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Konzert in Neukirchen-Vluyn: Improvisierte Musik auf der Streuobstwiese

Konzert in Neukirchen-Vluyn : Improvisierte Musik auf der Streuobstwiese

Das Trio Skulski/Gerigk/Roth spielte im Rahmen des Projekts „LandKultur“ auf dem Weyershof. Die Zuhörer genossen das Kulturevent nach der Corona-Pause.

Im Rahmen des Projekts „LandKultur“ hat Rüdiger Eichholtz mit dem Verein Kulturprojekte Niederrhein zu einem besonderen Konzert eingeladen. „LandKultur – Kulturelle Aktivitäten und Teilhabe im ländlichen Raum“ ist ein Programm des Bundeslandwirtschaftsministeriums. Nachdem im April, Mai und Juni die meisten Veranstaltungen abgesagt werden mussten, lockte das Freiluft-Konzert am Freitagabend rund 40 Musikfreunde an.

Unterstützt von der Sparkasse am Niederrhein und der Stadt Neukirchen-Vluyn wurde die Kultur in die Natur gebracht: Mitten in die Streuobstwiese des Weyershofes in Vluynbusch. Dort standen Bänke und Stühle in Grüppchen großzügig verteilt. Im Duft von Fallobst und Kuhfladen, in der zunehmenden Kühle der Dämmerung war dies ein Abend für alle Sinne. Unter einem alten Apfelbaum war die Bühne. Viele Zuhörer hatten sich Kissen, Getränke oder sogar ein kleines Picknick mitgebracht.

Das Trio Skulski/Gerigk/Roth entführte die Zuhörer in eine urbane Atmosphäre aus Klängen und Geräuschen – ein Kontrast zur ländlichen Idylle, wie er extremer kaum sein konnte. Michal Skulski (Saxophon), Jonas Gerigk (Kontrabass) und Steffen Roth (Schlagzeug) waren begeistert von der Location. In der erzwungenen „Heimarbeitsphase“ waren sie produktiv gewesen und brachten einige frische Kompositionen mit. Ihre neue CD heißt passenderweise „Landgang“. Jazzikone Günter „Baby“ Sommer schreibt dazu, die drei hätten auf dem weiten Feld der 100-jährigen Jazzgeschichte noch unbestellte Äcker gefunden.

Für Moers-Festival-Fans, die sich gerne auf experimentelle Musik einlassen, wurden die Erwartungen erfüllt. Für alle anderen war es vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig. Mit schnell ab- und aufsteigenden Tonleitern, die sich wie ein Gespräch anhören, sphärischen Klängen wie aus einem Synthesizer und freien Klang-Improvisationen, die an U-Bahn-Geräusche und Baulärm erinnern, weckte das Trio zahlreiche Assoziationen. Was Bassist Jonas Gerigk zu einer seiner Kompositionen sagte, passte hier auf das Kunsterlebnis insgesamt: Manchmal müsse man Abstand gewinnen zum Alltag, nicht festgefahren sein, sondern die Dinge einmal aus einer anderen Perspektive betrachten.

Der Abend klang mit Gesprächen und Begegnungen unter den Obstbäumen aus, die in der Dunkelheit in grellen Farben angestrahlt wurden.

Infos im Netz: www.kulturprojekte-niederrhein.de