Florian Schroeder gastierte in Neukirchen-Vluyn.

Neukirchen-Vluyn : Ein Kabarettabend über Alphasofties und Finanzkapitalisten

Publikum feiert Florian Schroeder als „intelligenten Kabarettisten“.

Der Kabarettist Florian Schroeder hat am Samstag sein Programm „Ausnahmezustand“ in der Kulturhalle vorgestellt. Er nahm Politik, Schlager und die Deutsche Bahn ins Visier. Auf der Suche nach einer Antwort auf die Frage „Sind wir gut oder böse?“ traf er Alphasofties, üble Finanzkapitalisten und Gutmenschen. Er kommentierte Ausschnitte von Politiker-Reden, die über ihm auf einer großen Leinwand wiedergegeben wurden. Gemeinsamkeiten sieht er in Sport und Politik: „Angela Merkel und Jogi Löw stehen zeitgleich vor dem Aus“. Beide seien „rhetorisch eher so mittelbegabt“ und „beide wollen, dass Deutschland Weltmeister wird“. Dabei denkt er bei Angela Merkel auch manchmal an Peitschenhiebe. Den Grünen-Politiker Robert Habeck dagegen sieht er als „Coverboy der Landlust“.

„Das Böse heute ist männlich“, sagt Florian Schroeder, um am Ende doch zu dem Ergebnis zu kommen: „Es gibt das Böse gar nicht!“ Wohl aber Grauzonen und die manchmal gedankenlose Ausbeutung anderer, zum Beispiel, wenn man bei Amazon bestellt. Allerdings hat nicht jeder eine Wahl, findet er: „Wo willst du denn sonst einkaufen, wenn du in Neukirchen-Vluyn wohnst?“

Schade, dass Frauen weniger verdienen und trotzdem oft mehr zahlen müssen, zum Beispiel beim Friseur. Oder wegen der eigens für rosa Podukte eingeführten „Pink Tax“. Dabei sind sogar 55 Prozent der Studienanfänger Frauen und bekommen deshalb nicht alle einen Partner auf Augenhöhe. „Gebt euren Doktortitel als gefälscht zurück!“, wäre eine Alternative. Die andere: „Eröffnet neben eurer Arztpraxis ein Nagelstudio!“

„Wir paktieren mit dem Bösen und wollen doch die Guten sein“, ist eine weitere Erkenntnis. Denn wer sich Kleidung im Internet bestelle, Auto und Smartphone leiste, beute damit ja schon andere aus und halte sich quasi Sklaven, die für ihn arbeiten. Nur so könne man sich auch Luxus wie beispielsweise ein Smart-Home leisten, das eigenständig Einbrecher meldet und ins Gefängnis bringt, während man im Urlaub ist. Dank Videoübertragung sei man dann nicht mehr auf den Tatort im Fernsehen angewiesen.

In der Pause bat der Kabarettist die Zuschauer in der Kulturhalle Neukirchen-Vluyn, eine Karte mit Fragen auszufüllen „damit das Ganze auch ein wenig Stuhlkreis-Charakter bekommt“. Er wollte wissen „Bist du gut? Oder böse?“ und bekam als eine Antwort: „Halb und halb. Gulasch schmeckt so auch besser!“ Eine andere Zuschauerin schrieb auf die Karte: „Endlich mal intelligenter Humor!“ Florian Schroeder imitierte auch auf Zuruf aus dem Publikum Schauspieler, Sänger und Politiker.

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