Müllabfuhr: Neues System in Neukirchen-Vluyn soll nicht teurer sein

Neukirchen-Vluyn : Müllabfuhr: Neues System soll nicht teurer sein

2020 will die Stadt das bisherige Zählsystem beim Restmüll aufgeben. Das sorgt für Fragen und Diskussionen.

Rund 10.000 Haus- und Wohnungseigentümer hat die Stadt angeschrieben. Bis zum 12. Oktober müssen sie entscheiden, welche Größe ihre Restmülltonne ab 2020 haben und wie oft diese geleert werden sollen. Denn die Stadt gibt, wie berichtet, das bisherige Zählsystem bei der Restmüllabfuhr auf. Künftig werden die Müllfahrzeuge nicht mehr wöchentlich, sondern nur noch alle 14 Tage durch die Straßen fahren. Die Zahl der Leerungen wird dabei nicht mehr per Chip ermittelt, vielmehr darf man zwischen 13 Leerungen pro Jahr (alle vier Wochen) oder 26 Leerungen (alle zwei Wochen) wählen.

Mehrere Tausend Eigentümer hätten die Schreiben bereits beantwortet, sagte gestern Frank Grusen, Pressesprecher der Stadt. Gleichzeitig hören aber die Diskussionen in den sozialen Netzwerken nicht auf, und bei der städtischen Müllberatung häufen sich die Anfragen. Vielen Menschen sei nicht klar, warum umgestellt wird, viele befürchten, dass sie künftig mehr Gebühren zahlen müssen. Für Stirnrunzeln sorge auch der Umstand, dass Eigentümer entscheiden sollen, obwohl die Stadt die künftigen Gebühren nicht beziffern kann. Fragen, die die Stadt gestern vor der Presse erläuterte.

Warum wird umgestellt? „Das Zählsystem hat seine Grenzen erreicht“, sagte Uta Schopmann, Leiterin des Tiefbau- und Grünflächenamts. Es sei vor 20 Jahren mit der Erwartung eingeführt worden, dass Müll vermieden werde. Stattdessen lande inzwischen immer mehr Haushaltsmüll in städtischen Papierkörben. Und was die Fehlbefüllungen von Gelben Mülltonnen angehe, nehme Neukirchen-Vluyn einen Spitzenwert im Kreis ein – 70 Tonnen an vermeintlichem „gelben“ Müll aus der Stadt mussten im vergangenen Jahr im AEZ Asdonkshof zu Haushaltsmüll umdeklariert und entsprechend teurer entsorgt werden. Politik und Verwaltung haben den Schluss gezogen, dass die derzeit als Mindestwert möglichen zehn Restmülltonnen-Leerungen pro Jahr in vielen Fällen nicht ausreichen. Dass die Müllabfuhr künftig nur noch alle 14 Tage durch die Straßen fährt, ist zudem gut fürs Stadtbild, die Umwelt – und wird aller Voraussicht nach den Preis drücken, den die Stadt an den Entsorger zahlen muss.

Wird die Gebühr steigen? Das weiß zurzeit niemand genau. Aber Schopmann betonte: „Nach unserer Erwartung besteht die Sorge nicht.“ Wenn zurzeit zehn Leerungen einer 60-Liter-Mülltonne 150 Euro kosten, eine Leerung also 15 Euro, dann bedeute dies nicht, dass für 13 Leerungen künftig 45 Euro draufzuschlagen sind. Müllgebühren werden Jahr für Jahr neu festgesetzt. Dabei gilt: Eventuelle Mehreinnahmen aus dem Vorjahr dienen zur Entlastung der Gebührenzahler im folgenden Jahr. Bei der Gebühr für 2020 wird wie immer die Summe einfließen, die die Stadt an den Kreis für die Müllverbrennung in Asdonkshof zahlen muss, sowie die Summe, die an das Entsorgungsunternehmen zu entrichten ist. Fast alle anderen Kommunen im Kreis setzten auf regelmäßige Abfuhrtermine beim Restmüll – und ein Vergleich zeige, dass sie damit günstiger seien als Neukirchen-Vluyn mit seinem Zählsystem, sagte der Technische Beigeordnete Ulrich Geilmann.

Warum müssen sich Hauseigentümer jetzt entscheiden? Weil der Vertrag der Stadt mit dem Entsorgungsunternehmen zum Ende 2019 ausläuft. Vorgeschrieben sei eine europaweite Ausschreibung der Leistungen, die rechtzeitig auf dem Weg gebracht werden muss. Im Frühjahr 2019 muss die Ausschreibung stehen, sonst riskiert die Stadt, ab 2020 ohne Müllabfuhr dazustehen. Dass die Stadt ausschließlich Eigentümer angeschrieben hat, hat rechtliche Gründe. „Unsere Gebührenschuldner sind die Eigentümer“, sagte Schopmann. Im Zweifelsfall müsse sich der Eigentümer mit seinen Mietern kurzschließen. „Wir vermitteln auch zwischen Mieter und Vermieter“, sagte Marion May-Hacker von der Abfallberatung der Stadt. Wie May-Hacker erläuterte, wird es Ende 2019 eine Übergangsphase geben: „Im November und Dezember kommen die neuen Mülltonnen, ab 1. Januar 2020 werden die alten eingesammelt.“

An wen kann man sich bei Fragen wenden? An Marion May-Hacker und ihre Kollegen, unter den Rufnummern 02845 391-255, 391-130 und 391-236.

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