Schaephuysen : Goldmedaille für Schaephuysen

Schaephuysen hat beim 26. Landeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ die hohe Auszeichnung gewonnen.

NRW-Landwirtschaftsministerin Ursula Heinen-Esser gab das Ergebnis am Sonntag in Bad Sassendorf bekannt. Zusammen mit vier weiteren Goldmedaillen-Gewinnern – Himmighausen, Louisendorf, Lückert und Sögtrop - vertritt Schaephuysen 2019 das Land NRW beim Bundeswettbewerb.

 22 Dörfer aus dem Rheinland und 22 Dörfer aus Westfalen-Lippe hatten sich dem Urteil einer Jury gestellt. Die kam im Juni nach Schaephuysen und inspizierte das Dorf mehrere Stunden lang. Hans-Jakob Wormann von der Interessengemeinschaft Schaephuysener Bürger und Mario Gürtner, Chef des Vereins für Gartenkultur und Heimatpflege, erlebten die Bekanntgabe live vor Ort. Wormann: „Bis eben gehörte ich zu den Skeptikern. Jetzt sind wir alle überglücklich. Ich glaube, unsere Mischung aus innovativen Projekten und emotionalen Engagement aller Schaephuyener hat uns nach vorn gebracht.“ Noch am Sonntagnachmittag wurde der Triumpf in Schaephuysen spontan gefeiert.

1975, 1976, 1977 gelang Schaephuysen der Durchmarsch: Drei Mal Gold in drei Jahren bei „Unser Dorf soll schöner werden“. Das hat die Messlatte sehr hoch gelegt. Zumal die moderne Ausgabe des Gemeinde-Wettstreits anspruchsvoll geworden ist. Längst reicht es nicht mehr, die Rasenkanten mit der Nagelschere zu trimmen und eine Geranien-Farbexplosion zu inszenieren. Die Bewertungskommission will Entwicklungskonzepte sehen. Wie bewahren die Kommunen ihren Charakter? Und wie klappt der Anschluss an die Moderne?

Ralf Thier, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Schaephuysener Bürger und Vereine, hatte beim Jury-Besuch eine Menge zu erzählen. 2015 waberte Frust durch den Ort: Die Sparkasse schloss ihre Filiale, wenig später die Volksbank. Die Schule verließ den Sprengel in Richtung Rheurdt. Doch anstatt den Kopf in den Sand zu stecken, zogen sich die Schaephuysener am eigenen Schopf aus dem Tal der Tränen. „Wir wollen hier das Gute bewahren und gleichzeitig offen sein für das Neue“, sagt Mario Gürtner.

Die Bewertungskommission schritt durch Straßen, an deren Rändern Glasfaserkabel verlegt werden. Sie sah die Mitfahrerbank als pragmatisches Angebot für Mobilität auf dem Land. Zu Beginn gab es Luftbilder eines Drohnenflugs über Schaephuysen. Und im schwarzen Zelt zeigte ein Projektteam einen Film vom Schützenfest - aber auch vom Open-Air-Festival „Heimspiel“. Der Lebensmittelladen, das Gewerbegebiet, drei florierende Dorfkneipen waren Beispiele einer heilen Infrastruktur. Am Ende inszenierten Jugendliche  einen Flashmob zur Verabschiedung der Jury.

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