Neukirchen-Vluyn: Geschichte und Bücher in einem Haus

Neukirchen-Vluyn : Geschichte und Bücher in einem Haus

Das Museum und die Bücherei in der Kulturhalle haben sich bei einem Tag der offenen Tür gemeinsam Besuchern vorgestellt.

Stöbern, schmökern und erkunden, das sind Beschäftigungen, für die diese Räumlichkeiten den Stoff bieten. Die Rede ist von der Bücherei, die mit rund 6500 Medieneinheiten in das Obergeschoss der Kulturhalle einlädt. Der alte Kamin, der Büssem, wie auch das historische Himmelbett machen auf die nächste Kulturstation in Sachen Ortsgeschichte aufmerksam: das neu gestaltete Museum. Der Rundgang offenbart das neue leichte museale Konzept. Sehenswert ist dabei die Neuerwerbung: der Friseursalon von Adele und Rudi Kühn auf der Feldstraße.

"Wir stellen unsere Ortsgeschichte heute anders dar", sagt Museumsleiterin Jutta Lubkowski. Leichter, mit viel Bewegungsspielraum und weg vom Puppenstubencharakter. Vieles ist medial aufgearbeitet, die wortreichen Info-Tafeln sind verschwunden. Stadtgeschichte ist über die Neuerwerbung, den sogenannten Multimedia-Touchscreen-Tisch, zu erleben. "Wir zeigen unsere Stadtgeschichte im Tisch", so Lubkowski. Dazu zählen Handel und Gewerbe. Manches Exponat, das die örtliche Textilwirtschaft wie die Leinenweberei dokumentiert, ist geblieben.

Zu sehen sind auf der ersten Etage der Kaufmannsladen von Göschel, Exponate die Kaffeerösterei Jans, von der die Bevölkerung damals erzählte, wenn der Duft von gerösteten Bohnen über Vluyn waberte: "Der Jans hat ein Händchen für Kaffee." In der Mache sind unter anderem noch Epochen wie Schulgeschichte, das Wirken von Andreas Bräm wie auch die NS-Zeit, die im Obergeschoss ihren Platz finden sollen. "Wir setzen auf Synergie-Effekte", sagt Jutta Lubkowski. Die Geschichte des Bergbaus soll irgendwann, so die Museumsleiterin über weitere Planungen, auf dem ehemaligen Zechengelände einen authentischen Platz finden.

Simone Straetmans nutzte das Besucherangebot. "Als Vluynerin bin ich sehr ortsverbunden. Ich finde die alten Bilder toll, die die städtische Entwicklung zeigen. Das offene Konzept empfinde ich als Gewinn für das Museum." Bürgermeister Harald Lenßen begrüßte die Besucher. Als gelungen bezeichnete er das barrierefreie Angebot der Bücherei. Sie kehrt, wie mancher Bürger sicherlich noch weiß, an ihre Wurzel zurück. Die erste Ausleihe erfolgte vor Jahrzehnten in dem kleinen Schalterraum im Eingangsbereich der Kulturhalle, bevor das dann erweiterte Bücherangebot in die erste Etage zog. Die Schließung mit begleitender Medienreduzierung am Vluyner Platz sorgte für Aufregung. "Wir haben ein Angebot, das alles andere als eine Notlösung ist. Ich setze auf Langfristigkeit für die Nutzer", so Lenßen.

Bücherei-Leiterin Karin Steuten registriert erste positive Resonanz vor. "Wir mussten reduzieren. Es macht keinen Sinn, von allem ein bisschen zu haben. Verlangt wird genau dann das Buch, das wir nicht im Bestand führen." So ist beispielsweise das Fachbereich Gesundheit am Neukirchener Standort zu finden. Vergeblich suchte Besucher Wilfried Bünder beim Tag der offenen Tür eine Ausgabe der Bibel. Dennoch bestätigte er beim ersten Stöbern, die Bücherei sei im neuen Outfit attraktiv. Steuten: "Die Bibel gehört zum Sachgebiet Religion und ist in Neukirchen zu finden."

Das Museum ist geöffnet mittwochs und samstags, 15 bis 17 Uhr, sonntags von 11 bis 13 Uhr und 15 bis 17 Uhr. An jedem zweiten Sonntag im Monat ist der Eintritt frei. Die Bücherei ist mittwochs 10 bis 13 Uhr, 14.30 bis 18 Uhr, freitags 14.30 bis 18 Uhr geöffnet.

(sabi)
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