Land-Liebe: Darum ist es in Schaephuysen so schön.

Land-Liebe : Darum ist es in Schaephuysen so schön

Ob Dorfjugend oder Gastwirt, Zugezogener oder Landfrau – sie alle mögen ihr Dorf nicht missen. Eine Heimat-Umfrage.

Natürlich geht auch eine Landfrau gerne auf Reisen. „Aber sobald ich unseren Kirchturm sehe, weiß ich: Jetzt bin ich zu Hause“, sagt Elke Benger. „Als Neuhinzugezogener kann man sich hier überall einbringen. Deshalb war es leicht, sich hier einzuleben“, meint Thomas Birnbaum. Am Tresen von Dorfgastwirt Karl-Heinz Hauser sind alle gleich; und wenn ihm jemand mal quer kommt? „Dann spreche ich nur noch Platt mit ihm.“ Als die Jugendlichen gefragt wurden, ob es WLAN geben soll – in ganz Schaephuysen, da war Jana Wienes strikt dagegen: „Wir wollen uns doch hier miteinander unterhalten.“

Was macht Schaephuysen lebens- und liebenswert? Die kurze Antwort lautet: Es sind die hier lebenden Menschen – Alteingesessene und neu Hinzugezogene. Morgen versuchen sie, diese Mischung aus Bodenständigkeit und Abenteuerlust – einer Jury aus Fachleuten näher zu bringen. Am Fronleichnamstag wird Schaephuysen drei Stunden lang von den Wertungsrichtern im Bundeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ inspiziert.

Thomas Birnbaum, Ingenieur. Foto: Dirk Neubauer

Elke Benger, 54, zögert bei der Berufsangabe. „Bäuerin“ reicht nicht. Den Ausdruck „Landfrau“ nimmt sie als Ehrentitel. Unternehmerin Elke Benger managt den Hof, den Hofladen, die Marktstände, die Familie. „Eigentlich bin ich meinem Leben nur einmal umgezogen – um die Ecke.“ Dennoch mag sie ihr Schaephuysen nicht missen. „Hier kennt jeder jeden.“ Für viele Ohren mag das sehr beengt klingen, Elke Benger gibt das Sicherheit: „Wenn man hier jemanden um Hilfe fragt, dann bekommt man die. Sofort.“ Gemeinsam mit den Schaephuysener Landfrauen hat sie für die Jury eine Präsentation vorbereitet.

Elke Benger, Landfrau. Foto: Dirk Neubauer

Vor zehn Jahren entdeckte Thomas Birnbaum, 54, in Schaephuysen sein Traumhaus. Kurze Zeit später zog der Sauerländer hier ein. „Es war viel leichter als vorab gedacht, hier Fuß zu fassen.“ Spätestens als der Energiefachmann das erste Straßenfest organisierte und Kontakt zum Schützenverein aufnahm, machte niemand mehr einen Unterschied zwischen hier geboren und erst kürzlich hinzugezogen. Noch immer begeistert Birnbaum, dass die Dorfgemeinschaft Schaephuysen eingebettet ist in eine leistungsfähige Infrastruktur. Dementsprechend wird er der Jury erläutern, wie das Dorf lichtwellenleitergeschwind den Anschluss an das World Wide Web findet und ausbaut.

Karl-Peter Hauser, Dorfgastwirt. Foto: Dirk Neubauer

Das Feierabendbier bei Dorfgastwirt Karl-Peter Hauser, 69, löscht den Brand des Tages. „Seit April 1964, also seit 55 Jahren, gehöre ich zur Feuerwehr“, sagt Hauser mit einem Augenknipsen. Hauser hilft. Wenn jemand spät am Abend eine 500-Ampere-Sicherung braucht, eine von denen aus Porzellan, dann wird er zum Dorfgasthof geschickt. Weil alle wissen hier, dass Hauser solche Dinge aufhebt und weitergibt. Neu-Schaephuysener werden freundlich begrüßt und sofort in den Schnack an der Theke mit einbezogen. Nur von oben herab belehrt werden, das will Hause nicht: „Da schalte ich auf stur.“ Im Saal seines Gasthofs wird die Jury Zwischenstation machen.

Franca Del Ben, Sophia Wormann, Yvonne Thier (alle 15) und Jana Wienes (16) planen zusammen mit weiteren Jugendlichen eine Überraschung für die Jury. Nicht bloß, weil ihre Väter sich seit Jahren für die Dorfentwicklung engagieren. „Hier werden wir Jugendlichen angehört und können unsere Vorschläge umsetzen“, sagen die Mädchen mit einem energischen Kopfnicken. Landflucht der Jugend – das käme diesen Vier derzeit nicht in den Sinn.

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