Heimspiel in Rheurdt Schaephuysen feiert das siebte Dorfwunder

Rheurdt · Beim Festival kamen diesmal viele Künstler aus Berlin in das Golddorf. Musiker und Bürger lieben die familiäre Atmosphäre beim „Schaephuysen Heimspiel“, das komplett ehrenamtlich organisiert ist. Diese Bands traten auf.

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Schaephuyen feiert die Musik – die schönsten Fotos

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Foto: Jakob Klos

Das siebte Weltwunder ist Geschichte. Von der Zeus-Statue des Phidias, die vor zweieinhalb Jahrtausenden die Pilger in die griechische Stadt Olympia zog, sind nur noch die Fundamente erhalten. Das unterscheidet das „siebte Dorfwunder“, das am Wochenende im niederrheinischen Golddorf zu erleben war, dessen Geschichte erst 2016 begonnen hat, auch wenn es einige Parallelen gibt. Wie einst Sportler von weit her anreisten, um in der „griechischen Provinz“ in der Arena zu stehen, reisen heute Musiker von weit her an, um in der „niederrheinischen Provinz“ auf der Bühne aufzutreten – bei der siebten Ausgabe des Festivals „Schaephuysen Heimspiel“ vor allem aus Berlin.

Musikalisch sind viele in den Genres Rock, Pop und Indie-Rock unterwegs. Einige sind auf dem Sprung in die große Musikwelt, der ihnen gelingen könnte, obwohl ihre Musik alles andere als Main-Stream ist. Dabei werden sie von treuen Anhängern aus ganz Deutschland begleitet, die das „Schaephuysen Heimspiel“ zu einem der größten Musikfestivals im Umkreis werden lassen. So kamen am Samstag rund 1.500 Zuhörer auf den Markt- und Festplatz in Schaephuysen, nachdem es am Freitag 300 in der Kirche St. Hubertus gewesen waren. Das waren etwas weniger als im Rekordjahr 2022, als gut 2.500 Zuhörer auf den Marktplatz und in das Gotteshaus strömten.

„Es müssen nicht mehr Zuschauer werden, weil sonst die friedvolle und familiäre Atmosphäre verlorengeht“, sagte Festival-Pressesprecher Simon Galka am Samstagabend zufrieden. „Unter den Besuchern sind viele Kinder. Das Festival ist auch ein Familienfest. Alles ist komplett ehrenamtlich organisiert. 136 Helfer sind im Einsatz, die das Festival stemmen.“ Diese Atmosphäre wird von den Künstlern geliebt, inspiriert sie, wie am Freitagabend Noah Warwel. Der Sing- und Songwriter aus Moers holte spontan seine Freundin Angelina Kalke nach vorne, um mit ihr, ebenfalls Sing- und Songwriterin, ein Duett zum Besten zu geben.

Ihnen folgte am Abend das Folk-Ensemble Mrs. Greenbird, das sich rund um den gebürtigen Kamp-Lintforter Steffen Brückner und die gebürtige Siegburgerin Sarah Brückner bildet. Mrs. Greenbirf hatte seinen größten Erfolg 2015, als es eines von acht Bewerbern beim Vorentscheid für den Eurovision Song Contest in Österreich war, aber den Sprung nach Wien verpasste.

Der Samstagnachmittag startete mit einer Überraschung. Der Marine Spielmannszug Blau-Weiss Schaephuysen stand beim siebten Festival erstmals auf der Bühne, um unter anderem den Song „Soon May the Wellerman Come“ vorzutragen. Bei diesem neuseeländischen Walfänger-Lied wurden 25 Spielleute von Sänger Heath McDonald unterstützt, einem Briten, der normalerweise im Männergesangsverein „Cäcilia“ Schaephuysen singt. „Der Auftritt kam super an“, freute sich Peter Hoyer. „Wir wollten schon lange den Spielmannszug einbinden. Zum 70. Geburtstag des Spielmannszuges hat es funktioniert.“

Er hatte zusammen mit Erik Brümmer und Axel Schmieding die Idee zu dem Festival gehabt, als im September 2015 das Schützenfest auf dem Markt- und Festplatz an der Tönisberger Straße gefeiert wurde. Es war die Zeit, als Geschäfte, Geldinstitute und Grundschule dem Golddorf „Good Bye“ sagten, das sich in der Krise neu erfand. Die drei zählen seitdem zum Organisationsteam des Festivals. Bei der siebten Ausgabe des Heimspiels ist dieses Team auf elf Personen angewachsen.

Das Festival „Heimspiel“ lockte am Freitag und Samstag viele Besucher und Musikfreunde nach Rheurdt.

Das Festival „Heimspiel“ lockte am Freitag und Samstag viele Besucher und Musikfreunde nach Rheurdt.

Foto: Jakob Klos

Darunter sind Musik-Scouts, wie Patrick Ingenillen oder David Volk. Sie stellen das Programm zusammen. So spielte am Samstag die Band Jupiter Flynn auf der großen Bühne Popsongs. Sie hat sich um die Singer- und Songwriterin Noa gebildet. Die Band Freddy Fischer gab auf der Hauptbühne Funk zum Besten. Oder die Hispano-Französin Sofia Portanet präsentierte sich mit ihrer Band Popmusik. Alle drei Bands sind in Berlin zuhause. Dabei sind beim „Heimspiel“ auch Klänge aus der Region zu hören, diesmal Indierock und Alternative der Band Flash Forward aus Wesel.