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Münzen erzählen Geschichte: Börse der Grafschafter Münzfreunde im Neukirchen-Vluyner Klingerhuf

Börse in Neukirchen-Vluyn : Münzen erzählen Kulturgeschichte

Im Neukirchener Klingerhuf fand am Wochenende eine Börse der Grafschafter Münzfreunde statt.

Max ist versierter Münzsammler. Als zehnjähriger Stepke hielt er eine alte Münze in Händen, die er bei seiner Oma gefunden hatte. „Da springt etwas über und läuft einem den Rücken runter“, beschreibt er das Gefühl, das ihn danach nicht mehr verlassen hat. 61 Jahre ist das jetzt her. Jahre, in denen er Erfahrungen sammelte, die er bei Börsen an interessierte Kunden und leidenschaftliche Münzsammler weitergibt. Wie jetzt bei der Börse der Grafschafter Münzfreunde im Klingerhuf.

„Mir geht es darum, altes Kulturgut zu erhalten“, erläutert er seine Passion. „Anhand der Münzen lässt sich Geschichte rekonstruieren“, so der Numismatiker, der einen silbernen Philippstaler aus dem Mittelalter in Händen hält. „Die Münze an sich ist nicht entscheidend, sondern die Zusammenhänge, in denen Geschichte stattgefunden hat. Handelswege lassen sich rekonstruieren, den die Münze genommen hat. Münzen brauchten die Römer beispielsweise, um die Söldner zu bezahlen.“

Der Numismatiker Max hat den Kennerblick. „Gerade bei den älteren Münzen sind die alten Herrschaften wie Könige und Kaiser an den Locken zu erkennen.“ Münzen sind für ihn wie ein Spiegel, der die große Weltgeschichte im Kleinen zeigt. An einem anderen Stand wiederum sind es Medaillen in limitierter Auflage, die die Geschichte des Bergbaus und der Bergleute erzählen.

Ulrich Heßeler ist Vorsitzender des ausrichtenden Münzvereins. „Wir haben Gäste aus dem In- und Ausland“, sagt der 59-Jährige. Auch ihn hat die Sammelleidenschaft gepackt. Der Austausch mit anderen Münzsammler ist für ihn das Salz in der Suppe, geballte Erfahrung, über die die alten Hasen verfügen. „Der schnelle Kauf im Internet kann diese Gespräche nicht ersetzen. Vor allem kann ich die Münze in die Hand nehmen und habe ein direktes Gegenüber“, so Heßeler. Auch Glücksmomente erlebt der Münzsammler, beispielsweise wenn er eine Schachtel mit alten, unsortierten Münzen erwirbt und später die eine, ganz besondere Münze entdeckt. „Münzsammeln bedeutet jagen, sammeln und weiter suchen. Aber man darf sich nicht von der Sammelleidenschaft beherrschen lassen“, so Heßeler.

Münzsammler ordnen ihre Objekte Kategorien zu, unterscheiden nach offiziellen staatlichen Zahlungsmitteln, Medaillen oder Gedenkmünzen oder Münzen, die durch Fehlprägung so besonders sind und hohen Sammlerwert haben. Bei den Börsen erwerben Sammler Banknoten und Münzen mit bestimmten Motiven, aus einem bestimmten Land oder einer Epoche, angefangen bei Münzen der Kelten, Römer, Griechen und von deutschen Fürstentümern bis zur Eurowährung. Die Bundesregierung gibt zehn-Euro Münzen in verschiedenen Serien wie „Der blaue Planet“ oder „Tropische Zone“ heraus, deren Besonderheit ein lichtdurchlässiger Kunststoffring ist.

„Als Geldanlage dienen so genannte Gedenkgoldmünzen in limitierter Auflage, deren Wert vom aktuellen Goldpreis bestimmt wird. Beispielsweise im Lutherjahr die Lutherrose“, so Heßeler. Für den Numismatiker Max macht sich seit längerem der Wandel bei den Münzkäufern bemerkbar. „Wir haben heute keinen Nachwuchs mehr, sondern Moneymaker aus dem Gold- und Silberhandel. Vieles geht verloren.“