Neukirchen-Vluyn: Franjo Terhart schlägt eine neue Seite auf

Neukirchen-Vluyn: Franjo Terhart schlägt eine neue Seite auf

Nach 26 Jahren als Kulturbeauftragter von Neukirchen-Vluyn widmet er sich nun mehr der literarischen Arbeit.

Ursprünglich hatte sich Franjo Terhart gedacht: Diesen Job machst du vielleicht acht Jahre lang. Am Ende waren es dann 26 Jahre. Der Kulturbeauftragte der Stadt Neukirchen-Vluyn, ist gestern verabschiedet worden. "Ich bestelle Pizza für alle", kündigte er an, als er am Tag zuvor zum Gespräch in die RP-Redaktion gekommen war.

Franjo Terhart ist natürlich nicht nur durch seine Tätigkeit in Neukirchen-Vluyn bekannt geworden, er ist ein Schriftsteller, der ebenso Jugendbücher wie Literatur für Erwachsene geschrieben hat. "Als mich für die Stelle beworben habe, sagte ich deutlich, dass ich weiter freiberuflich sein wollte", erinnert er sich.

Terhart konnte Referenzen vorweisen. Jahrelang hatte er das Kulturprogramm in Schloss Borbeck in Essen organisiert, das heißt, er kam nicht aus dem Elfenbeinturm, sondern war ein versierter "Kulturmacher", der auch die technische und geschäftliche Seite kannte. In Neukirchen-Vluyn war man angetan davon, Terhart erhielt die Stellung, als einer von zwölf Bewerbern, die in die letzte Runde gekommen waren. "Das Zeugnis des Kulturamtes Essen hat wohl Eindruck gemacht", sagt er im Rückblick.

Die Neukirchen-Vluyner haben es nicht bereut. Immer wieder ist Terhart in seiner Funktion durch den Rat bestätigt worden. "Sechs oder sieben Mal", rechnet er nach. Bis er signalisierte, dass nach der laufenden Saison Schluss sein wird. Er ist nun 62 Jahre alt. Ein gutes Alter, um eine Zäsur zu setzen.

Wenn man so viele Jahre mit den verschiedensten Künstlern zu tun hat, dann gibt es natürlich was zu erzählen. Über Hanns Dieter Hüsch zum Beispiel. "Ich wusste anfangs nicht, dass seine Auftritte manchmal drei Stunden lang waren", erinnert er sich. "Als ich ihm sagte, dass mir das etwas zu lang vorkomme, war er ziemlich verärgert." Oder über den Schriftsteller und Journalisten Stefan Georg Troller. "Ein Autor, der mich sehr beeinflusst hat", erinnert sich Terhart. "Ich habe ihn schon als Schulkind bei einer Lesung erlebt." Es war ein besonderer Moment, Troller auf die Bühne in Neukirchen-Vluyn holen zu dürfen.

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Viele Kabarettisten, die heute Hallen füllen, sind unter Terharts Ägide als Anfänger vor einer Handvoll Leute aufgetreten - Dieter Nuhr zum Beispiel, aber auch Carolin Kebekus. Durch das Fernsehen wurden sie und andere dann Superstars.

Meist seien die Erfahrungen mit den Künstlern erfreulich gewesen. Terhart zeigt eine Liste der Auftritte seit 1990. Es ist ein Who's Who der deutschen Kabarett-Szene der vergangenen Jahrzehnte. Herbert Knebel, Sissi Perlinger, Jürgen Becker, Urban Priol, Volker Pispers, Konrad Beikircher, Richard Rogler, Kalle Pohl, Cordula Stratmann, Dr. Stratmann, Atze Schröder, Horst Schroth - die Liste könnte beliebig verlängert werden. Auch Ilja Richter, vielen Fernsehzuschauern unvergesslich durch seine "Disco"-Sendung, ist als Solo-Künstler in Neukirchen-Vluyn auf.

Und dann findet sich in der Liste der Name einer Legende: Dieter Hildebrandt. 2013 kam er in die Kulturhalle. Es war einer seiner letzten Auftritte, doch das ahnte niemand, der ihn erlebte. Terhart schwärmt von dieser Begegnung: "Es war unglaublich, wie präsent er war, wie er die Bühne beherrschte." Und Hildebrandt sorgte für einen der schönsten Momente in der Laufbahn des Kulturbeauftragen. "Er sagte mir: Herr Terhart, ich habe zwei Bücher von Ihnen gelesen. Das ging natürlich runter wie Öl."

Was hat Franjo Terhart nun in seinem neuen Lebensabschnitt vor? "Literarisch arbeiten", sagt er. Eine Reihe von Projekten sind in der Pipeline. Für 2018 plant er zum Beispiel einen weiteren Regionalkrimi aus der Grafschaft. Und er kann sich vorstellen, wieder die eine oder andere Kulturveranstaltung zu organisieren. 26 Jahre schüttelt man halt doch nicht so einfach ab.

(s-g)
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