Diskussion mit Bundestagskandidat Jan Dieren Dieren: „Pflege ist ein knochenharter Job“

NEUKIRCHEN-VLUYN · Das Thema Pflege beschäftigte den SPD-Ortsverein Neukirchen-Vluyn bei einer Podiumsdiskussion. Die berufliche Belastung in der Pflege hat Jan Dieren bei einem Praktikum erlebt.

 Das Podium mit (von links) Jan Dieren, Claudia Moll, Jochen Gottke und Oliver Hautz.

Das Podium mit (von links) Jan Dieren, Claudia Moll, Jochen Gottke und Oliver Hautz.

Foto: Norbert Prümen

„In Deutschland Altwerden ist nichts für Feiglinge“, so der Titel der SPD-Podiumsdiskussion mit Online-Schalte im Viva-Event- und Freizeitpark. Mit Altenpflegerin und Bundestagsmitglied Claudia Moll,  Oliver Hautz, Geschäftsführer der Grafschafter Diakonie, und SPD-Bundestagskandidat Jan Dieren erörterte der Awo-Kreisvorsitzende Jochen Gottke Probleme in der Pflege.

Laut Statistik, so Gottke, sind knapp fünf Millionen Menschen mit Handicaps, psychischen Erkrankungen oder in hospizlicher Begleitung in Deutschland auf stationäre oder ambulante Pflege angewiesen. Die Zahl steigt seit der Einführung der fünf Pflegegrade 2017 und führte  zu einer stärkeren Inanspruchnahme vor allem der ambulanten Dienste führte.

„Müssen wir uns vorm Altwerden fürchten?“, fragte Gottke mit Blick auf den Pflegenotstand. SPD-Gesprächspartnerin Claudia Moll verneinte. „Pflege ist finanzierbar. Es läuft nur nicht richtig rund. Die Rahmenbedingungen müssen sich ändern.“ Sie plädierte für eine Bürgerversicherung als Vollversicherung, in der die Pflegeversicherung aufgeht.

Die Frage, ob Pflege Gewinne abwerfen muss, bejahte Oliver Hautz, da Partner der Einrichtungen oftmals kleinere Unternehmen seien. „Wir reden nicht vom Profit. Wir brauchen Gewinne, um wirtschaftliche Risiken auszugleichen.“ Die  Nachwuchsgewinnung für die Pflege sei nicht leicht.  „Mit 50 Auszubildenden funktioniert es bei uns noch gut“, so Hautz. Ein großes Problem sei der Fachkräftemangel, der durch Zeitarbeitsfirmen verschärft werde. „Die Pflege hat ein Imageproblem. Einrichtungen stehen mit dem Rücken an der Wand“, so Hautz. Auch unterschiedliche Pflegesätze in den Ländern verschärften die Lage. Es komme zu einem Pflegetourismus.

Die berufliche Belastung in der Pflege hat Jan Dieren bei einem Praktikum erlebt. „Ein knochenharter Job, der auch emotional belastend ist.“ Auf die Frage, welche Unterstützung nötig sei, sprach er die hohen Eigenanteile an, die in einem Zukunftsprogramm der Sozialdemokraten begrenzt würden.

Mit Blick auf pflegende Angehörige sprach sich Claudia Moll für den Ausbau der Tagespflege und eine insgesamt intensivere Pflegeberatung aus. Wichtig seien psychosoziale Angebote für pflegende Angehörige, die die Hauptlast tragen, bevor Entlastung, beispielsweise durch eine Heimunterbringung, einsetze.

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