Mobilität in Neukirchen-Vluyn: der Umstieg vom Auto aufs Fahrrad

Mobilität in Neukirchen-Vluyn : Wie gelingt der Umstieg vom Auto aufs Fahrrad ?

Mit ihrer zweiten Bürgerversammlung informierte die Stadtverwaltung in Neukirchen die Bürger über das Klimafreundliche Mobilitätskonzept. Knapp 50 Personen nahmen an der Veranstaltung im Klingerhuf teil.

Das klimafreundliche Mobilitätskonzept beschäftigte am Montagabend die Neukirchener Bürgerschaft. Für die Stadtverwaltung war es die zweite Veranstaltung, die in einem einstündigen Vortrag darüber informierte, wie sich in Neukirchen-Vluyn bis 2030 der CO2-Ausstoß um 20 Prozent verringern kann. Stellschrauben liegen hierbei in der Verstärkung des öffentlichen Nahverkehrs (ÖPNV) mit Schnellbuslinien. Und in der vermehrten Nutzung des Rades auf gut ausgebauten Radwegen. Knapp 50 Personen, darunter wie in Vluyn Vertreter aus Rat und Verwaltung und vom Heimat- und Verkehrsverein, besuchten die Veranstaltung.

Während sich in Vluyn im Anschluss die Diskussion auf die Reduzierung von Parkplätzen an der Niederrheinallee konzentrierte, fragten die Bürger im Klingerhuf bei unterschiedlichen Themengebieten nach. Bürgermeister Harald Lenßen stellte zu Beginn der Versammlung die gut anderthalbjährige Vorbereitungsphase des Mobilitätskonzepts vor. Arbeitsgemeinschaften mit Bürgern beider Ortsteile, Expertenrunden wie auch Politik und Verwaltung brachten sich ein, bevor Verkehrsplaner Hans-Rainer Runge vom Düsseldorfer Planungsbüros IVP die Arbeit aufnahm. Er war auch Referent des Abends. Lenßen: „40 der vorgestellten 84 Maßnahmen kann die Stadt Neukirchen-Vluyn ohne großen Kostenaufwand umsetzen. Andere sind in Kooperation über andere Institutionen und den Kreis Wesel möglich. Diese Umsetzungen kosten Zeit von zehn bis 15 Jahren, Geld und brauchen Entscheidungsträger.“

Zu ihnen gehört beispielsweise Straßen.NRW. Dass das klimafreundliche Mobilitätskonzept sozusagen noch in Bürgerhand sei, Kritik und Anregungen erwünscht seien, betonte Lenßen. Schließlich seien es die Bürger, die ihr Verhalten ändern müssten. Im September wurde das 218 Seiten starke Konzept mit den Schwerpunkten Reduzierung des Autoverkehrs, verstärkter Radfahrerverkehr mit Anbindung an andere Verkehrsachsen, neue Wegekonzepte und einen optimierten ÖPNV im Stadt- und Entwicklungsausschuss vorgestellt. Eine Entscheidung soll am 11. Dezember im Rat fallen.

Bereits in Umfragen hatten die Bürger Neukirchener Knackpunkte wie Tersteegen- und Lintforter Straße, Andreas-Bräm-Straße, Niederrheinallee und Krefelder Straße genannt. Bemängelt wurden die Sicherheit für Fußgänger und Radler an unübersichtlichen Ein- und Ausfahrten. Ähnlich gefährlich ist die Situation an der Hans-Böckler-Straße, wo parkende Autos den fließenden Verkehr bremsen. Runge wies auf die Parkplätze an der Waldstraße.

In Neukirchen könnten eine Mobilitätszentrale am Denkmalplatz mit Bushaltestelle und einem kombiniertem Angebot wie einer Fahrradabstellanlage, Ladestation und Carsharing-Station gelingen. Diese Station kann Teil eines Netzwerkes werden und sich als Verkehrsknotenpunkt mit anderen Radwegenetzen verknüpfen. Runge: „Dazu braucht es Kooperationen mit anderen Kommunen und dem Kreis, die die örtliche Politik im Kreistag einfordern sollte.“

In der gut 30-minütigen Diskussionsrunde kam die Frage auf, warum Straßen oder gar beide Ortsteile nicht einfach in eine Tempo-30-Zone umgewandelt werden können. Auch dabei verwies Runge auf die verschiedenen Zuständigkeiten. Für Gesprächsstoff sorgte nach 15 Jahren die erneute Machbarkeitsstudie zur Niederberg-Bahn, die in einigen Wochen zu erwarten ist. Zu überlegen sei, ob die Trasse nicht als Radschnellweg auszubauen sei.

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