Mundart in Neuklirchen-Vluyn: „Van et Höcksken op et Stöcksken“

Mundart in Neuklirchen-Vluyn : „Van et Höcksken op et Stöcksken“

Zum Mundartnachmittag kamen 350 Fans des Grafschafter Platts in die ausverkaufte Kulturhalle.

Der Mundartnachmittag ist ein Selbstläufer. Sobald die Heimat- und Verkehrsvereine Neukirchen und Vluyn diesen Tag ankündigen, ist er schnell ausverkauft. „Diesmal waren nach drei Wochen alle 350 Karten weg“, sagte Peter Burs. „Es ist der größte Mundartnachmittag in der Region.“

Der Ehrenvorsitzende des Heimatvereins Neukirchen, der 500 Mitglieder hat, moderierte am Sonntag die zehnte Ausgabe des Nachmittages. Die beiden Heimatvereine hatten diesen unter das Motto „Van et Höcksken op et Stöcksken“ gestellt, weil die Sprecher des Grafschafter Platts immer wieder vom Hölzchen aufs Stöckchen kamen, egal ob in Gedeech oder Vertellstöcksken, Lied oder Sketch. Ein Beispiel ist der Sketch „Dat hatt gekockte Ei“ von Loriot, der von Fritz Geldermann ins Grafschafter Platt übertragen worden war.

Ehemann, Klaus E. Kutsch, und Ehefrau, Anneliese Kutsch, geraten über das Frühstücksei in Streit, das hart ist und nicht weich, wie er es sich wünscht. Er meint, es sei länger als viereinhalb Minuten gekocht worden, weil sie nicht mit der Uhr gestoppt habe, sondern die Zeit nach Gefühl ermittelt habe. Er verallgemeinert, Frauen könnten nicht systematisch arbeiten. Sie verallgemeinert ihrerseits, Männer seien primitiv, weil sie sich über Nichtigkeiten aufregen würden.

Die meisten der 15 Stücke, die die Plattsprecher am Sonntag in der Kulturhalle präsentierten, hatten sie ins Grafschafter Platt übertagen. Einige schrieben sie auch selbst, wie Karin Dressler zur Melodie des Liedes „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer“. In neuen Strophen erinnerte sie an die Sommerhitze 2018.

Erneut stand eine Nachwuchskünstlerin auf der Bühne. Isabell Eßers (8) berichtete über „De ärmen Hennen“ und hatte die Lacher auf ihrer Seite. Sie zählt zu den wenigen Neukirchen-Vluynern im Schüleralter, die Grafschafter Platt verstehen und es sogar sprechen. „Leider wird diese Sprache kaum noch gesprochen“, sagte Hans Delihsen in der großen Kaffeepause, bei der die Zuhörer sich in Platt- oder Hochdeutsch austauschten.

Zur Begrüßung hatte der Vorsitzende des Heimatvereins Vluyn, der 440 Mitglieder hat, gesagt: „Viele wünschen sich eine lebens- und liebenswerte Heimat. Aber sie ist nicht selbstverständlich. Sie muss gestaltet werden, täglich gelebt und manchmal sogar neu geschaffen.“