1. NRW
  2. Städte
  3. Neukirchen-Vluyn

Haarbeck-Schule Neukirchen-Vluyn schließt

Haarbeck-Schule Neukirchen-Vluyn : Schule mit Herz und Verstand

Im September 1971 wurde die Haarbeck-Schule im damals neuen Schulzentrum an der Tersteegenstraße eingeweiht, nun werden dort zum letzten Mal Zeugnisse ausgegeben, bevor die Hauptschule dann Geschichte ist.

Eigentlich war zum Abschluss eine große Feier geplant. „Die Planungen dafür liefen seit anderthalb Jahren“, berichtet Schulleiter Gregor Pickers. „Auch eine große Abschlussfahrt mit allen Schülern und Lehrern war bereits gebucht. Wegen Corona kann dies alles nun leider nicht stattfinden.“ Als kleinen Ersatz dafür soll am letzten Schultag ein Abschlussvideo gezeigt werden. Und auch auf eine feierliche Zeugnissübergabe will man nicht ganz verzichten. „Bei schönem Wetter wollen wir die Zeugnisse draußen übergeben. Alle Schüler können von zwei Angehörigen begleitet werden.

Für ausreichend Sicherheitsabstand werden Kreidekreise sorgen“, so Pickers. Musikalisch begleitet werden soll das Ganze ebenfalls. Frank Bergmann, Lehrer und begnadeter Saxophonist, wird vom Dach der Schule „In A Sentimental Mood“ spielen. Sentimental wird auch Pickers, wenn er über die Schließung der Haarbeck-Schule spricht. Seit 2011 unterrichtet er hier, seit drei Jahren ist er Schulleiter. „Die Haarbeck-Schule hatte immer einen ganz besonders familiären Charakter gehabt. Dieses Erbe habe ich von meinen Vorgängern Udo Laakmann und Norbert Henn übernommen und durfte es weitertragen.“ Sowohl Schüler als auch Lehrer seien stolz auf ihre Schule und zugleich sehr traurig, dass sie nun geschlossen werden würde. „Ich hoffe, dass möglichst viel vom Haarbeck-Geist an die Gesamtschule übergeben werden kann.“

Aktuell steht ein großer Container auf dem Gelände der Schule, in dem vieles landet, was in der Gesamtschule nicht mehr benötigt wird. „Die Gesamtschule übernimmt einiges an Inventar, aber vieles ist veraltet und man hat keine Verwendung mehr dafür,“ erklärt Dieter Lengkeit, der vor mehr als 40 Jahren selbst mal Schüler an der Haarbeck-Schule war. Für den stellvertretenden Schulleiter ist es nicht die erste Hauptschule, deren letzte Tage er erlebt. „Die Hauptschule am Niersenberg in Kamp-Lintfort durfte ich genauso entrümpeln“, berichtet Lenkeit.

Das Schicksal der Haarbeck-Schule ist also kein Einzelschicksal. Die Schulform Hauptschule verschwindet langsam aber sicher aus der Schullandschaft in NRW. Während in den 1970er Jahren noch weit mehr als 500 Schüler die Haarbeck-Schule besuchten, waren es im letzten Schuljahr nur noch die 34 Schüler der Abschlussklasse. „Drastisch sank die Zahl aber erst mit dem Beschluss, die Hauptschule auslaufen zu lassen, im Jahr 2014“, berichtet Pickers.

André Kruß ist dienstältester Lehrer an der Haarbeck-Schule. Seit 1999 unterrichtet er hier. „Vieles, was wir hier geleistet haben, war nur möglich, weil wir in einem kleinen System gearbeitet haben“, sagt Kruß. „Man kannte die jeweilige Problematik und die Hintergründe der einzelnen Schüler.“ Er fürchtet, dass es aufgrund der Größe der Gesamtschule zukünftig nicht mehr möglich sei, Schüler so eng zu begleiten. Vieles, was an der Haarbeck-Schule geleistet wurde, konnte nur dank des Engagements des Fördervereins realisiert werden.

Darunter fielen verschiedene Workshops, Zuschüsse für Klassenfahrten und Schullektüren, aber auch der Fischbesatz für das Schulaquarium. Anke Thrun kam zum Förderverein, als ihre Tochter die Schule besuchte. „Vor dem ersten Besuch der Schule, wurde einem in der Öffentlichkeit oft das Bild vermittelt, die Hauptschule sei sowas wie die ‚Restschule‘. Als ich hierher kam, hatte ich einen ganz anderen Eindruck. Jeder Schüler hat hier einen Namen und eine eigene Geschichte.“