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Neukirchen-Vluyn: Milchbauern: Mit kreativen Ideen gegen den Preisverfall

Neukirchen-Vluyn : Milchbauern: Mit kreativen Ideen gegen den Preisverfall

"Mensch Macht Milch": Bei einer Podiumsdiskussion erzählten Landwirte von ihrem schwierigen Dasein. Aber: Für frische Milch direkt vom Hof zahlen viele Kunden gerne etwas mehr.

Die schwarzbunten Milchkühe gehören auf die niederrheinischen Wiesen wie das Amen in die Kirche. Und für die meisten Menschen gehört das "weiße Gold" selbstverständlich zu ihrem Alltag, kostet der Liter beim Discounter um die Ecke doch nur schlappe 55 Cent. Doch wie geht es eigentlich den Besitzern des lieben Viehs? Bei der Podiumsdiskussion im Heinrich-Goldberg-Saal der Sparkasse Neukirchen kamen die zu Wort, die "von der Milch leben": Drei Landwirte, die ihren eigenen Weg aus der Milch-Misere gefunden haben und ein wichtiger lokaler Einzelhändler, der vom täglichen Kontakt zum Kunden berichten konnte. Die Veranstaltung wurde vom "Ökumenischen Forum - Agenda 21" und der "Lokalen Agenda 21" in gemeinsamer Initiative von Kirche und Stadt organisiert.

Pfarrerin Juliane Kollmann-Rusch und der städtische Beigeordnete Ulrich Geilmann freuten sich über zahlreiche Besucher der Veranstaltung. Sie stellte den Abschluss der Ausstellung "Mensch Macht Milch" dar, die zwei Wochen lang in den Räumen der Sparkasse zu Gast war. Pfarrer Jürgen Widera fasste in einem Impulsreferat die wichtigsten Fakten zum Thema zusammen und warf Fragen aus Sicht eines "Milchfans" und kritischen Verbrauchers auf: Warum findet man im Supermarkt immer weniger traditionell hergestellte Milch und stattdessen viel Kleingedrucktes auf den Packungen? In den letzten 20 Jahren haben 100.000 Milchbauern aufgegeben. Welche Alternative haben sie überhaupt noch? Was können wir als Verbraucher tun, um die Bauern bei ihrer Forderung nach einem fairen Milchpreis von mindestens 40 Cent zu unterstützen?

In der Tat konnte Landwirt Johannes Leuchtenberg berichten, dass er und viele Kollegen durch den Preisverfall im Jahr 2015 in arge Nöte geraten sind. Schuld daran seien der Wegfall der EU-Milchquote, die China-Krise und das Russland-Embargo gewesen. Auch Hans-Dieter Porn und Andreas Straetmanns waren mit ihren eher kleinen Milchbetrieben betroffen. Bei allen Plänen und Ideen, sich auf sichere Füße zu stellen stießen sie auf einen Berg von Vorschriften, Regelungen und Anträgen. "In Deutschland wird es der Landwirtschaft schwer gemacht", resümierte Straetmanns.

Als Alternative setzen alle drei nun verstärkt auf die Direktvermarktung und machen damit gute Erfahrungen. Straetmanns betreibt in Kerken-Stenden eine Käserei und vertreibt seine Produkte auf Märkten und in Bauernläden. Die Familie Porn bietet bereits seit 2009 frische, unbehandelte Milch an einer sogenannten Milchtankstelle an und kann damit auf einen festen Kundenstamm bauen, der für das intensive Geschmackserlebnis gerne 80 Cent pro Liter zahlt. Auch Leuchtenberg setzt auf dieses Konzept. Dass der Kunde das gekühlte Produkt vor dem Genuss einmal auf 70 Grad erhitzen muss, tut der Beliebtheit keinen Abbruch.

Bei Edeka im Kühlregal finden sich viele verschiedene Sorten Milch, die preislich stark variieren. Martina Raber und ihr Vater Norbert, die drei Edeka-Märkte betreiben, haben die Beobachtung gemacht, dass die Kunden meist zum günstigsten Produkt greifen. Einige würden auch auf bestimmte Marken oder auf "Bio" schwören und dafür gerne mehr bezahlen. "Bei uns Bauern kommt davon aber nichts an", erklärte Leuchtenberg. "Der Kunde sagt uns, wo's langgeht", fasste Raber seine Sichtweise zusammen.

Am Ende der aufschlussreichen Talkrunde stellte Moderator Jürgen Widera die Frage, wie es denn um das Tierwohl bestellt sei. "Allen Kühen geht es heute, dank strenger Auflagen, richtig gut!", konnten die Landwirte versichern.

(rauh)