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Klimaschutz in Neukirchen-Vluyn: Freitags-Demo auf verdorrter Wiese.

Klimaschutz in Neukirchen-Vluyn : Freitags-Demo auf verdorrter Wiese

„Fridays for Future“ – die zweite: Statt ins Klassenzimmer zogen Schülerinnen und Schüler aus Neukirchen-Vluyn fürs Klima auf die Straße.

Der Rasen zeigt gelb statt grün – er ist vertrocknet. Und an den jungen Bäumen rings herum rollen sich die Blätter zusammen. Sie haben gelbe Stellen; auch ihnen fehlt offenbar Wasser. Denn schon wieder meldete der Juni neue Hitzerekorde: Wer den Klimawandel in Neukirchen-Vluyn bebildern will, kann sich kaum eine bessere Stelle aussuchen als das Areal rund um die Skulptur „Der Bergmann“, unmittelbar am Neubaugebiet. Hier machten gestern rund 500 Schülerinnen und Schüler samt Ordnern einen Zwischenstopp bei ihrer zweiten Klimademo in der Stadt.

Mara spricht es an, in ihrer Rede – während sich die anderen Schüler auf dem Heuboden niedergelassen haben: „Im Juni war es bis zu 40 Grad heiß“ – das nimmt die von der großen Dürre 2018 geschwächte Natur noch mehr mit. Es sei nicht wirklich viel passiert – in der Klimapolitik. Mara kann das nicht verstehen. In einem brennenden Haus würde man doch auch nicht einfach stehen bleiben und den Flammen zuschauen. Man würde handeln. Man würde löschen. Die einzigen, die seit Monaten für den Klimaschutz auf die Straße gehen, seien die Schülerinnen und Schüler. Neulich in Aachenwaren sie 40.000.

Und auch in Neukirchen-Vluyn hat „Fridays for Future“ Zulauf. Es kamen am gestrigen Freitag mehr Schüler als bei der Premiere Ende Mai. „Wenn es jemand schaffen kann, ein Umdenken zu bewirken, dann sind wir das“, sagte Demo-Organisatorin Antonia Leffers übers Megaphon vor der Demonstration auf dem Leineweberplatz in Vluyn. Sie lobte den Antrag von Bündnis90/Die Grünen, auch in Neukirchen-Vluyn den Klimanotstand auszurufen. Um gleich danach zu bekräftigen, dass die Schüler sich mit ihrem Protest von keiner Partei vereinnahmen lassen wollen.

Weil es so ernst und dringend ist, schrecken auch die „unentschuldigten Fehlstunden“ nicht ab, die Ende nächster Woche auf den Zeugnissen stehen werden. Die Leiterinnen der weiterführenden Schulen in der Stadt äußerten einerseits große Sympathie für das Engagement ihrer Schüler. Andererseits sind sie gebunden an den Erlass der NRW-Schulministerin, die bei Demos während der Unterrichtszeit kein Pardon erlaubt.

Am gestrigen Freitag hatten zahlreiche Lehrer Exkursionen zum Leineweberplatz angemeldet – mit diesem Kniff sind ihre Klassen dann legal unterwegs. Von der begleitenden Polizei bekamen die Klimademonstranten ein großes Lob. „Eure Ordner machen einen guten Job“, sagte Neukirchen-Vluyns Wachleiter Reinhold Henning, der mit seinen Beamten den Protestzug von Vluyn bis vor das Rathaus in Neukirchen absicherte.