Mobilität in Neukirchen-Vluyn: Es mangelt an Alternativen zum Auto.

Klimafreundliche Mobilität in Neukirchen-Vluyn : Es mangelt an Alternativen zum Auto

Die Fraktionen haben das „Klimafreundliche Mobilitätskonzept“ am Mittwoch erstmals im Stadtentwicklungsausschuss intensiv diskutiert.

Auf 218 Seiten wagt Gutachter Gerd Runge einen Spagat. Schonungslos rechnet er mit den Versäumnissen ab. Und zugleich schreibt er der Politik und Verwaltung viele Dutzend Maßnahmen ins Stammbuch. Die größte Ohrfeige bekommt das Nahverkehrsunternehmen Niag. Mit schlechten Takten (nachts – nie!) und unzureichenden Buslinien sorgt es dafür, dass nur fünf Prozent der 27.200 Einwohner überhaupt den Öffentlichen Personennahverkehr, ÖPNV, nutzen.

Kein abschließendes Votum gibt Gutachter Runge zu einem Personennahverkehr auf dem Gleis der Niederbergbahn. Für Berufspendler könnte eine solche Bahn die Fahrzeiten auf ein Drittel gegenüber den Niag-Bussen verkürzen. Doch es müssten alle Schienen und das Gleisbett erneuert und mehr als 20 Bahnübergänge abgesichert werden. Das Ergebnis wäre eine Bummelbahn, die derzeit in Moers nicht an das allgemeine Schienennetz angeschlossen ist. Zu den Kosten will die Stadt eine gesonderte Machbarkeitsstudie in Auftrag geben.

Der Autoverkehr soll reduziert werden Zwischen Seite 32 und Seite 52 widerspricht sich Gutachter Runge selbst. Auf Seite 32 stellt er fest, dass der Autoverkehr in Neukirchen-Vluyn in den zurückliegenden 20 Jahren nicht zugenommen habe. Auf Seite 52 steht der Satz: „Der motorisierte Quell- und Zielverkehr der Stadt Neukirchen-Vluyn ist seit der Erstellung des Verkehrsentwicklungsplans, VEP, 2004 deutlich angestiegen.“ Eine Kundenbefragung in Vluyn widerspricht Aussagen der Händler: Dort kämen die meisten Kunden nicht per Auto zum Einkaufen – so der Gutachter.

Mehr Freiheiten für Radfahrer Aus Bürgerbefragungen und über ein Onlineportal ermittelte Gutachter Gerd Runge den Verbesserungsbedarf aus Sicht der Nutzer. Hinzu kamen eigene Termine vor Ort. Grundsätzlich soll es Radfahrern an vielen Stellen gestattet werden, wahlweise den Radweg oder die Straße zu nutzen. Motto: Wer sich unsicher fühlt, darf auf dem Radweg bleiben. Wer schnell unterwegs sein will, darf auf der Straße fahren. Dies könnte zu einem Modell auf der Niederrheinallee und am Bendschenweg werden.

Mehr Schnellbuslinien! Um Pendler auf den ÖPNV zu bringen, fordert der Gutachter einen deutlichen Ausbau der Schnellbusverbindungen. Runge macht gleich mehrere Vorschläge für heute überhaupt nicht vorhandene Nord-Süd-Verbindungen von Kamp-Lintfort über Neukirchen-Vluyn nach Krefeld. Zudem sollen die Haltestellen Fahrradständer bekommen, um das Umsteigen vom Rad in den Bus überhaupt erst zu ermöglichen.

Fußgänger in den Mittelpunkt stellen Zu schmale Bürgersteige sollen der Vergangenheit angehören. Das Überqueren von Straßen müsse durch Inseln und Zebrasteifen erleichtert werden.

Darüber, wie die Politik die Vorschläge bewertet, berichten wir am Freitag.

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