Neukirchen-Vluyn: Kinder feiern den Karneval der Tiere

Neukirchen-Vluyn: Kinder feiern den Karneval der Tiere

Einen vergnüglichen Vormittag erlebten gestern Neukirchen-Vluyner Grundschüler in der Kulturhalle: Im Rahmen des Kindermusikfests Kloster Kamp durften sie in einem Mitmach-Konzert mit Tieren und Klavieren Karneval feiern.

Camille Saint-Saens' große Zoofantasie "Karneval der Tiere" ist ein humorvolles Kabinettstück, an dem kleine, aber auch große Hörer ihre helle Freude haben. Obwohl der französische Komponist das Werk eigentlich nicht für Kinder komponiert hatte, zählt es heute zu den bekanntesten und beliebtesten Klassikern für Kinder. In der witzigen Klangkomödie, in der Saint-Saëns berühmte Melodien von Komponisten-Kollegen verulkte, lassen die Instrumente typische Eigenschaft der Zootiere hörbar werden. Einer Zusammenarbeit des Kinder- und Jugendmusikfestivals Kloster Kamp mit dem Orchesterzentrum NRW war es zu verdanken, dass jetzt 420 Grundschüler aus den vier Grundschulen der Stadt aktiv in das tierische Geschehen eingebunden wurden. Eine musikalische, aber auch organisatorische Meisterleistung. Sie habe "selten so viel Lampenfieber gehabt wie vor diesem Konzert", gestand Organisatorin Jeannette von der Leyen, doch die Freude über "diese großartige Kooperation" machte schließlich alles wett: "Das war toll, und das macht richtig Lust auf mehr."

Neun Studenten des in Dortmund ansässigen Orchesterzentrums NRW hatte dessen Künstlerischer Leiter Professor Alexander Hülshoff für den tierischen Karneval am Niederrhein ausgewählt. Als die beiden "Eichhörnchen am Klavier" fungierten die Pianisten Meri Tschabaschwili und Nils Liepe. Sprecher war Eike von der Leyen, der souverän und kindgerecht den unübertroffen witzigen und wunderbar ironischen Loriot-Text las. Dass die Tochter des 2011 verstorbenen Humoristen zur Verwendung des Textes ihre Genehmigung erteilt hatte, war ein Glücksfall, - auch für die erwachsenen Besucher, darunter Bürgermeister Harald Lenßen, der sich das tierische Vergnügen nicht entgehen ließ. Neben den sehr gut aufeinander eingespielten Musikern waren es vor allem die kleinen Akteure, die den Karneval zum Leben erweckten. Zum königlichen Marsch hob das "beeindruckende Löwenrudel" in den ersten Reihen majestätisch die aus Papptellern und Papierstreifen kunstvoll gefertigten Löwenmähnen, zum behäbigen Elefantentanz wurde im Takt geklatscht und wurden die Arme rüsselartig geschwenkt. Hüpfende "Kängurus" sprangen auf und ab, und statt der sieben lachsfarbenen japanischen Schleierschwänze gab es in der Kulturhalle gar einen ganzen Schwarm bunter Papierfische mit wehenden Schwanzflossen zu bestaunen. Fast so bunt wie die Kolibris aus lila Gummihandschuhen mit bunten Federflügeln. Dazu sang der Esel seine herzergreifende Weise auf der Geige (hervorragend imitiert von Akihiro Takeda), ließ die Klarinette den Kuckucksruf erklingen (ganz akkurat: Yueyang Zhou) und das Cello den Schwan (sehr schön gespielt von Jonathan Chim) als heimlichen Star des Karnevals durch die Halle gleiten. Nach dem großen Finale gab es viel Applaus für die Musiker und die Tiere. "Das hat voll Spaß gemacht", strahlte ein kleines "Känguru", als es gut gelaunt aus der Halle hüpfte. "Stimmt genau", kam es von allen Seiten. Auch Alexander Hülshoff war zufrieden: "Mir ist wichtig, dass die Musiker im Ensemble spielen und sich auf ihr Publikum einlassen. Kinderkonzerte sind eine Herausforderung, aber sie sollten für Musiker selbstverständlich sein. Und die Kinder haben sich wochenlang intensiv mit dem Stück beschäftigt, haben sich in die Musik reingehört, haben geprobt und gebastelt - das ist einfach nur gut!"

(prs)
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