Neukirchen-Vluyn: Jugendliche wollen neuen Treffpunkt

Neukirchen-Vluyn : Jugendliche wollen neuen Treffpunkt

Zehn Schüler von der Haarbeck-Schule haben mit Lehrer Sinan Lafci und Integrationshelfer Bastian Stobrawe eine Idee ausgearbeitet: Auf dem Gelände der Zeche Niederberg soll ein überdachter Pavillon entstehen. Doch das Geld fehlt.

Lindihana Selimi (17) und Marisa Kok (15) haben es schon länger aufgegeben, einen geeigneten Treffpunkt in Neukirchen-Vluyn zu finden. "Wenn wir zusammen chillen wollen, fahren wir nach Moers. Da gibt es WLAN und mehr Möglichkeiten, draußen zu sitzen", sagt Lindihana. "Hier in Neukirchen ist doch nichts los", stimmt Marisa ihr zu. Die Freundinnen haben es sich mit Marian Giese (17) und Eduard Gaab (18) auf dem Hügel neben der Skateranlage am Bendschenweg bequem gemacht und schauen zum Gelände der stillgelegten Zeche Niederberg herüber.

Die Vier haben eine genaue Vorstellung davon, was auf der großen freien Fläche zwischen den Fördertürmen und vor den Hallenhäusern entstehen könnte: Ein überdachter Pavillon, rund, das Dach - passend zur Bergwerks-Szenerie - wie ein Förderrad gestaltet. Mit einer Bühne und Sitzgelegenheiten, deren Lehnen zum Zurücklehnen einladen. "Steht eine Veranstaltung an, könnte man bei der Stadt einfach eine Kiste mit Mischpult, Mikrofon und anderen technischen Geräten ausleihen und im Pavillon feiern. So ist zumindest der Plan", erklärt Marian. Geburtstagsfeiern, Konzerte, Vorträge oder Theateraufführungen - auf der Freiluft-Bühne im Pavillon wäre vieles möglich. "Ich finde, dass man super einen Filmabend machen könnte. Falls das Dach aus Hartplastik ist, sehen wir sogar den Sternenhimmel", sagt Lindihana.

Und wenn der Pavillon gerade nicht für eine Veranstaltung gebucht ist, könnten die Neukirchen-Vluyner dort entspannt sitzen und sich unterhalten. Vielleicht auch mit Steckdosen und kostenlosem WLAN.

Doch in diesem Punkt sind sich die ehemaligen Haarbeck-Schüler noch nicht einig. Schließlich haben sie die Idee nicht allein gehabt, ihr Lehrer Sinan Lafci (38) hat den Vorschlag im Filmkurs vergangenes Jahr unterbreitet und würde gern vermeiden, dass die Schüler im Förderrad-Pavillon wieder nur "vor ihren Geräten hängen". Sein Kollege Bastian Stobrawe, der Integrationshelfer an der Haarbeck-Schule ist und die Idee mit optimiert hat, sieht das anders: "Ohne WLAN geht gar nichts mehr."

Lafci und Stobrawe sind an diesem sonnigen Herbsttag nach ihrer Arbeit zur Skateranlage gekommen, schießen gemeinsam mit Lindihana, Marisa, Marian und Eduard Fotos, auf denen sie ein großes Banner in den Händen halten, auf dem für die Förderrad-Idee geworben wird. "Wir wollen einen Weg finden, den Vorschlag umzusetzen. Leider erweist es sich schwieriger als gedacht. Unsere Hoffnung lag zunächst in einem Wettbewerb der RAG-Stiftung. Wir haben unsere Idee eingeschickt, sie bekam unter dem Thema Gute Nachbarschaft eine besondere Anerkennung. Doch für den Sieg hat es nicht gereicht", erzählt Lafci. "Uns wurde gesagt, die Freiluft-Bühne sei zu teuer, mit 50.000 kämen wir nicht weit." Lafci und Stobrawe haben bereits mit dem Bürgermeister und anderen Vertretern der Stadt gesprochen. Sie bekamen großen Zuspruch, doch das Geld zur Umsetzung fehle. "Grob geschätzt könnte es sich um 200.000 Euro handeln", sagt Lafci. "Allerdings wäre es für einen sehr guten Zweck. Die Stadt sollte nicht an der Jugend sparen, sondern neue Angebote für sie schaffen. Vielleicht könnte uns auch ein Verein weiterhelfen." Stobrawe möchte die Idee Landesvertretern vortragen: "Ich glaube, dass wir nur so unserem Ziel näher kommen können." Nach der Fotosession vor dem Zechengelände sind sich Lindihana und Marisa beim Blick auf's Smartphone einig: "Hier brauchen wir WLAN. Das mobile Datenvolumen funktioniert auf dem Gelände gar nicht." Lafci seufzt. Doch bei Lindihanas nächstem Satz muss er lächeln: "Herr Lafci, Sie haben echt super kreative Ideen. Ich glaube, hier ist bald wieder was los."

Wer Fragen zum Förderrad-Pavillon hat oder die Idee unterstützen möchte, kann sich unter 0176 22630177 melden oder eine Mail schreiben an: bastian.stobrawe@gmail.com.

(jma)
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