Neukirchen-Vluyn: In der Fahrradwerkstatt ist viel zu tun

Neukirchen-Vluyn : In der Fahrradwerkstatt ist viel zu tun

Die Radfahrsaison ist gestartet. Bevor man sich auf den Sattel schwingt, sollten die Gefährte nach der Winterpause allerdings genauer angeschaut werden. Rad-Spezialist Hans-Dieter Tendick sagt, worauf zu achten ist.

Im Fahrradgeschäft Tendick in Neukirchen an der Hochstraße geben sich gerade die Kunden die Klinke in die Hand. Hans-Dieter Tendick und sein fünfköpfiges Team kennen die Anliegen. "Jetzt fängt die Saison an. Da muss das eine oder andere noch gerichtet werden", sagt Tendick. Das Problem nennt er auch. "Jetzt kommen alle. Da muss der Kunde eben auch Wartezeiten mitbringen und ein 'Können Sie mal eben' geht gar nicht."

Oftmals wird das Fahrrad für die erste Tour der Saison aus dem Keller oder der Garage geholt und mit Schwamm und Spülmittel der Dreck der letzten Saison weggeputzt. "Am besten ist, jetzt nach der Winterpause Kettenschmiere und Kettenspannung zu überprüfen. Vor allem die Funktionstüchtigkeit der Bremsen ist sehr wichtig", so der Fachmann. Bei Felgenbremsen sind die Beläge das häufigste Verschleißteil.

Bei den so beliebten E-Bikes ist der Akku der Knackpunkt. "Er sollte über Winter nachgeladen sein. Steht das E-Bike zu lange und ungenutzt im Keller, kommt es zu einer so genannten Tiefenentladung, ähnlich wie bei einem Handy. Der Akku ist kaputt und muss ersetzt werden", sagt Tendick. Der Trend zum E-Bike ist nach wie vor ungebrochen. "Nicht mehr der ältere Radfahrer fährt E-Bike, sondern mittlerweile alle Altersklassen", so sein Fazit.

Bei einer Inspektion in der Werkstatt geht es auch um das Licht. LED-Leuchtmittel sind mittlerweile Standard. Wichtig ist zudem die Überprüfung der Reifen. Die Daumenprobe bringt Klarheit. Durch langes Stehen entweicht die Luft. Gibt der Reifen um mehr als einen Zentimeter nach, ist Pumpen angesagt. Auch sollte der Reifen auf Risse untersucht werden. Günstige Bereifungen ohne Bepanzerung zahlen sich nicht aus. Ein Plattfuß ist oftmals die Folge und das Ende der Tour.

Mittlerweile gibt es einen gut bestückten Gebrauchtrad-Markt wie er auch im Rabattstübchen zu entdecken ist. Rund 500 Euro müssen allerdings für ein E-Bike ausgegeben werden. Die Neuanschaffung aus dem E-Bike-Studio startet ab 1800 Euro und ist nach oben offen. Angebote über den Internethandel lehnt Tendick ab. "Das Internet repariert nicht", so der Fachmann. Aber auch das Ausleihen eines E-Bikes über das Wochenende ist möglich, um beispielsweise an einer Radtour teilzunehmen.

Lebenswichtig ist der Fahrradhelm, Eitelkeiten wie eine derangierte Frisur sind kein Argument. Denn gerade in den letzten Jahren sind bei E-Bikern, die "oben ohne" fahren, die Zahl der Unfälle mit schweren Kopfverletzungen gestiegen. Hintergrund: Nicht von vorneherein kann ein Autofahrer aus der Ferne abschätzen, ob es sich bei dem nahenden Rad um eine Standardausführung oder ein flottes E-Bike handelt. Die Geschwindigkeit ist schwer abschätzbar und es kommt dann zu schweren Unfällen.

Tendick rät, vor großen Touren, die eigene Kondition zu testen. "Langsam angehen lassen. Das ist gut für das Sitzfleisch und das eigene Wohlbefinden."

In seiner Werkstatt haben im Laufe der Jahre zehn junge Menschen ihre Ausbildung abgeschlossen. Sohn Max (22) steigt in die väterlichen Pedalen.

(sabi)
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