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Michael Kunze geht zum Sternegucken auf den Oermter Berg

Hobby-Astronomen erklärt Himmel über dem Niederrhein : Zum Sternegucken auf den Oermter Berg

Der Komet Neowise zählte in diesem Monat zu den Lieblingsobjekten des Hobby-Astronomen Michael Kunze. Der Familienvater macht sich regelmäßig auf den Weg zum Oermter Berg, um den Himmel über dem Niederrhein zu erkunden.

Michael Kunze steht mitten in seinem Garten. Wenn die Bäume dort nicht so hoch wären, könnte er ihn sehen: Neowise, den Kometen. Um die Himmelserscheinung dann doch nicht zu verpassen, steigt der Familienvater aus Rheurdt aufs Fahrrad oder ins Auto und fährt los, zum Oermter Berg in der Nachbarschaft. „Ich war tatsächlich die ganze Nacht draußen“, sagt er, insgesamt waren es sogar drei Nächte, in denen er Zeitrafferaufnahmen vom Kometen machte, die er auf seiner eigenen Webseite präsentiert. „Ich mache das wirklich intensiv“, sagt der Hobby-Astronom. Mit dem eigenen Teleskop ist er seit seinem zwölften Lebensjahr auf der Jagd nach den Himmelskörpern, schon vorher hat er bei Urlauben mit seinen Eltern in den Himmel geschaut und Sterne beobachtet. „Jetzt bin ich 42. Und es hat mich bis heute nicht losgelassen“, erzählt er über die Lust an der Astronomie.

Vielleicht liegt es auch daran, dass es nie langweilig wird. Der Himmel ist nie gleich. „Der Jupiter ist fast jede Nacht anders“, sagt der Rheurdter. Die Wolkenbänder bilden immer neue Formationen, und einen riesengroßen Wirbelsturm gibt es auch. Oder der Mars: er hat Polkappen aus Stickstoff, die größer und kleiner werden. Um das beobachten zu können, braucht es schon ein Teleskop. Aber auch das Fernglas ist schon eine Hilfe, um sich die fernen Welten ein bisschen näher zu holen. Durch das Fernglas könne man die Jupitermonde sehen, sagt Kunze. Mit viel Mühe und einem Stativ vielleicht auch die Ringe. Aber auch mit dem bloßen Auge lohne sich der Blick in den Abendhimmel immer. „Der Mond ist natürlich ein schönes Ziel“, sagt der Hobby-Astronom. Und auch der Komet Neowise ist mit dem bloßen Auge gut zu entdecken. Bei seinen Zeitrafferaufnahmen ziehen im Laufe der ganzen Nacht Flugzeuge und Satelliten über den Himmel.

  Jupiter ist der größte Planet unseres Sonnensystems.
Jupiter ist der größte Planet unseres Sonnensystems. Foto: Michael Kunze
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Das Festhalten der gesichteten Himmelsobjekte ist seine Leidenschaft, sagt der Rheurdter. Dafür geht er auch schon etwas höher hinaus als nur in 68 Meter Höhe des Oermter Bergs. Als der letzte große Komet Hale-Bopp zu sehen war, fuhr er in die Schweiz. Mit der Zahnradbahn ging es auf das Matterhorn. „Wir mussten erst einmal einen Meter Schnee wegbuddeln, damit wir die Geräte aufbauen konnten“, erinnert er sich lachend an die Situation vor fast 25 Jahren. Dann war da die Sensations-Sonnenfinsternis 2012 in Australien. „Auf dem Highway, da kommt die ganze Welt zusammen“, sagt er über den besonderen Moment und ja, es gebe so etwas wie den Astronomietourismus.

  Das ist die Whirlpool-Galaxie (M51) .
Das ist die Whirlpool-Galaxie (M51) . Foto: Michael Kunze

Wohin es fast alle zieht, sei Namibia. „Die Milchstraße ist mega zu sehen“, schwärmt er und zeigt eines seiner Fotos. Möglich ist die gute Sicht, weil es dort weniger Lichtverschmutzung gibt. Die ist ein Riesen-Problem für Astronomen. Das Licht der Städte streut weit und erhellt den Himmel künstlich. Dadurch sind die Himmelsobjekte schlechter zu sehen. Lichtverschmutzung, die gibt es nicht nur in den Großstädten, die Straßenlaternen, Lichtreklamen, angestrahlte historische Gebäude und Kirchen gibt es auch auf dem Land. „Irgendwann gehen alle ins Bett, da wäre es schön, wenn das Licht aus wäre“, schlägt der Rheurdter vor. Das würde alle Sternengucker freuen. Er wünscht sich, dass noch mehr Menschen von dem Hobby angesteckt werden. Denn der Blick in die Weiten lässt nachdenklich werden. Er zeigt auf eine der Fotografien, die er gemacht hat. „Die Galaxie M51 ist 23.160.000 Lichtjahre entfernt. „Man muss sich das mal vorstellen, 23 Millionen Jahre ist das Licht unterwegs“, sagt Kunze mit Begeisterung in der Stimme.

 Michael Kunze ist Hobby-Astronom aus Rheurdt. Einer seiner Lieblings-Beobachtungsplätze in der Nähe ist der Oermter Berg.
Michael Kunze ist Hobby-Astronom aus Rheurdt. Einer seiner Lieblings-Beobachtungsplätze in der Nähe ist der Oermter Berg. Foto: Bianca Mokwa

Das bedeutet: „Wir gucken hier nur in die Vergangenheit. Alles, was wir da oben sehen, ist schon passiert.“ Das relativiere manches Problem und helfe, Dinge aus einer anderen Perspektive zu betrachten.