater von Jutta Lubkowski, legte damals den Grundstein. Im Heimat- und Verkehrsverein Vluyn gehörte er zum Vorstand und war ab 1954 für die örtliche Heimatgeschichte zuständig. Seiner Sammelleidenschaft mit dem Blick für das besondere Exponat ist es zu verdanken, dass früh ein reicher Fundus zusammengetragen werden konnte. Vor allem in einer Zeit, als das Neue interessanter und reizvoller war, und „das Alte“ mehr und mehr an Bedeutung verlor.

1976 öffnete die „Heimatstube“ im Obergeschoss der Kulturhalle. Die Dauerausstellung brauchte schnell mehr Platz. „Mein Vater deponierte alle Gegenstände in einem kleinen Zimmer“, erinnert sich seine Tochter, die nach dem Lehramtsstudium von Kunst und Germanistik zunächst über eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme einstieg. Lubkowski: „Mein Ehrgeiz war, ein System zu schaffen. Für Ordnung sorgte das Findbuch, das die Gegenstände katalogisierte“. Aus der Bevölkerung kamen Alltagsgegenstände, das Magazin wuchs. Namhafte Bürger fühlten sich angesprochen, örtliche Geschichte für die Nachwelt zu bewahren. Die Neukonzeptionierung auf erweiterter Fläche präsentierte sich 1987. Über das Rheinische Museumsamt, Landschaftsverband Rheinland, war die Ausrichtung der Ausstellung nach museumsdidaktischen Schwerpunkten gefolgt. Noch bis zu seinem Tode 2003 blieb die ehrenamtliche Museumsleitung bei Wilhelm Maas.

Der Keulenschlag folgt 2013, als mangelnder Brandschutz für den gesamten Komplex der Kulturhalle festgestellt wurde. Spezielle Messen mit innovativen Neuheiten in der Museumsdidaktik, Gespräche mit dem LVR folgten. Ein neues Konzept für die Wiederöffnung ging in Arbeit. „Die sofortige Schließung war für uns Herausforderung und Chance zugleich“, so das Fazit der Museumsleiterin heute. „Wir hätten nach der dreijährigen Zwangspause 2016 zum 40-jährigen Bestehen nicht mit dem alten Format weiter machen können. Heute haben wir viel Spielraum ganz ohne Puppenstubencharakter wie früher“, sagt Jutta Lubkowski.

Das Heimatmuseum ist längst ein modernes Museum mit digitalen Medien geworden, ein „Ort der Geschichte“ in neuem Glanz. Als Höhepunkt dieser Entwicklung steht der Multi-Media-Tisch mit Touch-Screen, der „Ortsgeschichte im Tisch“ zeigt und ganz den medialen Bedürfnissen der heutigen Zeit entspricht. Die Grundsubstanz mit Themenschwerpunkten für Neukirchen und Vluyn ist gut. „Wir werden mit Sonderausstellungen neue Akzente setzen. Wir haben im Archiv noch tolle Sachen, so dass wir für längere Zeit gerüstet sind.“

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