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Interview mit Markus Nacke: "In der Sache kann ich schon hart sein"

Interview mit Markus Nacke : "In der Sache kann ich schon hart sein"

Der zukünftige Vorsitzende der CDU-Ratsfraktion in Neukirchen-Vluyn spricht über seine politischen Anfänge, über Transparenz in der Kommunalpolitik und worüber er sich bei der Arbeit in den Gremien manchmal ärgert.

Herr Nacke, wie sind Sie zur Kommunalpolitik gekommen? Waren Ihre Eltern bereits in der CDU aktiv?

Markus Nacke Nicht aktiv, aber die politische Einstellung in unserer Familie ging klar in Richtung Christdemokratie. Ich habe mich früh in der Jungen Union engagiert, bin dann auch JU-Stadtverbandsvorsitzender geworden.

Waren Sie auch Schülersprecher?

Nacke Ja, stellvertretender. Übrigens war der Lehrer, der damals Ansprechpartner für uns SV-Mitglieder war, Günther Zeller...

...der aktuelle SPD-Fraktionsvorsitzende, sozusagen ihr Amtskollege.

Nacke Interessant, nicht wahr? Aber damals war natürlich von Ratsmitgliedschaft noch nicht die Rede. Das war Jahre später. Der damalige CDU-Parteivorsitzende Peter Bongard hat mich zur Wahl 1999 angesprochen, ob ich kandidieren würde.

Seit wann war klar, dass Sie Nachfolger von Klaus Franzen werden?

Nacke Klaus Franzen hat schon frühzeitig klar gemacht, dass er bei der kommenden Kommunalwahl nicht mehr antreten wird. Im vergangenen Dreivierteljahr haben wir uns dann in der Fraktion über die Nachfolge verständigt.

Sie treten ihr Amt just vor der Kommunalwahl an. Was sind Ihre Prioritäten für die kommenden Monate?

Nacke Wir brauchen vor allem weiterhin eine verlässliche Haushaltspolitik, damit die Rahmenbedingungen stimmen. Im November gab es bereits die erste Sitzung der Kommission zur Haushaltskonsolidierung, die von unserer Fraktion angeregt wurde. Die Stimmung war gut, die wesentlichen Ziel wurden abgesteckt.

Die Probleme rund um die Kulturhalle haben die politische Debatte in den vergangenen Monaten geprägt. Glauben Sie, dass dies ein wichtiges Thema im Wahlkampf sein wird?

Nacke Nein, das glaube ich nicht. Es wurde ja eine Lösung gefunden, die im Rat auch mit breiter Mehrheit beschlossen wurde.

Nach der Wahl müssen Sie sich noch einmal zur Wahl für den Fraktionsvorsitz stellen.

Nacke Das ist so. Wenn ich wieder in den Rat gewählt werde, hoffe ich natürlich, dass die Fraktion mir auch dabei ihr Vertrauen schenkt.

Machen Sie gerne Wahlkampf?

Nacke Ja, ich finde es spannend, sich mit dem Wahlstand auf den Markt zu stellen und zu erfahren, was die Bürger so denken.

Was die Bürger so denken, möchte die CDU durch eine Aktion erfahren.

Nacke Richtig, wir verteilen Postwurfsendungen, die den Bürgern Gelegenheit geben, Wünsche oder auch Kritik zu äußern und den jeweiligen CDU-Bewerber kennenzulernen. Das ist für uns Christdemokraten in Neukirchen-Vluyn übrigens nicht neu, eine ähnliche Aktion gab es schon einmal 1999. Für mich ist Transparenz in der Politik ein wichtiger Punkt. Die Menschen sollen unsere Entscheidungen nachvollziehen können und an den Themen teilhaben.

Manche Bürger äußern sich vermutlich nicht immer freundlich über die Politik.

Nacke Kritik ist völlig in Ordnung, aber ich würde mir manchmal wünschen, dass die Bürger uns Ratsmitgliedern einen Vertrauensvorschuss geben. Wir engagieren uns doch nicht, um hier in die eigene Tasche zu wirtschaften. Wir sind auch Bürger von Neukirchen-Vluyn und ein Teil dieser Gemeinschaft.

Das klingt, als hätten Sie Erfahrung mit Wutbürgern gemacht.

Nacke Nun ja, im Vergleich zu der Zeit, als ich mit Politik anfing, ist die Stimmung in Teilen der Gesellschaft egozentrischer geworden, das ist zumindest mein persönlicher Eindruck. Die Leute pochen mehr auf ihr Recht. Mir scheint, früher gab es mehr Gemeinsinn.

Haben Sie sich geärgert, dass die SPD einen Amtsverzicht von Harald Lenßen vor der Kommunalwahl gefordert hat?

Nacke Nicht direkt geärgert, aber gewundert. Es wurde suggeriert, als würde der Bürgermeister etwas Schlimmes tun, obwohl er sich nur entschieden hat, seine volle Amtsperiode auszuschöpfen, für die er gewählt ist. Ich finde es gut und richtig.

Würden Sie sich als jemand beschreiben, der gerne die Auseinandersetzung sucht, oder sind Sie eher kompromissbereit?

Nacke In der Sache kann ich schon hart sein. Aber letztlich ist niemanden damit gedient, wenn im Rat nur gestritten wird. Gerade in der Kommunalpolitik ist es wichtig, dass wir Lösungen finden. Also: Streiten um des Streitens willen, das ist nicht meine Linie. Ich finde es auch nicht gut, wenn manche Fraktionen die Mitarbeiter der Verwaltung mit unnötigen Prüfaufträgen überschütten, um ein öffentliches Zeichen zu setzen oder sie hinter jeder Ecke Schlechtes vermuten. Das ist Aktionismus, der niemandem etwas bringt. Manchmal wünsche ich mir mehr Besonnenheit in der Politik.

STEFAN GILSBACH FÜHRTE DAS GESPRÄCH

(RP)