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Immobilien in Neukirchen-Vluyn: Zwangsversteigerung der Schrott-Hochhäuser.

Immobilien in Neukirchen-Vluyn : Zwangsversteigerung der Schrott-Hochhäuser

Das Amtsgericht Moers hat ein Termin angesetzt. Der Wert der seit Jahren leerstehenden Immobilien ist mit einem Euro angegeben.

Das Aktenzeichen 0030 K 0014/2018 auf dem digitalen Aushang des Moerser Amtsgerichts im Internet bedeutet für Neukirchen-Vluyn eine Top-Nachricht. Auf den darin aufgerufenen Termin – Freitag, 20. September 2019, 10 Uhr – warten viele tausend Bürger seit vielen Jahren sensüchtig; die geplagten Nachbarn sowieso. Die Schrotthochhäuser am Vluyner Nordring sind vom Moerser Amtsgericht zur Versteigerung im Weg der Zwangsvollstreckung aufgerufen. Wer einen Euro besitzt, kann zumindest beim Anfangsgebot mithalten. Nach jahrelangem Stillstand, Rott und Ratten, Asbestalarm und Zündeleien scheint Bewegung in die meist gehassten Häuserruinen der Stadt zu kommen.

Offenbar ist die terminlich fixierte Zwangsversteigerung auch geeignet, den Eigentümer Willis aus seiner Deckung zu locken. Wie die RP aus gut unterrichteten Kreisen erfuhr, hat er nach jahrelangem Schweigen nun gleich mehrfach seinen Hamburger Anwalt im Rathaus anrufen lassen. Angeblich könne man sich gar nicht erklären, welche Zahlungen an die Stadt offen stünden. In mehreren Schreiben hatte das Rathaus die Forderungen auf Euro und Cent benannt. Zudem hatte die Stadt in den Vorjahren bereits mehrfach vergebens den Kauf der derzeit unbewohnbaren Häuser angeboten.

Sollten städtischen Forderungen wider Erwarten vor dem Termin bezahlt werden, könnte es sein, dass die Zwangsversteigerung abgesagt wird. Aber selbst dann will sich Bürgermeister Harald Lenßen nicht mehr auf weitere Pirouetten einlassen. „Seit meinem ersten Tag im Amt, dem 21. Oktober 2009, verfolgt mich dieses Problem“, sagte Lenßen zum Jahreswechsel der RP. Selbst wenn es nicht zur Zwangsversteigerung käme, hat die Stadt für das Gelände der Schrottimmobilien mittlerweile eine Sanierungssatzung aufgestellt. Auch über diesen Weg könnte sie in den Besitz der Häuser kommen – es würde nur einige Jahre länger dauern.

In einem anderen Szenario würde die Zwangsversteigerung stattfinden, aber mit mehreren Bietern unbekannter Herkunft, die den Preis für die Ein-Euro-Immobilie in die Höhe treiben. Hier werde man sich verwaltungsintern und mit der Politik abstimmen, wie weit die Stadt Neukirchen-Vluyn mitbieten möchte. Wer auch immer Eigentümer werden würde, sieht sich einer Forderung der Bezirksregierung gegenüber, die eine Sanierung der Fassade fordert.

Selbst wenn die Stadt für einen Euro zum Zuge käme, würde es nicht billig. Der Abriss der möglicherweise Asbest enthaltenden Immobilie und der Nebengebäude würde mehr als 1,6 Millionen Euro kosten – viele Hunderttausend Euro mehr, als sich durch einen anschließenden Grundstücksverkauf erzielen ließe.