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Neukirchen-Vluyn: Haarbeckschüler gewinnen Umweltpreis

Neukirchen-Vluyn : Haarbeckschüler gewinnen Umweltpreis

Die Stadt Neukirchen-Vluyn belohnt ein engagiertes Projekt mit ihrem Kinder- und Jugendumweltpreis. Die Schüler haben sich mit den Konsequenzen des Wohlstandsmülls und der Ausbeutung von Arbeitskräften beschäftigt.

Die Klasse ist schweigsam während des Films. Auf der Wand des Unterrichtsraums sieht man Menschen im Müll nach Nahrung kramen und Mädchen, die für einen Hungerlohn in Textilfabriken schuften müssen. Erst als die Szene zurück nach Neukirchen-Vluyn wechselt, als Mitschüler auftauchen und vor der Kamera ihr Projekt erklären, kommt wieder Leben in die Jugendlichen, die Anspannung weicht.

Lehrer Sinan Lafci schaltet den Projektor aus, jemand macht das Licht an. In der ersten Stuhlreihe sind nun gut zu erkennen: Bürgermeister Harald Lenßen, Norbert Henn, Leiter der Haarbeckschule, und zwei Herren, ohne die dieser Termin nicht stattfinden könnte: Es sind Winfried Exner und Theo Klinkenberg, die Initiatoren des Kinder- und Jugendumweltpreises in Neukirchen-Vluyn.

Diesen bekommen in diesem Jahr die Schüler, die soeben den Film über ihr Projekt verfolgt haben: die Mädchen und Jungen der Klasse 9a. Gemeinsam mit Lehrer Sinan Lafci haben sie sich der Frage "Was soll der Müll?" gewidmet. Dazu haben sie unter anderem in der Schule ein Müllberg gebaut, der vor Augen führt, wie viel Verpackungen und sonstigen Abfall wir Tag für Tag produzieren. Eindrucksvoll ist ein Puzzle aus Getränketüten, das bei näherem Hinsehen einen Totenkopf mit glühend roten Augen zeigt, ein gruseliges Symbol für die Folgen der Gedankenlosigkeit, mit der das Thema Abfall oft behandelt wird. Verbunden mit dieser Problematik ist die Situation von Kindern in Ländern wie Indien, die unter Bedingungen, die sich von Sklaverei kaum unterscheiden, für Großkonzerne billige Textilien herstellen. Es ist alles Teil eines Problems: gedankenloser Konsum, dessen Konsequenzen die Menschen am unteren Ende der sozialen Leiter bezahlen müssen.

"Es geht darum, dass Bewusstsein zu verändern", fasst Harald Lenßen den Sinn des Projektes zusammen. "Auch mich hat das nachdenklich gemacht." Der Bürgermeister lobt die "tolle Initiative" der beiden Begründer der Auszeichnung, die das Preisgeld, 1000 Euro, stets aus der eigenen Kasse zahlen.

Winfried Exner und Theo Klinkenberg haben den Preis zum sechsten Mal ausgelobt. Beteiligen können sich Kinder und Jugendliche, die Projekte zu den Themen Umwelt- und Klimaschutz umsetzen. Auch in diesem Jahr gab es eine ganze Reihe interessanter Wettbewerbsbeiträge. So hatte ein Team der Sonneckschule einen Gemüsegarten und eine Rasenfläche eingerichtet. Und die Kita Diesterwegstraße, die schon einmal zu den Siegern zählte, hatte ein Gewächshaus gebaut. Exner und Klinkenberg betonen allerdings, dass nicht nur Gruppen, sondern auch Einzelpersonen sich für den Preis bewerben können.

Zu den Schülern der Haarbeckschule, die sich an dem Sieger-Projekt beteiligt haben, gehören Fabian Tellner, Felix Prinz, Jan Ritthoff, Beret Kimstevens, Julian Gatzka und Nina Slütters. Sie sprechen darüber, wie das Projekt ihren Blick auf die Warenwelt in den Billig-Textilmärkten geändert hat. Felix Prinz hat seine Einstellung bereits geändert: "Ich kaufe mir in solchen Läden nur noch kleinere Sachen."

Lehrer Sinan Lafci hat Kontakt zu "Tellavision" geknüpft, einem Label, dass für faire Mode steht, also Kleidung, die unter Einhaltung der sozialen Standards produziert wird. "Mit einem Spendenlauf haben die Schüler eine Summe von 1145 Euro sammeln können", berichtet Lehrer Lafci. Dieses Geld hilft der Aktion "Tellavision", ihre Arbeit fortzusetzen - ein ermutigendes Zeichen der Solidarität der deutschen Schüler mit ihren Altersgenossen in anderen Ländern.

(s-g)