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„Jedem Schulkind in Neukirchen-Vluyn einen Laptop“

Schulen in Neukirchen-Vluyn : 132 Laptops für das kommende Schuljahr

Jedem Schulkind in Neukirchen-Vluyn einen Laptop – auf diese Forderung war ein Antrag der SPD-Fraktion zugespitzt. Im Rat wurde dieser nun mehrheitlich verabschiedet. Zunächst sollen weiterführende Schulen versorgt werden.

Auch an Schulen hat das Thema Digitalisierung durch die Corona-Krise an Fahrt gewonnen: Wegen der Kontaktbeschränkungen mussten die Schüler plötzlich virtuell unterrichtet werden, und Homeschooling wurde zu einem wichtigen Thema. Der digitale Schulunterricht zu Hause funktioniert aber nur dann, wenn die Schüler über die notwendige Technik verfügen. Die Corona-Krise hat gezeigt, dass dies nicht der Fall ist. Nicht alle Familien können sich die Anschaffung eines PCs oder Laptops leisten.

In Neukirchen-Vluyn soll sich das nun ändern. Noch bis zum Beginn des Schuljahres 2020/21 werden zunächst für die weiterführenden Schulen 132 Laptops angeschafft, 100 Geräte für die Gesamtschule und 32 für das Gymnasium. Den Beschluss dazu hat der Rat am Mittwoch auf den Weg gebracht.

Über die Schulleitungen wurden zuvor die Bedarfe für die Teilhabe bedürftiger Schüler beim digitalen Lernen festgestellt. Damit die Maßnahme zügig umgesetzt werden kann, sollen Mittel des Digitalpakts eingesetzt werden. Der Bund stellt 150 Euro für digitale Endgeräte bereit. Die Unterdeckung von zusammen 20.000 Euro soll aus den geplanten Aufwendungen für die Umsetzung des Digitalpakts „vorfinanziert“ werden. Zudem will die Verwaltung zeitnah ein Konzept für eine digitale zukunftsfähige Bildung für alle Schüler der städtischen Schulen erstellen. Unterstützung dazu gibt es von der Universität Duisburg-Essen. Auf Grundlage dieses Konzeptes sollen dann Fördermittel und Spenden akquiriert werden.

Den Stein ins Rollen gebracht hatte die SPD bereits Mitte April. In einem Antrag forderte sie, dass die die Stadt einen Hilfsfond in Höhe von 50.000 Euro einrichtet und für Bedürftige bereitstellt, die durch die Corona-Krise in besonderer Weise benachteiligt sind. Im Hinblick auf die Situation der Erforderlichkeit des Homeschoolings Anfang Mai stellte die SPD-Fraktion in einem weiteren Antrag die Forderung „Jedem Schulkind in Neukirchen-Vluyn einen Laptop“, der nun im Rat diskutiert wurde.

Die Grünen forderten, dass die Vorlage um den Zusatz ergänzt werden solle, dass der Arbeitskreis Digitales und die Schulen bei der Erstellung des Konzepts eingebunden werden. Fraktionsvorsitzender Thomas Wagner erläuterte: „Als der Antrag vorgestellt wurde, erschien er uns sinnvoll. Mittlerweile ist es aber so, dass sich die Lage entspannt hat und man nicht weiß, wie es nach den Ferien weitergeht.“ Man wisse nicht, ob die Kinder der Schule weiterhin fernbleiben und von zuhause unterrichtet werden würden.

Der Antrag der SPD fordere die Anschaffung von Laptops für alle Kinder, jetzt aber würde zunächst ein Kontingent von 132 Laptops angeschafft, und es stelle sich die Frage, ob das reicht und ob es sinnvoll sei, Laptops generell im Unterricht einzusetzen. Auch müssen Fragen der Fortbildung und der Infrastruktur der Schulen geklärt werden, deshalb solle man den Arbeitskreis Digitales und die Schulen mit ins Boot nehmen. Mit der Anschaffung der 132 Geräte solle man nach Meinung der Grünen-Fraktion abwarten, bis Ergebnisse aus dem Arbeitskreis vorliegen. Günter Zeller, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der SPD, indes lobte die Vorlage der Verwaltung.

Es sei doch selbstverständlich, dass der Arbeitskreis und die Schulen eingebunden würden, das gebe die Beschlussvorgabe auch entsprechend her und müsse daher nicht ergänzt werden. Heiko Haaz von der CDU stimmte den Worten Zellers zu und ergänzte: „Was wir jetzt gerade machen, ist eigentlich nichts anderes als ein Pflaster aufzukleben.“ Es sei ein präzises Pflaster, denn es wurde bei den Schulen genau nachgefragt, wo es aktuelle Probleme gibt. Dabei gehe es zunächst nicht darum, was in der Zukunft kommt, da greife dann das Konzept. Man solle die Verwaltung einfach mal arbeiten lassen.

Bürgermeister Harald Lenßen gab zu bedenken, dass der Arbeitskreis erst mit dem Zusammentreten des neuen Rats im Oktober tagen würde. Der von den Grünen beantragte erweiterte Beschlussvorschlag fand bei den Ratsmitgliedern keine Zustimmung, der Verwaltungsvorschlag wurde indes einstimmig unter Enthaltung der Grünen-Fraktion auf den Weg gebracht.